Hase und Igel kaum zu bremsen!

Die Kassette mit der Geschichte von Hase und Igel und ihrem Wettlauf, haben meine Geschwister und ich in Dauerwiederholung gehört. Mehr als einmal gab es auch Bandsalat. Meistens saß meine Mutter dann mit dem Tonträger und einer Gabel bewaffnet auf der Eckbank und hat das verknüddelte Band entwirrt und mit Hilfe des Essbestecks, der Griff passte genau in die runden Einlegelöcher, wieder aufgedreht. Die Trauer war natürlich groß, als das geliebte Stück irgendwann nicht mehr zu retten war.

Kaum hatte ich den Vorleseband von Hase und Igel aufgeschlagen und just den berühmten Klassiker als erste Geschichte entdeckt, waren die Kindheitserinnerungen wieder gegenwärtig. Nach diesem schönen Auftakt folgen eine Reihe flott erzählter Abenteuer, die Hase und Igel miteinander erleben. Die Idee des Wettlaufs zieht sich dabei als roter Faden durch die Geschichten und wird sehr originell in immer wieder anderen Varianten weiter gesponnen. Da die beiden ausgesprochen unternehmungslustig sind, landen sie nicht nur in der Schule sondern auch im fernen Süden. Urlaub machen ist ja schließlich etwas, dass ein Hase und Igel von Welt auch einmal ausprobiert haben muss. Sehr schön ist hier die Idee die beiden Freunde einen unfreiwilligen Wettlauf  gegen die Urlaubspostkarten machen zu lassen. Nach der ersten Enttäuschung, dass die mit viel Sorgfalt und Liebe geschriebenen Karten noch nicht angekommen sind, siegt die Freude darüber, dass man schneller als die Karten wieder zu Hause war. Franz Sklenitzka hat mit Hase und Igel zwei liebenswerte Figuren wieder zum Leben erweckt und eigenständig weiter gesponnen. Ein wahres Lesevergnügen für Groß und Klein.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 5 Jahre.

Sklenitzka, Franz S.: Hase und Igel kaum zu bremsen, Nilpferd, 2017, € 14,95.

Heimisch und doch fremd

Wer regelmäßig andere Länder bereist oder sich in der Flüchtlingshilfe engagiert, hat sicherlich schon selber erfahren, wie leicht man aufgrund von Unwissen ins Fettnäpfchen treten kann. Zwar geben Reiseführer viele Tipps was Verhaltensregeln, kulturelle und religiöse Gepflogenheiten angeht, aber die Feinheiten, sprich die Nuancen ergeben sich erst im tatsächlichen Miteinander. Wer regelmäßig mit Menschen aus anderen Kulturen Kontakt hat, wird schnell merken, wie vielschichtig und umfassend die soziokulturelle Prägung ist.

Dank meiner syrischen Nachbarn, werde ich mit schöner Regelmäßigkeit genau damit konfrontiert. Der Zuzug verschiedenster Nationalitäten verändert nicht nur unsere Gesellschaft, sondern auch unseren Alltag. Nur im aufeinander zugehen, miteinander reden und sich austauschen, können Barrieren und Vorurteile abgebaut werden, kann Verständnis füreinander entstehen und Gemeinschaft wachsen.

Barbara Warning stellt in ihrem Buch junge Menschen verschiedener Nationalitäten mit gänzlich unterschiedlichen Motivationen ihr Heimatland zu verlassen vor. In fünf großen Themenblocks werden nicht nur die Gründe für das Verlassen des Heimatlandes aufgezeigt, sondern auch das Leben bei uns in Deutschland mit allem was dazugehört. Neben Beispielen Integration zu erleichtern, geht es auch um die Frage der Identität sowie kulturelle und religiöse Aspekte. Zu Beginn aber steht das Erlernen der Sprache. Hier sind vor allem Lehrer gefragt, die mit Herzblut bei der Sache sind. Ohne die stetige Motivation einer Lehrerin hätte z. B. Mukendi nach seiner Flucht aus dem Kongo nicht so schnell akzentfrei die Sprache lernen können. Obwohl die Eltern des jungen Mannes bis heute nicht so gut Deutsch sprechen, haben sie ihren Sohn nach Kräften unterstützt. So hat z. B. der Vater regelmäßig Hörbücher aus der Bücherei ausgeliehen. Heute studiert Mukendi Informatik. Jedes Porträt in dem Buch ist beeindruckend, berührend, bereichernd und authentisch. Ein gelungener Blick über den Tellerrand zwischen zwei Buchdeckeln.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 13 Jahre.

