Die Perlendiebin

Wer zur Fangemeinde Axel Schefflers gehört, kennt diesen bezaubernden Titel aus dem Jahr 1998 vielleicht noch. Rowohlt hat die Geschichte von dem kleinen unscheinbaren Huhn, das allen Mut zusammen nimmt und sich als Lehrling in Meister Peacocks Perlenladen bewirbt neu aufgelegt.

Fasziniert von den unzähligen Perlen in allen erdenklichen Größen und Farben kann das kleine Huhn sein Glück kaum fassen. Mit diesen schönen Dingen hat es nun jeden Tag zu tun. Aus den Perlen entstehen unter den strengen Blicken des Meisters kleine Kunstwerke, die begeisterte Abnehmer finden. Nur abends, wenn der Meister sich schon zurückgezogen hat, ist das kleine Huhn alleine und räumt noch die Werkstatt auf. Von den auf den Boden gefallenen Perlen magisch angezogen, steckt es diese heimlich ins Gefieder. Nun erwacht eine ungeahnte Gier im kleinen Huhn. Es kann einfach nicht genug bekommen und bedient sich nach kurzer Zeit sogar an den Perlengläsern. Es kommt aber noch schlimmer. Eines Tages steht unverhofft der Prinz samt Gefolge im Laden, um seine beschädigte Krone reparieren zu lassen. Der hohe Besuch spricht sich natürlich schnell herum ebenso wie der gräfliche Ball zu Ehren des Prinzen. Binnen kurzer Zeit türmen sich Schmuckstücke, die für das Fest hergerichtet werden sollen in der Werkstatt. Allein gelassen mit den Kostbarkeiten, begeht das kleine Huhn einen schweren Fehler. Was das kleine Huhn macht und ob es seinen Fehler wieder gut machen kann, wird hier nicht verraten. Am Ende der Geschichte, sind aber alle Fragen beantwortet. Auch warum das Perlhuhn Perlhuhn heißt und wie es zu seinem gemusterten Federkleid gekommen ist. Wer Gefallen an der Perlenstickerei gefunden hat, findet im Buch schöne Anleitungen von Rosa Scheffler.

Buchtipp von Minea Süss

Ab sechs Jahre.

Scheffler, Axel: Die Perlendiebin, rowohlt rotfuchs, 2019, € 10,00.

Antarktis – Die Entdeckung eines unbekannten Kontinents

Angesichts schmelzender Eisberge und Gletscher rückt die Antarktis nicht nur aufgrund der Klimawandel-Debatte in den Mittelpunkt des Interesses. Seit jeher sind Menschen fasziniert von dieser lebensfeindlichen Umgebung, in der sich eine einzigartige Landschaft aus Eis und Schnee geformt hat, die Lebensraum für Tiere zu Lande, zu Wasser und in der Luft ist.

Herausgefordert von den unwirtlichen Rahmenbedingungen, versuchten Menschen seit dem 18. Jhd. die Antarktis zu erforschen. In dem schön gestalteten Bildersachbuch von Giulia Vetri wird die Entdeckung dieses besonderen Kontinents Schritt für Schritt erklärt.  Mit dem Buch in der Hand oder auf dem Boden liegend, kann man sich von den klar gestalteten Seiten in Bann ziehen lassen und auf den Spuren der Entdecker wandeln. Am Anfang dieser Reise steht der Blick in die Sterne. Ausgehend von dem Sternbild des kleinen Bären, stellten sich die Bewohner des antiken Griechenlands ein Land gegenüber des Himmelsnordpols vor. Da im altgriechischen die Bedeutung von Bär „Arktis“ ist, bezeichnete man es als Antarktis. Wie viele Entdecker jedoch notwendig waren, um erste Karten von den Kontinenten zu zeichnen, zeigt eine aufklappbare Doppelseite. Dennoch wurde der Polarkreis erst 1773 von James Cook überquert. Bis zur Sichtung des eigentlichen Kontinents dauerte es nochmal knapp 50 Jahre. 1820 nährte sich eine russische Expedition dem Ufer. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich der Bestand an Roben und Walen aufgrund intensiver Bejagung schon stark dezimiert. Walöl und Robenfett waren begehrte Brennstoffe, ein Mantel aus Robbenfell galt in bestimmten Gesellschaftskreisen als schick. Seit dem 20. Jhd. kommen zunehmend die Auswirkungen des Klimawandels zum tragen. Die Eiskappen schmelzen und lassen den Meeresspiegel ansteigen. Ein Buch für alle Sinne und die ganze Familie.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 9 Jahre.

