Achtung, fertig – selber nähen

Selber nähen macht Freude und neben der Freude darf man auch ein bisschen stolz auf das Endergebnis sein. Zudem erfüllt mich der Abschluss einer Näharbeit (auch wenn es mal nicht ganz so perfekt geworden ist) immer mit einer tiefen Zufriedenheit. Die Tage habe ich für Nichte Nummer vier den Dackel, den schon die Schwestern zum ersten Weihnachtsfest bekommen haben fertiggestellt. Obwohl es nun schon das dritte Dackeltier war, ist diese Art zu nähen immer wieder eine Herausforderung. Beim Blättern in Jane Bulls Nähbuch für Kinder habe ich mit Begeisterung tolle Nähprojekte gefunden, die sich wunderbar aus Stoffresten machen lassen und die ideal als Einsteigerprojekte für Kinder sind. Um den Sprung ins kalte Wasser zu vermeiden, führt uns die Autorin Schritt für Schritt an die Nähmaschine heran. Als Beispiel dient hier eine einfache Haushaltsmaschine, deren Funktionen gut auf andere Modelle übertragbar sind. Von den einzelnen Funktionen bis hin zum Einfädeln des Fadens und dem Einsetzen der Spule, wird alles in kurzen gut verständlichen Texten mit entsprechendem Foto erklärt. Bevor es richtig losgeht, werden wir zu einer „Probefahrt“ auf einem rechteckigen Stück Stoff eingeladen, auf dem alle Sticharten  und Formen der Nahtführung ausprobiert werden können. Es folgen wichtige Techniken, Nähutensilien und auch nützliche Sticharten, die mit der Hand ausgeführt werden. Nun kann man aus einer Vielzahl an schönen Projekten auswählen, was man machen möchte. Das Angebot reicht von kleinen Reißverschlussmäppchen, über Handschuhe, Kissen, Stoffkörben, Puppen, Turnbeuteln und Schürzen. Die Schnittmuster sind im Buch enthalten. Dekoratives und praktisches ist in einem ausgewogenen Verhältnis vorhanden und eignet sich auch gut als selbstgemachtes Geschenk.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 8 Jahre.

Bull, Jane: Achtung, fertig – selber nähen!, Dorling Kindersley, 2015, € 12,95.

Aufstieg und Fall des außerordentlichen Simon Snow

Mit Magie begabte Wesen bevölkern nach wie vor für sämtliche Altersgruppen die Literatur. Spätestens seit Harry Potter weiß die geneigte Leserschaft, dass zaubern kein Kinderspiel und damit keinesfalls die pure Freude ist. Magie muss entfaltet, d. h. gelernt werden. Allein die Fähigkeit sie zu besitzen reicht nicht aus, um Gegenstände zum Verschwinden zu bringen. Was bei unsachgemäßer Anwendung alles passieren kann, führt uns Goethe in seiner zeitlos schönen Ballade vom „Zauberlehrling“ vor. Ein weitaus tragischeres Schicksal als Harry Potter und der aus der Feder eines der bekanntesten Schriftsteller deutschsprachiger Literatur  entsprungene Junge, hat Simon Snow.