Warnig, Barbara: Heimisch und doch fremd, Junge Migranten erzählen, wie Integration gelingt, Ravensburger, 2016, € 16,99.

Ich so Du so – Alles Supernormal

Die Welt ist bunt und jeder Mensch ist auf seine Art einzigartig. Die Labor Ateliergemeinschaft – bekannt für ihre ungewöhnlichen Buchprojekte – unterstreicht das Thema Individualität schon in der Präsentation der einzelnen Beiträge. Neben Bildcollagen finden sich Comics, Textbeiträge, Interviews, Fotos und Grafiken, um nur ein paar Beispiele zu nennen.

Beindruckend ist vor allem die Authentizität, mit der    hier Erwachsene, Kinder und Jugendliche aus ihrem Leben erzählen. Da ist zum Beispiel Philip.Philip hat ein Jahr lang eine Schule in Frankreich besucht. Anders als bei uns in Deutschland haben die Schüler dort Schultaschen in Form von Ranzen oder Aktenkoffern benutzt. Philip war der einzige mit einem Rucksack. Was bei uns als vollkommen normal wahrgenommen wird, weil die breite Masse es tut, machte Philip in Frankreich zum Außenseiter. Der Rucksack sorgte für negativen Gesprächsstoff, bis ein Mitschüler ebenfalls mit einem Rucksack auftauchte. Plötzlich wendete sich das Blatt und am Ende hatten ca. 20 Schüler ihre alte Schultasche gegen einen Rucksack getauscht. Sich gegenseitig als Inspirationsquelle nutzen und den anderen so akzeptieren und annehmen wie er ist, sollte unser aller Handeln leiten.

Spannend zu lesen sind auch die Kurzinterviews mit Erwachsenen, die sich in Fragen damit auseinandersetzen, was sie an sich nicht normal finden oder ob sie in der Vergangenheit etwas erlebt haben, dass sie als nicht normal empfunden haben. Die Antworten machen deutlich, dass jeder von uns etwas anderes als auffällig also nicht normal empfindet. Die anregenden und kurzweiligen Beiträge helfen den eigenen Standpunkt zur Frage nach Normalität bezogen auf Personen zu überprüfen und in Frage zu stellen.

Buchtipp von Minea Süss

Labor Ateliergemeinschaft: Ich so Du so, Alles Supernormal, Beltz, 2017, € 16,95.

Armut – Schüler fragen nach

Es gibt Themen, die sind unbequem, tabu oder unbequem und tabu. In den Medien wird zwar hin und wieder über Kinderarmut in Deutschland berichtet, aber zwischen einer auf Statistiken basierenden Berichterstattung und der persönlich vorgetragenen Erfahrung nicht die finanziellen Mittel zu haben, um sich einfach zwischendurch etwas zu kaufen, nur weil man es haben will und morgens vor einem leeren Kühlschrank zu stehen, liegen Welten. Gerade der leere Kühlschrank hat mich schockiert.

Armut ist eben nicht nur die fehlende Möglichkeit in Urlaub zu fahren, spontan ins Kino zu  gehen, einem Verein beizutreten, neue Kleidung zu kaufen, obwohl die alte noch tragbar ist, sondern tragischer Weise auch die fehlende Möglichkeit in ausreichender Menge Lebensmittel zu kaufen. Erst letzte Woche habe ich bei Rewe eine Tüte mit Grundnahrungsmitteln gekauft, die an Bedürftige weitergegeben werden. Mein Verdrängungsmechanismus wurde aber erst durch die Lektüre von Jutta Bauers Buch aufgebrochen. Es gibt Menschen, die können sich noch nicht einmal das leisten. Die von Jutta Bauer gesammelten Fragen von Schülern zu dem Thema beleuchten ganz unterschiedliche Seiten und dringen mit Fragen nach der Befindlichkeit auch emotional in tiefere Ebenen vor. Hier macht vor allem die Abwesenheit von Familie betroffen. Diejenigen,  die noch Kontakt haben, erleben diesen als Stütze und Motivation aber viele verneinen die Frage ohne weiteren Kommentar. Die Offenheit dieser Menschen, von denen sich viele trotz ihrer schwierigen Situation als zufrieden oder sogar glücklich bezeichnen, berührt und macht sehr, sehr nachdenklich.

