Alles andere als normal

Gegensätze ziehen sich bekanntlich an und gegensätzlicher als Jule und Lukas kann man gar nicht sein. Aus dem Reiz der Andersartigkeit ergibt sich somit eine fast magische Anziehung, die bei allen Gegensätzen und Hürden, die es zu überwinden gilt, schließlich in einer unverbrüchlichen Freundschaft mündet. Bis aus der anfänglichen Faszination für die selbstbewusste Jule, die in keiner Situation um eine Antwort oder Ausrede verlegen ist, echte Freundschaft wird und unter der rauen Schale der weiche und verletzliche Kern des Mädchens hervor tritt, dauert es jedoch eine ganze Weile. Lukas, der in seiner Selbstwahrnehmung durchaus an manchen Stellen das Klischee des typischen Einzelkindes erfüllt, lässt sich anfangs zwar von der Unverfrorenheit des Mädchens in Bann ziehen, merkt aber recht schnell, dass sich hinter Jules verrückten Ideen mehr verbirgt als pure Langeweile und Geltungssucht. In Tragik komischer Manier führt Jules Leidenschaft für Spionagespiele schließlich zu einer ungeahnten und unbequemen Entdeckung, die auch Lukas den Atem stocken lässt. Ungewollt decken die beiden die unlauteren Machenschaften von Jules Bruder auf. In den Grundfesten ihrer selbst erschüttert, geht es plötzlich um die Frage, wie man mit diesem Wissen umgeht, wem oder was man verpflichtet ist. Ohne den erhobenen Zeigefinger lässt der Autor seine Figuren eine Lösung in dem Chaos aus Gefühlen und unabänderlichen Tatsachen finden. Dazu gehört auch, dass man am Ende erkennen muss, das die Wahrheit nicht immer eindeutig zu benennen ist und es mehr gibt als schwarz und weiß Malerei.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 11 Jahre.

Isermeyer, Jörg: Alles andere als normal, Gulliver, 2016, € 7,95.

Müll – Alles über die lästigste Sache der Welt

Mein Bemühen weniger Müll zu produzieren zeigt an manchen Stellen mittlerweile deutlich Wirkung, an anderen wiederum ist noch Luft nach oben. Angesichts meines beträchtlichen Verbrauchs an Tempotaschentüchern werde ich jetzt zum guten alten Stofftaschentuch zurückkehren. Ärgerlich, dass die hübsch bestickten von Oma nicht mehr existent sind. Hoffe jetzt auf die der Nichte zugeneigten Tanten, die sich von den gut gehüteten Stapeln blütenweißer Stofftücher, die seit Jahren in diversen Schubladen in tiefem Dornröschenschlaf liegen, großzügig trennen.

Das Thema Müll als solcher und insbesondere Plastikmüll ist in aller Munde und fast hat man das Gefühl, es sei bereits alles gesagt. Nach der Lektüre des hervorragend auf den Punkt gebrachten Buches von Gerda Raidt bin ich zu der Auffassung gelangt, dass man gar nicht genug davon reden, schreiben und in welcher Form auch immer davon berichten kann. Denn Müll ist nicht gleich Müll, also im Sinne von Abfall. Entscheidend ist an dieser Stelle die Perspektive, mit der man auf die Dinge, die man nicht mehr haben möchte schaut. Vieles ist noch brauchbar und kann weiter verwendet werden. Gut verständlich in Wort und Bild, erzählt die Autorin in dem schmalen Band nicht nur die Geschichte von Müllbergen, sondern sie erzählt auch, wie es dazu gekommen ist. Im eigentlichen Sinn ist es eine Geschichte unserer Zivilisation und des damit zusammenhängenden, Konsums. Die Formel am Ende lautet schlicht: Je größer der Konsum, desto größer auch der Müllberg. Da liegt natürlich die Frage nahe, wie das eigentlich früher war. Auch diesen Aspekt bindet die Autorin unaufdringlich in ihre Betrachtungen mit ein. Die Texte sind dabei so kurz und übersichtlich gehalten, dass sie sowohl inhaltlich als auch vom Druckbild für Leseanfänger ab der zweiten Klasse geeignet sind.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 7 Jahre.