Auf den ersten Blick scheint die Figur von Rainbow Rowell eine Art Zwillingsbruder des besagten Hogwartsschülers zu sein. Mit jeder Seite, die man tiefer in die Geschichte eintaucht, wird klar, dass Simon Snow in vielen Dingen doch erfrischend anders ist. Zudem ermöglichen die verschiedenen Erzählstimmen den Held der Geschichte aus jeweils vollkommen anderen Perspektiven zu erleben. Am Ende ergibt sich aus diesen Puzzleteilen das komplexe Gesamtbild eines jungen Mannes, der trotz widrigster Umstände seinen Platz im Leben findet und frohen Mutes nach vorne blickt. Trotzdem blieb bei mir am Ende der Lektüre ein mulmiges Gefühl zurück. Die Autorin lässt uns durch die einzelnen Erzähler Informationen zukommen, die Simon nicht zugänglich sind. Die Stimme der toten Mutter, die vollkommen unbedarft erzählt, unter welchen Umständen ihr Sohn gezeugt wurde, ohne zu erkennen, dass sie von ihrem Partner als Mittel zum Zweck benutzt wurde, stimmt sehr nachdenklich. Dass diesem Mann, der von seinem Sohn zu keinem Zeitpunkt als Vater erkannt wird so etwas wie ausgleichende Gerechtigkeit widerfährt macht die Sache nicht besser.  Der bisweilen selbstironische oder von schrägen und trockenem Humor getragene Ton der jugendlichen Stimmen sorgt für ein ausgewogenes Verhältnis von Spannung und Witz.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 14 Jahre.

Rowell, Rainbow: Der Aufstieg und Fall des außerordentlichen Simon Snow, dtv, 2019, € 10,95.

 

Ariadnes Faden

Aufgrund meines Vornamens ist mir eine gewisse Nähe zu den alten Griechen praktisch in die Wiege gelegt worden. Da meine Namensvetterin darüber hinaus angeblich ihr Leben im Labyrinth des Minotaurus lassen musste, ist es geradezu meine Pflicht, mich mit dem opulent gestalteten Labyrinthe-Buch von Jan Bajtlik näher zu befassen. Natürlich habe ich im Inhaltsverzeichnis zuerst nach besagtem Minotaurus geschaut. Fündig geworden habe ich (durchaus erleichtert) festgestellt, dass zwar auf die Opfer hingewiesen, auf eine namentliche Nennung aber verzichtet wird.

Nachdem das geklärt war, habe ich wieder vorne angefangen und war schon beim Lesen des Inhaltsverzeichnisses vollkommen fasziniert. Jedes der 25 Labyrinthe steht für einen Teil griechischer Geschichte. Mythologie und Historie werden dabei gleichermaßen berücksichtigt, sodass ein ausgewogenes Bild entsteht. Spielerisch führen die kunstvoll gestalteten Labyrinthe in die Welt des antiken Griechenlands. In einem kurzen Vorwort und einer noch kürzeren Gebrauchsanweisung wird erklärt wie, man sich den Inhalt am besten erschließt. Folgt man diesen Ratschlägen, befindet man sich unversehens auf einer abenteuerlichen Reise, auf der man ganz nebenbei eine Menge über die griechische Götter- und Sagenwelt erfährt. Spiel, Spaß und Faktenwissen ist in diesem beeindruckenden Buch auf das schönste vereint. Am besten schlägt man es einfach auf und legt los. Dieser spontane Zugang ist auch möglich und vielleicht noch schöner und abenteuerlicher als der Weg über das Inhaltsverzeichnis.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 8 Jahre.

Bajtlik, Jan: Ariadnes Faden, Götter, Sagen, Labyrinthe, Moritz Verlag, 2019, € 24,00.

 

 