Buchtipp von Minea Süss

Von 8 – 99

Bauer, Jutta: Armut – Schüler fragen nach, Carlsen, 2017, € 14,99.

So isst die Welt

„Was gibt es zu essen?“ Bei Familientreffen ist dies die Begrüßungsformel meiner Brüder. Kein gesittetes „Guten Tag, wie geht es Dir?“ nein, es wird sofort in Erfahrung gebracht, was ohnehin gleich auf den Tisch kommt. Um sicherzustellen, dass der kleine Hunger nach der Hauptmahlzeit auch gestillt werden kann, schließt sich an die obligatorische Frage unmittelbar der Gang zum Kühlschrank an. Dort ist dann Rudelgucken angesagt und nicht selten reserviert man sich das eine oder andere Leckerchen schon mal, damit bloß keiner auf die Idee kommt, sich einfach so zu bedienen. Nein,  Mangel hat bei uns nicht geherrscht, auch die Nachbarskinder sind immer mit satt geworden. Alle Brüder erfreuen sich eines sehr guten Einkommens und trotzdem könnte man meinen das Leben sei von einer kurz bevorstehenden Hungersnot beherrscht und der eigene Kühlschrank leer. Der Gerechtigkeit halber muss ich zugeben, dass ich auch sehr gerne esse und den Inhalt im elterlichen Kühlschrank ebenfalls interessant finde. Mitbringsel aus dem Urlaub bestehen bei uns allen aus landestypischen Spezialitäten. Und um diese ausfindig zu machen, studieren wir jetzt vor jeder Reise mit Begeisterung den Atlas „So isst die Welt“. In den Karten sind mit Piktogrammen nicht nur Zutaten und Tiere, sondern auch Landestypische Produkte und Gerichte sowie Tiere, die nicht auf dem Speisezettel stehen verzeichnet. Hauptstädte und berühmte Sehenswürdigkeiten runden die Informationen ab. Ein kurzer Text führt in die Essgewohnheiten des jeweiligen Landes ein und macht Lust auf mehr. Begeben Sie sich auf die Suche nach der Kartoffel Asterix. Es sei nur so viel verraten, dass die Knolle nicht aus dem Heimatland der berühmten Comicfigur stammt.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 5 Jahre.

Malerba, Giulia; Sillani, Febe: So isst die Welt, Entdecke fremde Länder und was dort auf den Tisch kommt, riva, 2017, € 16,99

Der Prinz muss mal Pipi

Wer mit Kindern das Haus verlassen möchte, tut gut daran vorher nochmal an einen Besuch der Örtlichkeit zu erinnern, bevor der gefürchtete Satz „Ich muss mal.“ an das Ohr eines Erziehungsberechtigten dringt und die hektische Suche nach einer Toilette beginnt. Besonders gemein ist dies, wenn die Frage mit einem „Ich muss aber nicht.“ beantwortet wird, nur um gefühlte fünf Minuten später sehr nachdrücklich darauf hinzuweisen, dass man jetzt aber sehr dringend ein Bedürfnis habe.

Genau dies passiert Prinz Tommi. Gemütlich liegt er auf seiner königlichen Liege am Strand und schlürft Limonade – schließlich befindet er sich im Urlaub – als plötzlich sein Pferd Herr Springer eine akute Gefahrenlage für Schloss Krümelfels meldet. Da man das Schloss unmöglich dem Drachen überlassen kann, muss Prinz Tommi natürlich zur ruhmreichen Tat schreiten. Der Weg dahin ist allerdings lang und unangenehm. Letzteres liegt in erster Linie daran, dass der Prinz dringend zur Toilette muss. Die bereitwillig eingelegten Zwischenstopps von Herrn Springer sind da leider wenig hilfreich, denn immer kommt etwas dazwischen. Die Not wird groß und größer, aber entweder hinter dem wunderbar alle Blicke abhaltenden Felsen kommt ein Riese hervorgesprungen oder eine liebreizende Prinzessin schaut aus dem Turm ganz zu schweigen vom bösen Wolf, dem gestiefelten Kater und den sieben Zwergen, die bereits vor einer der rar gesäten öffentlichen Toiletten Schlange stehen und den armen Prinz nicht vorlassen. Bis Prinz Tommi erleichtert aufatmen kann, sind noch eine Reihe Hindernisse zu überwinden und das größte und gefährlichste lauert am Ende.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 4 Jahre.

Gormley, Greg: Der Prinz muss mal Pipi, Geh lieber nochmal, bevor du gehst …, Lappan, 2017, € 12,99.