Raidt, Gerda: Müll – Alles über die lästigste Sache der Welt, Beltz und Gelberg, 2019,€ 14,95

Mattis und die Sache mit den Schulklos

Der Zustand der Schultoiletten gehört zu den Themen, die nie aus der Mode kommen. Schulklos haben schon in meiner Schulzeit die Gemüter erhitzt und werden es wahrscheinlich auch weiterhin tun. Insofern habe ich mit großem Interesse vor kurzem die Örtlichkeit einer Gesamtschule in Bad Godesberg in Augenschein genommen. Sauber, keine Frage, aber der Geruch vermittelte einem das Gefühl von Kanalisation und die Ausstattung war in ihrer historischen Anmutung interessant, aber mehr auch nicht. Wellnessoasen erwartet sicherlich keiner an gegebenem Ort, aber eine funktionale moderne Ausstattung sollte im Rahmen des Möglichen sein.

Silke Schlichtmann lässt ihre Hauptfigur Mattis eine ausgesprochen enge Verbindung zur Schultoilette aufbauen. Die intensive Beschäftigung mit dem Thema wird von keinem Geringeren angestossen als dem Schuldirektor persönlich. Wie an vielen Schulen, sind die Toiletten ständig in einem hygienisch äußerst bedenklichen Zustand. Um endlich Abhilfe zu schaffen, werden die Schüler mit eingebunden und gebeten Vorschläge zur Lösung des Problems zu machen. Angesichts der Tatsache, dass die Hecke am Sportplatz als Ersatztoilette herhalten muss, ist Eile geboten. Mattis muss auch gar nicht lange überlegen, um wie aus dem Nichts heraus zu wissen, was zu machen ist. In seinem Tatendrang und getrieben von einer unbändigen Begeisterung manövriert sich Mattis nicht selten ganz in der Manier eines Michel aus Lönneberga in etwas prekäre Situationen. Ausgerechnet in der Deutschstunde setzt er sein Vorhaben die Toiletten zu verschönern um. Mit Blick auf die Uhr ahnt man, dass das Unterfangen einen zeitlich begrenzten Rahmen hat und damit an Hochleistungssport grenzt. Denn mit der Verschönerung allein ist es nicht getan vorher muss erst geputzt werden.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 7 Jahre.

Schlichtmann, Silke: Mattis und die Sache mit den Schulklos, Hanser, 2019, € 10,00.

Die Welt bei Nacht

Wenn es draußen dunkel wird, ist das für Mensch und Tier das Signal zur Ruhe zu kommen und den Tag ausklingen zu lassen. Nachtzeit ist Schlafenszeit und so kuscheln sich alle irgendwann in ihre Decken und schlafen. Aber natürlich gibt es Ausnahmen. Ich selber gehöre zu den Frühaufstehern und gehe dementsprechend zeitig zu Bett. Menschen, die zu den sogenannten Eulen gehören, sind wie die gefiederten Waldbewohner dann aktiv, wenn andere schlafen. Manche Menschen können sich aus beruflichen Gründen nicht aussuchen, ob sie in der Nacht schlafen oder nicht. In dem abwechslungsreichen Buch von Laura Cowan und Bonnie Pang kann man auf jeder Doppelseite viele spannende, interessante, lustige und außergewöhnliche Informationen über die Nacht in Gestalt von Bildern und kurzen informativen Texten finden. Als Lesende können wir mit dem Buch eine  Nachtwanderung im Kinderzimmer, Wohnzimmer oder wo immer man sich gerade befindet,  machen. Ganz besonderen Spaß bereitet das Buch, wenn man die Lampen ausmacht, die Rollos  runter lässt und mit einer Taschenlampe die Seiten anleuchtet. Auf diese Weise wird schon eine Besonderheit der Nacht deutlich. Man kann nur das sehen, was vom Lichtschein erhellt wird. Alles, was sich im Lichtschatten befindet bleibt unsichtbar. Natürlich könnten wir auch eine echte Nachtwanderung machen, aber wenn man nicht in der Nähe eines Hafens lebt oder in Australien, ist es sehr schwer rauszufinden, was in der Dunkelheit dort so alles passiert.Das Buch macht es auf äußerst bequeme Art möglich an den genannten Orten auf Entdeckungsreise zu gehen. Eines ist auf jeden Fall klar, langweilig ist es in der Nacht fast nirgends. Es passiert eine ganze Menge.

Buchtipp von Minea Süss

Ab vier Jahre.

Pang, Bonnie; Cowan, Laura: Die Welt bei Nacht, Usborne, 2019, € 12,95.