Die Weihnachtsgeschichte in Reimen

Mit seinen Hasenkind-Büchern hat sich Jörg Mühle in die Herzen von groß und Klein gezeichnet. Begleiten wir das lebenslustige Häschen in kurzen, interaktiv gestalteten Alltagssituationen, entführt uns der Illustrator dieses Mal in eine weit entfernte Welt, die auf heutigen Landkarten in dieser Form nicht mehr existiert. Das, was der Mann, die Frau und der Esel erleben, ist aber heute wie damals erschreckend aktuell und gerät angesichts der heimeligen Weihnachtsidylle schnell in den Hintergrund. Nun wäre es allerdings zu viel des Guten in einem Pappbuch eine ausgewiesene Problemorientierung suchen zu wollen. Mit den fröhlichen Reimen von Thomas Krüger wird in Bild und Schrift eine spannende Geschichte erzählt, die Teil unserer Kultur ist, unabhängig davon, ob wir dem christlichen Glauben angehören oder nicht. Was Maria und Josef auf ihrer Suche nach einer Herberge erleben. ist ein spannendes Abenteuer mit Tiefschlägen und erfreulichen Wendungen, die am Ende dazu führen, dass sich Mensch und Tier beglückt um die Krippe scharen und das winzige Menschlein bestaunen und frohen Mutes in die Zukunft schauen. Text und Bild funktionieren in diesem liebevoll gestalteten Weihnachtsbuch unabhängig voneinander. Wer lieber selber erzählen mag, kann die Geschichte anhand der Bildfolge entwickeln. Hier wie auch im Text sind es unscheinbare Feinheiten, die uns die Gefühlslage von Mann und Frau und die Dringlichkeit der Situation vor Augen führen. Am Stall angekommen, muss sich Maria, leicht nach vorne gebeugt, mit der Hand an der Wand abstützen. Was dann kommt, ist bekannt und immer wieder schön.

Buchtipp von Minea Süss

Ab drei Jahre.

Krüger, Thomas; Mühle Jörg: Die Weihnachtsgeschichte in Reimen, Carlsen, 2019, € 9,99.

Die Perlendiebin

Wer zur Fangemeinde Axel Schefflers gehört, kennt diesen bezaubernden Titel aus dem Jahr 1998 vielleicht noch. Rowohlt hat die Geschichte von dem kleinen unscheinbaren Huhn, das allen Mut zusammen nimmt und sich als Lehrling in Meister Peacocks Perlenladen bewirbt neu aufgelegt.

Fasziniert von den unzähligen Perlen in allen erdenklichen Größen und Farben kann das kleine Huhn sein Glück kaum fassen. Mit diesen schönen Dingen hat es nun jeden Tag zu tun. Aus den Perlen entstehen unter den strengen Blicken des Meisters kleine Kunstwerke, die begeisterte Abnehmer finden. Nur abends, wenn der Meister sich schon zurückgezogen hat, ist das kleine Huhn alleine und räumt noch die Werkstatt auf. Von den auf den Boden gefallenen Perlen magisch angezogen, steckt es diese heimlich ins Gefieder. Nun erwacht eine ungeahnte Gier im kleinen Huhn. Es kann einfach nicht genug bekommen und bedient sich nach kurzer Zeit sogar an den Perlengläsern. Es kommt aber noch schlimmer. Eines Tages steht unverhofft der Prinz samt Gefolge im Laden, um seine beschädigte Krone reparieren zu lassen. Der hohe Besuch spricht sich natürlich schnell herum ebenso wie der gräfliche Ball zu Ehren des Prinzen. Binnen kurzer Zeit türmen sich Schmuckstücke, die für das Fest hergerichtet werden sollen in der Werkstatt. Allein gelassen mit den Kostbarkeiten, begeht das kleine Huhn einen schweren Fehler. Was das kleine Huhn macht und ob es seinen Fehler wieder gut machen kann, wird hier nicht verraten. Am Ende der Geschichte, sind aber alle Fragen beantwortet. Auch warum das Perlhuhn Perlhuhn heißt und wie es zu seinem gemusterten Federkleid gekommen ist. Wer Gefallen an der Perlenstickerei gefunden hat, findet im Buch schöne Anleitungen von Rosa Scheffler.

Buchtipp von Minea Süss

Ab sechs Jahre.

Scheffler, Axel: Die Perlendiebin, rowohlt rotfuchs, 2019, € 10,00.

Antarktis – Die Entdeckung eines unbekannten Kontinents

Angesichts schmelzender Eisberge und Gletscher rückt die Antarktis nicht nur aufgrund der Klimawandel-Debatte in den Mittelpunkt des Interesses. Seit jeher sind Menschen fasziniert von dieser lebensfeindlichen Umgebung, in der sich eine einzigartige Landschaft aus Eis und Schnee geformt hat, die Lebensraum für Tiere zu Lande, zu Wasser und in der Luft ist.