Dysseus

Warum ich den Inhalt griechischer Sagen bei aller Begeisterung für diese wortgeladenen und spannungsgewaltigen Dichtungen immer wieder vergesse, ist und bleibt mir ein ewiges Rätsel. Normalerweise kann ich mir Inhalte gut merken, aber das weitreichende Netz verwandtschaftlicher Bande scheint ein Grund, warum nur einzelne Bruchstücke haften bleiben.

Wie lohnenswert, bereichernd, zeitlos und unterhaltend diese alten Geschichten sind, zeigt sich gerade in der modernen Adaption von Simon van der Geest. Gestalten wie Odysseus hat es immer schon gegeben und somit verwundert es auch nicht, dass es im Hier und Jetzt einen Jungen gibt, der auf den Spuren des großen Vorbilds wandelt. Authentisch sind nicht nur die einzelnen Stationen der Irrfahrt, sondern auch das Versmaß, welches den Leser nach anfänglichem Holpern zunehmend in Bann zieht, bis man unversehens eins ist mit dem Rhythmus. Jüngere Leser bemerken wahrscheinlich sehr viel eher als ich die Parallele zu Musikrichtungen wie Rapp und Hipp und Hop, deren Sprechgesang sich als Alternative zum lauten Vorlesen förmlich aufdrängt.

Spannend und mitreißend nimmt Dysseus gleich auf der ersten Seite die Leser für sich ein, indem er eine Alltagssituation schildert, die für manch Betroffene geradezu traumatische Ausmaße annehmen kann. Flegelhafte, ältere Jungs, die zum persönlichen Zeitvertreib Jüngere ärgern. Und wer wünscht sich in so einer Situation nicht wie Dysseus Heldenmut zu verspüren und den Spieß umzudrehen? Wie das gelingen kann, dass sollte man unbedingt selbst nachlesen und dabei auch die geniale Bildsprache der Illustrationen genießen.

Fans griechischer Mythologie, insbesondere Fans der Nacherzählungen von Dimiter Inkiow, sei der Vergleich der beiden Odysseus Varianten empfohlen.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 10 Jahre.

van der Geest, Simon: Dysseus, Thienemann, 2017, € 12,99.

 

Meine liebsten Wörter!

Bildwörterbücher gibt es wie Sand am Meer. Die Auswahl und Bandbreite an Verlagen und Variationen zu dieser Form des Pappbilderbuches für die ganz Kleinen ist wirklich groß, um nicht zu sagen unübersichtlich.

Bei der Durchsicht habe ich mich dabei ertappt, immer wieder die Titel in die Hand zu nehmen und durchzublättern, die in der grafischen Darstellung sehr konventionell daher kommen. Führt man sich vor Augen, dass die Zielgruppe bei 18 Monaten beginnt, machen abstrakte Darstellungen und grafische Experimente auch wenig Sinn. Als Unterstützung in der Spracherwerbsphase, geht es um einen nachvollziehbaren Alltagsbezug. Dem entsprechend kommt man an Themen wie Bauernhof, Zoo, Fahrzeuge und Zuhause nicht vorbei. Die Illustratorin Monika Neubacher-Fesser greift diese Themenfelder ebenfalls auf. Mit ihrer liebevollen Sicht auf Gegenstände, Personen, Tiere und Situationen, zieht sie kleine und große Leser in ihren Bann und fördert den Austausch erster Eindrücke. Der Einstieg in die jeweilige Themenwelt beginnt immer mit einer Doppelseite, auf der ca. 10 Abbildungen mit der Wortbezeichnung dargestellt sind. Auf den folgenden Seiten lassen sich diese Bilder immer wieder in neuen Zusammenhängen entdecken und suchen. Altersentsprechend sind die dargestellten Alltagssituationen nicht so wimmelig wie in der „Sachen suchen“ Reihe für Ältere. Die übersichtlichen Bilder, in denen immer wieder die eingangs vorgestellten Einzelmotive entdeckt werden können, eignen sich aufgrund der Wiederholung bestens zum Üben einzelner Wörter.

 

Buchtipp von Minea Süss

Ab 18 Monate

Neubacher-Fesser, Monika; Gernhäuser, Susanne: Meine liebsten Wörter, Ravensburger, 2017, € 7,99.