Vetri, Giulia: Antarktis, Die Entdeckung eines unbekannten Kontinents, E. A. Seemanns, 2019, € 22.

Martina – Ein Mädchen voller Überraschungen

Ob es nun das halbwegs freundliche Lächeln des Zombiemädchens oder der schön geschnitzte Kürbis war, der meine Aufmerksamkeit auf das Buch lenkte, kann ich gar nicht so genau sagen. Zombiegeschichten gehören auf jeden Fall nicht in die Kategorie Lieblingsbuch. Bis jetzt! Die liebenswerte Figur die Illustratorin und Autorin Barbara Cantini geschaffen hat, hat mich wider Erwarten im Sturm erobert und ist für graue und verregnete Herbsttage genau die richtige Lektüre.

Zusammen mit Hund Mesto wohnt Mortina bei ihrer Tante Dipertita. Die ländlich gelegene, großzügige Villa steht inmitten eines weitläufigen Parks. Das nächste Dorf befindet sich gerade in Sichtweite. Trotz der Entfernung kann Mortina immer wieder Kinder aus dem Dorf beim Spielen beobachten. Man ahnt, was das Problem des Kindes ist. Da die Tante und sie zur Spezies der Untoten gehören, wacht Tante Dipertita mit Argusaugen über die Nichte, damit sie bloß nicht in Kontakt mit den Dorfkindern kommt. Hund Mesto ersetzt also nicht nur fehlende Familienmitglieder, sondern auch fehlende Spielgefährten. Genau an der Schnittstelle zwischen Bilderbuch und Vorlesegeschichte, entwickelt Barbara Cantini eine Bildsprache, die unaufgeregt und witzig Zombie typische Merkmale benennt, ohne dabei ins unappetitliche  oder makabere abzugleiten. Die gelungenen Illustrationen unterstreichen und ergänzen den Text und laden zum Verweilen und Schauen ein. Der etwas größer gedruckte Text ist sowohl vom Druckbild als auch vom Satzbau für Leseanfänger geeignet. Mit Spannung begleitet man das Kind auf seiner verzweifelten Suche nach Freunden. Aber Martina wäre nicht Martina, wenn sie nicht mit der ihr eigenen Spitzfindigkeit eine Lösung für ihr Problem finden würde. Wohlige Schauer am Ende sind garantiert.

Lesetipp von Minea Süss

Ab 7 Jahre.

Cantini, Barbara: Mortina – Ein Mädchen voller Überraschungen, dtv junior, 2019, € 10,95

Die kleine Eule fliegt zu den Sternen

Eulen als nachtaktive Waldbewohner passen gut in die dunkler werdende Jahreszeit. In Gruselgeschichten sorgt das zur Geisterstunde ertönende Schuhuu für wohlige Gänsehaut, Harry Potter hätte ohne seine Hedwig weder Post empfangen noch versenden können, alte Eulen sind seit jeher in der Literatur bekannt für Ihre Weisheit und Lebensklugheit. Insgesamt gehören Eulen mit zu den beliebtesten Tieren in der Kinder und Jugendliteratur. Gerade im Bilderbuch tummeln sich die großäugigen Wesen in zahlreichen Titeln. Das ewig nörgelnde und Tränen vergießende Eulenkind in „Heule Eule“ erfreut sich schon seit geraumer Zeit großer Beliebtheit und sorgt immer wieder für Lesespaß.

„Die kleine Eule“ aus dem Oetinger Verlag hat ihre Karriere in einem kleinformatigen Pappbuch mit dem Titel “ Die Eule mit der Beule“ begonnen. Die Begeisterung bei Groß und Klein hat zu weiteren Abenteuern geführt und da auch kleine Eulen wachsen, findet sich die flügge gewordene Eule nun in einem Bilderbuch ab drei Jahren wieder. Mit sehnsuchtsvollem Blick sitzt sie des Nachts im Baum und schaut in den Sternenhimmel. Das Funkeln der Himmelskörper ist ausgesprochen verlockend und der Wunsch diese aus der Nähe zu sehen wird immer größer. Doch so sehr sie sich auch reckt und streckt, die Sterne kann sie nicht erreichen. Angesichts dieser Erkenntnis und mit der unbedingten Unterstützung von Freund Spatz, verlässt das Eulenkind schließlich wagemutig den Ast und lernt fliegen. Susanne Weber erzählt auch diese Geschichte in flüssigen, gut zu lesenden Reimen. Als Lesende begleiten wir das Eulchen bei seinen ersten Flugversuchen, die letztlich in einem abenteuerlichen Versuch die Sterne zu erreichen enden. Fazit: Neugier, Mut und die Begeisterung für etwas tut nicht nur kleinen Eulen gut …

Lesetipp von Minea Süss

Ab 3 Jahre.