Herausgefordert von den unwirtlichen Rahmenbedingungen, versuchten Menschen seit dem 18. Jhd. die Antarktis zu erforschen. In dem schön gestalteten Bildersachbuch von Giulia Vetri wird die Entdeckung dieses besonderen Kontinents Schritt für Schritt erklärt.  Mit dem Buch in der Hand oder auf dem Boden liegend, kann man sich von den klar gestalteten Seiten in Bann ziehen lassen und auf den Spuren der Entdecker wandeln. Am Anfang dieser Reise steht der Blick in die Sterne. Ausgehend von dem Sternbild des kleinen Bären, stellten sich die Bewohner des antiken Griechenlands ein Land gegenüber des Himmelsnordpols vor. Da im altgriechischen die Bedeutung von Bär „Arktis“ ist, bezeichnete man es als Antarktis. Wie viele Entdecker jedoch notwendig waren, um erste Karten von den Kontinenten zu zeichnen, zeigt eine aufklappbare Doppelseite. Dennoch wurde der Polarkreis erst 1773 von James Cook überquert. Bis zur Sichtung des eigentlichen Kontinents dauerte es nochmal knapp 50 Jahre. 1820 nährte sich eine russische Expedition dem Ufer. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich der Bestand an Roben und Walen aufgrund intensiver Bejagung schon stark dezimiert. Walöl und Robenfett waren begehrte Brennstoffe, ein Mantel aus Robbenfell galt in bestimmten Gesellschaftskreisen als schick. Seit dem 20. Jhd. kommen zunehmend die Auswirkungen des Klimawandels zum tragen. Die Eiskappen schmelzen und lassen den Meeresspiegel ansteigen. Ein Buch für alle Sinne und die ganze Familie.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 9 Jahre.

Vetri, Giulia: Antarktis, Die Entdeckung eines unbekannten Kontinents, E. A. Seemanns, 2019, € 22.

Martina – Ein Mädchen voller Überraschungen

Ob es nun das halbwegs freundliche Lächeln des Zombiemädchens oder der schön geschnitzte Kürbis war, der meine Aufmerksamkeit auf das Buch lenkte, kann ich gar nicht so genau sagen. Zombiegeschichten gehören auf jeden Fall nicht in die Kategorie Lieblingsbuch. Bis jetzt! Die liebenswerte Figur die Illustratorin und Autorin Barbara Cantini geschaffen hat, hat mich wider Erwarten im Sturm erobert und ist für graue und verregnete Herbsttage genau die richtige Lektüre.

Zusammen mit Hund Mesto wohnt Mortina bei ihrer Tante Dipertita. Die ländlich gelegene, großzügige Villa steht inmitten eines weitläufigen Parks. Das nächste Dorf befindet sich gerade in Sichtweite. Trotz der Entfernung kann Mortina immer wieder Kinder aus dem Dorf beim Spielen beobachten. Man ahnt, was das Problem des Kindes ist. Da die Tante und sie zur Spezies der Untoten gehören, wacht Tante Dipertita mit Argusaugen über die Nichte, damit sie bloß nicht in Kontakt mit den Dorfkindern kommt. Hund Mesto ersetzt also nicht nur fehlende Familienmitglieder, sondern auch fehlende Spielgefährten. Genau an der Schnittstelle zwischen Bilderbuch und Vorlesegeschichte, entwickelt Barbara Cantini eine Bildsprache, die unaufgeregt und witzig Zombie typische Merkmale benennt, ohne dabei ins unappetitliche  oder makabere abzugleiten. Die gelungenen Illustrationen unterstreichen und ergänzen den Text und laden zum Verweilen und Schauen ein. Der etwas größer gedruckte Text ist sowohl vom Druckbild als auch vom Satzbau für Leseanfänger geeignet. Mit Spannung begleitet man das Kind auf seiner verzweifelten Suche nach Freunden. Aber Martina wäre nicht Martina, wenn sie nicht mit der ihr eigenen Spitzfindigkeit eine Lösung für ihr Problem finden würde. Wohlige Schauer am Ende sind garantiert.