 

 

Ada Lovelace und der erste Computer

Wer denkt, Mathematik, Kunst und Kreativität schließen sich aus, der irrt. Allein die Umsetzung und Gestaltung dieses faszinierenden biografischen Sachbilderbuchs verdeutlicht auf das Schönste, dass die Welt der Zahl keineswegs losgelöst ist von den schönen Künsten.

Fiona Robinson hat ihre filigranen Aquarelle ausgeschnitten, wieder zusammen gesetzt und sie in verschiedenen Tiefen aufgeklebt. Herausgekommen sind plastisch wirkende Collagen, die die außergewöhnliche  Lebensgeschichte einer Frau erzählen, die in ihrem kurzen Leben erstaunliches vollbracht hat und ihrer Zeit weit voraus war.

Ada, Tochter des berühmten Lord Byron erbt – zum Leidwesen ihrer Mutter – die überbordende Phantasie ihres Vaters. Obwohl Ada ohne ihren Vater aufwächst, ist dieser in ihren außergewöhnlichen Ideen allgegenwärtig. Dagegen hilft selbst der reglementierte, zum größten Teil aus Unterricht bestehende Tagesablauf, den ihre Mutter ihr verordnet, nicht. Im Glauben eine streng naturwissenschaftlich ausgerichtete Bildung unterdrücke die kreativen Auswüchse ihrer Tochter, wächst das Kind in einem engen Korsett aus Unterricht auf. Adas Gedankenwelt bevölkern derweil mechanische Pferde, die sich auf großen Schwingen in die Lüfte erheben können. Die Ideen Adas hängen eng mit der industriellen Revolution zusammen, die den Alltag der Menschen im 19. Jahrhundert vollkommen auf den Kopf stellt.

Aber erst die Bekanntschaft mit dem Erfinder einer Rechenmaschine, Charles Babbage, führt zu Adas Lebensleistung, die unseren Alltag heute maßgeblich bestimmt. Ada, die verheiratet Lovelace mit Nachnamen heißt, schreibt das erste Computerprogramm der Welt. Leider kam es nie zur Anwendung, aber die Weitsicht und auch die Erkenntnis, dass Computer nicht nur Zahlen, sondern z. B. auch Bilder produzieren können, hat den Grundstein der heutigen Technik gelegt.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 6 Jahre.

Robinson, Fiona: Ada Lovelace und der erste Computer, Knesebeck, 2017, € 12,95.

Warum Sonntage so schön sind

Sonntage sind besondere Tage. Tage, an denen man länger schlafen oder sogar ganz im Bett bleiben kann. Sonntage sind gemütlich und für Freunde und Familie reserviert. So halten es auch Wendelin und seine quirlige Freundesschar, die zusammen in einem kleinen, hübschen Haus wohnen. Wenn die ganze Woche über tausend verschiedene Dinge passieren und ständig das Telefon klingelt, weil Tante Gertrud wissen will, ob etwas interessantes geschehen ist, nur um kurz darauf persönlich vorbei zukommen, dann ist es nur verständlich, dass Hase, Maus, Ente und Schaf zusammen mit Wendelin ihr Sonntagsritual mit allem Drum und Dran voll auskosten wollen.

Wie Sonnenstrahlen entfalten die kurzen, locker zusammen hängenden Einzelgeschichten von Kristina Andres beim Vorlesen ihre Stahlkraft und erwärmen nicht nur das Herz, sondern auch das Gemüt. Der Charme der Geschichten entwickelt sich aus den unscheinbaren Alltagsbegebenheiten, die die liebenswerten Protagonisten aus einer kindlichen Perspektive heraus besonders erscheinen lassen. Es ist das Staunen über scheinbar Belangloses, dass in der übersichtlichen Welt von Wendelin und Co stets für Abwechslung, Heiterkeit und Aufregung sorgt.

Letztere bringt mit schöner Regelmäßigkeit Tante Gertrud mit sich. Insbesondere ihr Fund im Keller verändert das Leben von Neffe Wendelin und dessen Hausgenossen beträchtlich. Kaum hat die geschäftige Tante das gefundene Telefon – schön altmodisch mit großer Wählscheibe und langem Kabel – beim Neffen installiert, klingelt es beständig. Es könnte ja etwas passiert sein und als Tante muss man eben stets auf dem Laufenden bleiben. Dank der außergewöhnlichen Geschenke von Tante Gertrud ist tatsächlich immer etwas los in dem kleinen Haus.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 4 Jahre.

Andres, Kristina: Warum Sonntage so schön sind – Geschichten von Wendelin und Tante Gertrud, Nilpferd, 2017, €14,95.