Weber, Susanne: Die kleine Eule fliegt zu den Sternen“, Oetinger, 2019, € 14,00.

Das Abrakadabra der Fische

Wer kennt sie nicht, die Familiengeheimnisse, für die man als Kind ein untrügliches Gespür hat, die einen auf Schritt und Tritt verfolgen, wie ein Ohrwurm im Kopf herumschwirren und die unbedingt gelöst werden wollen. Jedes verstummte Gespräch der Erwachsenen, jedes leiser werdende Wort, jedes schnell aus dem Blickfeld  geschobene Ding, das nicht gesehen werden darf, befeuert nur die Phantasie und den erweckten Entdeckerwillen, dem Geheimnis auf die Spur zu kommen und Licht in das Dunkel zu bringen.

Vonkie verbringt eine Woche bei ihrem Opa. So viel Zeit hat sie mit dem mitunter mürrischen alten Herrn noch nie verbracht. Aber wenn die Eltern Zeit für sich brauchen, um bestimmte Dinge zu klären, hat man keine Wahl, man muss sich in sein Schicksal fügen. Der auf den ersten Blick langweilig erscheinende alte Bauernhof birgt dann aber doch mehr interessante Dinge, als Vonkie zunächst gedacht hat. Alles fängt mit der Entdeckung an, dass ihr Opa sechs Brüder hat. Sechs! Für das Einzelkind Vonkie ist das unvorstellbar. Fasziniert schaut sie immer wieder auf das Foto mit den sieben Jungen und bittet und bettelt so lange, bis ihr Opa schließlich anfängt zu erzählen. Von der Begeisterung der Enkelin angesteckt, taucht der alte Mann letzten Endes nur zu gerne in die Vergangenheit ein und erzählt von Abenteuern und Streichen aber auch von einem ungeheuerlichen Familiengeheimnis, dessen Entdeckung zum Bruch mit seinem Lieblingsbruder führt. Gleichzeitig erzählt er aber auch von einem Familiengeheimnis aus der Nachbarschaft. Die unschönen Folgen dieser Entdeckung wirken bis in die Gegenwart nach. Vonkie will das nicht gelten lassen und beschließt mit ihrem Cousin den Dingen eine andere Wendung zu geben.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 11 Jahre.

van der Geest, Simon:Das Abrakadabra der Fische, Thienemann, 2019, € 15,00.

Berti und seine Brüder – Die Schokoladenkugel des Bösen

Berti und seine herrlich schrägen Brüder, von den nicht weniger schrägen Eltern fange ich gar nicht erst an, haben sich auf Anhieb in meiner persönlichen Lieblingsbücherliste einen Platz auf den vorderen Rängen gesichert.

Berti hat es mit seinen fünf Jahren nicht leicht. Gleich drei ältere Brüder hat ihm das Schicksal zur Seite gestellt und die sind auch noch deutlich älter als er. Zehn, elf und zwölf Jahre, um genau zu sein.  Jetzt könnte man meinen, dass die Herren Brüder mit soviel mehr Lebensjahren auch deutlich mehr Lebenserfahrung oder gar Lebensweisheit besitzen als Berti. Weit gefehlt. Einzig der Vorrat an wahnwitzigen Ideen ist in einem schier unerschöpflichen Ausmaß vorhanden; bei allen anderen Punkten ist noch ein kleines Bisschen Luft nach oben. Für Abwechslung ist also auf jeden Fall gesorgt. Turbulent wird es aber in dem Moment, wo Mutter Hilde beschließt in einer Sommerferienwoche endlich ihre Doktorarbeit zu beenden. Damit das auch gelingt, schließt sie sich in ihrem Zimmer ein. Da Mütter aber bekanntlich besser hören als ein Luchs, werden nach jedem „Missgeschick“ die Übeltäter namentlich herbeigerufen und mit Sonderaufgaben betraut. Da das Projekt „Schokoladenkugel des Bösen“ allerdings alle Aufmerksamkeit und Energie der drei älteren Jungen erfordert, bleibt der Gartenzaun ungestrichen, die Auffahrt und Beete ungejätet, die ….. . Zu Bertis großem Verdruss lassen sich die Brüder nicht davon abbringen im schönsten Süßigkeitenladen der Straße die große Schokokugel aus dem Schaufenster zu entwenden. Ganz schön viel zu tun für einen fünfjährigen. Denn irgendjemand muss ja rettend zur Tat schreiten, wenn der absolut erfolgversprechende Plan B wieder schiefgegangen ist. Am Ende des ganzen Schlamassels hat sich Berti das von den Brüdern liebevoll aus Papas Sporthemd und dem roten Duschvorhang gebastelte Superheldenkostüm redlich verdient. Echte Brüder halten eben zusammen wie Pech und Schwefel.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 5 Jahre.