Lesetipp von Minea Süss

Ab 7 Jahre.

Cantini, Barbara: Mortina – Ein Mädchen voller Überraschungen, dtv junior, 2019, € 10,95

Die kleine Eule fliegt zu den Sternen

Eulen als nachtaktive Waldbewohner passen gut in die dunkler werdende Jahreszeit. In Gruselgeschichten sorgt das zur Geisterstunde ertönende Schuhuu für wohlige Gänsehaut, Harry Potter hätte ohne seine Hedwig weder Post empfangen noch versenden können, alte Eulen sind seit jeher in der Literatur bekannt für Ihre Weisheit und Lebensklugheit. Insgesamt gehören Eulen mit zu den beliebtesten Tieren in der Kinder und Jugendliteratur. Gerade im Bilderbuch tummeln sich die großäugigen Wesen in zahlreichen Titeln. Das ewig nörgelnde und Tränen vergießende Eulenkind in „Heule Eule“ erfreut sich schon seit geraumer Zeit großer Beliebtheit und sorgt immer wieder für Lesespaß.

„Die kleine Eule“ aus dem Oetinger Verlag hat ihre Karriere in einem kleinformatigen Pappbuch mit dem Titel “ Die Eule mit der Beule“ begonnen. Die Begeisterung bei Groß und Klein hat zu weiteren Abenteuern geführt und da auch kleine Eulen wachsen, findet sich die flügge gewordene Eule nun in einem Bilderbuch ab drei Jahren wieder. Mit sehnsuchtsvollem Blick sitzt sie des Nachts im Baum und schaut in den Sternenhimmel. Das Funkeln der Himmelskörper ist ausgesprochen verlockend und der Wunsch diese aus der Nähe zu sehen wird immer größer. Doch so sehr sie sich auch reckt und streckt, die Sterne kann sie nicht erreichen. Angesichts dieser Erkenntnis und mit der unbedingten Unterstützung von Freund Spatz, verlässt das Eulenkind schließlich wagemutig den Ast und lernt fliegen. Susanne Weber erzählt auch diese Geschichte in flüssigen, gut zu lesenden Reimen. Als Lesende begleiten wir das Eulchen bei seinen ersten Flugversuchen, die letztlich in einem abenteuerlichen Versuch die Sterne zu erreichen enden. Fazit: Neugier, Mut und die Begeisterung für etwas tut nicht nur kleinen Eulen gut …

Lesetipp von Minea Süss

Ab 3 Jahre.

Weber, Susanne: Die kleine Eule fliegt zu den Sternen“, Oetinger, 2019, € 14,00.

Das Abrakadabra der Fische

Wer kennt sie nicht, die Familiengeheimnisse, für die man als Kind ein untrügliches Gespür hat, die einen auf Schritt und Tritt verfolgen, wie ein Ohrwurm im Kopf herumschwirren und die unbedingt gelöst werden wollen. Jedes verstummte Gespräch der Erwachsenen, jedes leiser werdende Wort, jedes schnell aus dem Blickfeld  geschobene Ding, das nicht gesehen werden darf, befeuert nur die Phantasie und den erweckten Entdeckerwillen, dem Geheimnis auf die Spur zu kommen und Licht in das Dunkel zu bringen.

Vonkie verbringt eine Woche bei ihrem Opa. So viel Zeit hat sie mit dem mitunter mürrischen alten Herrn noch nie verbracht. Aber wenn die Eltern Zeit für sich brauchen, um bestimmte Dinge zu klären, hat man keine Wahl, man muss sich in sein Schicksal fügen. Der auf den ersten Blick langweilig erscheinende alte Bauernhof birgt dann aber doch mehr interessante Dinge, als Vonkie zunächst gedacht hat. Alles fängt mit der Entdeckung an, dass ihr Opa sechs Brüder hat. Sechs! Für das Einzelkind Vonkie ist das unvorstellbar. Fasziniert schaut sie immer wieder auf das Foto mit den sieben Jungen und bittet und bettelt so lange, bis ihr Opa schließlich anfängt zu erzählen. Von der Begeisterung der Enkelin angesteckt, taucht der alte Mann letzten Endes nur zu gerne in die Vergangenheit ein und erzählt von Abenteuern und Streichen aber auch von einem ungeheuerlichen Familiengeheimnis, dessen Entdeckung zum Bruch mit seinem Lieblingsbruder führt. Gleichzeitig erzählt er aber auch von einem Familiengeheimnis aus der Nachbarschaft. Die unschönen Folgen dieser Entdeckung wirken bis in die Gegenwart nach. Vonkie will das nicht gelten lassen und beschließt mit ihrem Cousin den Dingen eine andere Wendung zu geben.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 11 Jahre.

van der Geest, Simon:Das Abrakadabra der Fische, Thienemann, 2019, € 15,00.

Berti und seine Brüder – Die Schokoladenkugel des Bösen

Berti und seine herrlich schrägen Brüder, von den nicht weniger schrägen Eltern fange ich gar nicht erst an, haben sich auf Anhieb in meiner persönlichen Lieblingsbücherliste einen Platz auf den vorderen Rängen gesichert.

Berti hat es mit seinen fünf Jahren nicht leicht. Gleich drei ältere Brüder hat ihm das Schicksal zur Seite gestellt und die sind auch noch deutlich älter als er. Zehn, elf und zwölf Jahre, um genau zu sein.  Jetzt könnte man meinen, dass die Herren Brüder mit soviel mehr Lebensjahren auch deutlich mehr Lebenserfahrung oder gar Lebensweisheit besitzen als Berti. Weit gefehlt. Einzig der Vorrat an wahnwitzigen Ideen ist in einem schier unerschöpflichen Ausmaß vorhanden; bei allen anderen Punkten ist noch ein kleines Bisschen Luft nach oben. Für Abwechslung ist also auf jeden Fall gesorgt. Turbulent wird es aber in dem Moment, wo Mutter Hilde beschließt in einer Sommerferienwoche endlich ihre Doktorarbeit zu beenden. Damit das auch gelingt, schließt sie sich in ihrem Zimmer ein. Da Mütter aber bekanntlich besser hören als ein Luchs, werden nach jedem „Missgeschick“ die Übeltäter namentlich herbeigerufen und mit Sonderaufgaben betraut. Da das Projekt „Schokoladenkugel des Bösen“ allerdings alle Aufmerksamkeit und Energie der drei älteren Jungen erfordert, bleibt der Gartenzaun ungestrichen, die Auffahrt und Beete ungejätet, die ….. . Zu Bertis großem Verdruss lassen sich die Brüder nicht davon abbringen im schönsten Süßigkeitenladen der Straße die große Schokokugel aus dem Schaufenster zu entwenden. Ganz schön viel zu tun für einen fünfjährigen. Denn irgendjemand muss ja rettend zur Tat schreiten, wenn der absolut erfolgversprechende Plan B wieder schiefgegangen ist. Am Ende des ganzen Schlamassels hat sich Berti das von den Brüdern liebevoll aus Papas Sporthemd und dem roten Duschvorhang gebastelte Superheldenkostüm redlich verdient. Echte Brüder halten eben zusammen wie Pech und Schwefel.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 5 Jahre.

Dickreiter, Lisa-Marie; Götz, Andreas: Berti und seine Brüder – Die Schokoladenkugel des Bösen, Oetinger, 2019, € 13,00.