Dickreiter, Lisa-Marie; Götz, Andreas: Berti und seine Brüder – Die Schokoladenkugel des Bösen, Oetinger, 2019, € 13,00.

Was Wim und Wanda alles können

Geschwister können wie Pech und Schwefel zusammenhalten oder sich spinnefeind sein. Oft liegen beide Varianten nah beieinander und wechseln zum Teil innerhalb eines Tages gleich mehrere Male. Zwillinge wie Wim und Wanda unterscheiden sich in diesem Punkt auch nur unwesentlich von anderen Geschwistern. Jeder hat seine Stärken und Schwächen, auch wenn es keinen nennenswerten Altersunterschied gibt, den man manchmal ganz wunderbar als Erklärung für besondere Fähigkeiten heranziehen kann. Ein „Argument“ übrigens, dass ich als Älteste leider erst entdeckt habe, als ich bereits dem elterlichen Nest entflogen war.

Das aufgeweckte Duo von Heike Herold ist da schon anders unterwegs. Ausgesprochen aufmerksam beobachten die beiden sich und ihre nächsten Anverwandten. An erster Stelle stehen da natürlich Mama und Papa. Und natürlich gibt es Nichts und Niemanden, der oder das Mama und Papa das Wasser reichen kann. Etwas anders sieht es da schon mit den Geschwistern aus. Bruder Willi, älter als die Zwillinge, kann ein paar Dinge besser. Aber nur so wenig, dass es eigentlich gar nicht erwähnenswert ist. Baby Wilma hingegen „kann fast Nichts“, ist im „schreien, trinken und schnullern“, jedoch einsame Spitze. Mit dem typischen Kinderblick, dem so gut wie kein Detail entgeht, kommentieren die beiden auch Oma und Opa, den Nachbar Herrn Arendt, Onkel Gregor und andere Menschen, die Teil ihres Alltags sind. Das Ergebnis ihrer Betrachtungen ist ausgesprochen witzig, lädt dabei aber auch zum Nachdenken ein. Zu guter letzt ist das ganze Buch eine wunderbare Aufforderung über sich und die Dinge, die man besonders gut oder nur so mittel gut kann nachzudenken. Ebenso wie über die Dinge, die man besonders gerne oder gar nicht mag.

Buchtipp von Minea Süss

Ab drei Jahre.

Herold, Heike: Was Wim und Wanda alles können, Beltz, 2019, € 12,95.

Immer kommt mir das Leben dazwischen

Karl, dreizehn Jahre alt, Einzelkind, Spross betont unaufgeregter Akademikereltern, Durchschnittsschüler, verliebt in Nachbarin und Klassenkameradin Irina, ist immer noch damit beschäftigt, den vollkommen unerwarteten Tod seines Opas zu verarbeiten. Der Opa erweist sich im Jenseits jedoch mindestens so unternehmungslustig wie im Leben und erscheint dem Enkel im Traum, um ihm konkrete Vorschläge für seine Zukunft zu machen. Die Autorin Kathrin Schrocke lässt den alten Herrn dreimal zu Wort kommen. Ganz am Anfang, was dazu führt, dass Karl tatsächlich den Vorschlag Youtube-Star zu werden aufgreift, ungefähr in der Mitte der Geschichte, wo es sich als Notwendig erweist, der Oma bei der Umsetzung des Projekts Mehrgenerationenhaus tatkräftig unter die Arme zu greifen und am Ende, wo schließlich alles so ist, wie es sein soll. Und dazwischen? Ja dazwischen tobt das wahre Leben, ohne das Karl darauf Einfluss nehmen könnte. Einmal angestoßen entwickeln die Dinge eine Eigendynamik, die ihresgleichen sucht. Mit unnachahmlichem Charme, einer überlebensnotwendigen Portion Selbstironie und Sinn für die unfreiwillig komischen Höhen und Tiefen des Lebens, erzählt uns Karl aus seinem immer chaotischer werdenden Alltag. Dreh- und Angelpunkt ist dabei das Mehrgenerationenhaus, in das Karls Oma mit der heimlichen Unterstützung ihrer drei Enkelsöhne einzieht. Aufgrund einer Ehekrise tummelt sich Karls Vater unerwartet ebenfalls im Haus Fidibus und wird praktisch über Nacht  Zimmernachbar der eigenen Schwiegermutter. Was sich überzogen und konstruiert anhört, wird höchst amüsant und kurzweilig erzählt. Die Sicht des dreizehnjährigen überzeugt durch ihre Unbedarftheit. Wunderbar ist auch der enge Kontakt zu den Zwillingscousins und deren Begabung grandiose bis halsbrecherische Lösungsansätze aus dem Hut zu zaubern.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 13 Jahre.

Schrocke, Kathrin: Immer kommt mir das Leben dazwischen, Mixtvision, 2019, € 14,00.

Matti kann schon fast alles

Nichte Nummer Zwei ist im besten „das kann ich schon alleine“ – Alter. Für mich ist es immer wieder aufs Neue faszinierend zu sehen, was kleine Menschen innerhalb von kurzer Zeit können und mit wieviel Inbrunst sie alles daran setzen, um zum Ziel zu kommen. So gilt es im Garten meiner Eltern z. B. eine Stufe zu überwinden, will man mit dem Puppenwagen die große Runde im Garten drehen. Mit wachsamen Tantenblick stand ich einsatzbereit an einer strategisch günstigen Stelle. Die Nichte würdigte mich keines Blickes und wuchtete mit mir unerklärlichem Kraftaufwand den Wagen samt Inhalt über das vermeintliche Hindernis. Kaum war dies geschafft, traf mich ein triumphierender Blick, die Schultern strafften sich und erhobenen Hauptes stolzierte man an mir vorbei.

Manchmal ist es aber auch so, dass die Eltern meinen, der Nachwuchs könne bestimmte Dinge schon selber. Seit Mattis kleine Schwester Ida auf der Welt ist, sagt Mattis Mutter ständig er sei doch schon ein großer Junge und könne sich alleine die Jacke zuknöpfen, die Gummistiefel anziehen oder alleine auf Toilette gehen. So gerne Matti auch alleine die Milch ins Müsli kippt,  sich die Keksdose angelt und sich selber Bilderbücher vorliest, so wünscht er sich doch manchmal die Hilfe von Mama oder Papa. Was Matti erlebt, spricht wahrscheinlich vielen Geschwisterkindern aus der Seele. Das jüngere Geschwister benötigt eben mehr Aufmerksamkeit und Hilfe. Da hat man es als der große Bruder oder die große Schwester eben nicht leicht. Matti ist dann auch ziemlich verstimmt, als die kleine Schwester einmal mehr dafür sorgt, dass seine Mutter ihn wieder mit einer schwierigen Sache alleine lässt. Am Ende ist die Welt aber wieder in Ordnung und Matti ein zufriedener großer Bruder.

Buchtipp von Minea Süss

Ab drei Jahre.

Peacock, Lou; Pam, Christine: Matti kann schon fast alles, Thienemann, 2019,  13,00.

Z wie Zorro

Um Gutes zu tun braucht es manchmal nicht nur Mut, sondern auch eine gehörige Portion Einfallsreichtum. Luna verfügt aber nicht nur über Mut und säckeweise Ideen, nein sie hat auch das notwendige Quentchen Widerspruchsgeist, das man hin und wieder benötigt, wenn man Handlungsbedarf zum Helfen erkennt.

Elias freundet sich recht schnell mit dem neuen Mädchen in der Klasse an. Luna ist nicht nur freundlich, sie erkennt auch blitzschnell, wenn etwas Ungerechtes im Gange ist. Das selbstbewusste Mädchen setzt sich für andere ein und imponiert damit unbewusst dem eher zaghaften und schüchternen Elias. Zusammen sind sie schnell ein unschlagbares Team. Doch wer steckt hinter den unglaublichen Heldentaten, die plötzlich überall passieren? Sollte tatsächlich Zorro, der Rächer der Enterbten und Hilflosen in der Stadt sein? Schließlich prangt auf einmal überall da ein großes Z, wo etwas Außergewöhnliches passiert. Elias merkt schnell, dass der markante Buchstabe überall da auftaucht, wo auch Luna in der Nähe ist. Nun sind die detektivischen Fähigkeiten von Elias gefordert. Bevor er aber dem Geheimnis von Luna auf die Spur kommt, muss er plötzlich selber aktiv werden und unter Aufbietung aller Kräfte dafür sorgen, dass sein Leih-Opa Kurt in seinem Haus wohnen blieben darf. Matthias Morgenroth erzählt eine warmherzige Geschichte vom Wert der Freundschaft zwischen verschiedenen Menschen und unterschiedlichen Generationen und von dem beglückenden Gefühl sich für etwas stark zu machen.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 9 Jahre.

Morgenroth, Matthias: Z wie Zorro, Coppenrath, 2019, €13,00.