Das ist für Dich

Geschenke erhalten sprichwörtlich nicht nur die Freundschaft, sondern sind in erster Linie dazu da, um Freude zu machen. Genau in dieser Absicht kauft der Fuchs eine hübsche hellblaue Salatschüssel mit bunten Punkten. Gedacht ist die Schüssel für seinen Freund den Hasen. Natürlich geht der Fuchs davon aus, dass seine Gabe nicht nur Freude macht, sondern auch einen praktischen Nutzen hat. Eine Salatschüssel kann man schließlich immer gebrauchen.

Entzückt über das unerwartete Präsent bedankt sich der Hase und führt es auch gleich seiner Verwendung zu. Wer jetzt denkt, der Hase fängt behände an einen Salat zuzubereiten, der irrt. In der Wahrnehmung des Hasen ist die Schüssel nämlich ein Stuhl. Man muss das fröhlich bunte Ding nur umdrehen und schon hat man ein Sitzmöbel. Da im Hasenhaushalt bereits Stühle vorhanden sind, beschließt das freigebige Tier dem Maulwurf eine Freude zu machen. Günther Jakobs erzählt uns mit wenigen Worten und aussagekräftigen witzigen Bildern von der Wanderschaft eines Geschenks, dass von allen als etwas anderes wahrgenommen wird. Alle freuen sich, alle haben bereits eines und alle schenken es großherzig weiter, weil sie es ja nicht doppelt oder dreifach benötigen. Die Absicht des Schenkens und Weitergebens ist immer ehrlich gemeint und kommt von Herzen. Bevor die nächste Seite aufgeschlagen wird, ist man schon gespannt, für was die Schüssel als nächstes gehalten wird. Miträtseln und Staunen sind vor und nach dem Umblättern ein absolutes Muss und erhöhen das Lesevergnügen ungemein. Wo die Schüssel am Ende landet, darf natürlich nicht verraten werden. Nur soviel: es ist eine Überraschung und auch wieder nicht und für Gesprächsbedarf ist auf jeden Fall gesorgt.

Buchtipp von Minea Süss

Ab drei Jahren.

Jakobs, Günther: Das ist für Dich, Carlsen, 2019, € 13,00.

Der Fall des verschwundenen Lords

Das Sherlock Holmes einen Bruder hat, ist bekannt. Eine um viele Jahre jüngere Schwester hingegen ist der Feder von Nancy Springer entsprungen. Die vierzehnjährige Enola, deren Name von hinten gelesen das Wort alone, also alleine ergibt, sieht sich ausgerechnet an ihrem Geburtstag damit konfrontiert, dass ihre Mutter verschwunden ist. Die beiden Brüder Sherlock und Mycroft hat sie seit dem Tod des Vaters vor zehn Jahren nicht mehr gesehen. Neben der Mutter hat sie einzig in der Haushälterin Mrs. Lane eine Person, die ihr Zuneigung und Fürsorge entgegenbringt. Als vollkommen unerwarteter Nachkömmling ist das Mädchen von Klein auf daran gewohnt als Schandfleck der Familie zu gelten.

Der höchst lesenswerte Krimi ist weniger wegen des entführten Lords, also des Verbrechens interessant und spannend, als aufgrund der eigenständigen und unangepassten Hauptfigur, die mit den Tücken gesellschaftlicher Konventionen zu kämpfen hat. Enola trauert um ihre Mutter, die ihr zwar in Gestalt eines selbstgemachten Büchleins mit Geheimcodes zahlreiche Hinweise zu Verstecken mit Geld hinterlassen hat, aber an keiner Stelle verrät warum sie ihr jüngstes Kind verlassen hat und wo sie sich befindet. Zumindest die Frage nach dem Warum wird Enola im Laufe der Zeit immer klarer. Ihre Mutter wollte sich weder von einem Korsett, noch von engstirnigen Denkmustern einengen lassen. Mit dem zur Seite geschafften Geld gelingt es der Mutter ihrer Nachgeborenen die Möglichkeit sich ebenfalls zu befreien und eigene Wege zu gehen zu eröffnen. Dieser Weg in die Selbstständigkeit ist spannender als jeder Krimi.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 11 Jahren.

Springer, Nancy: Der Fall des verschwundenen Lords, Knesebeck, 2019, € 15,00.

Grüße vom Mars – Notlandung bei Oma und Opa

Nina, Elmar und Tom sind Geschwister. Als solche fallen sie sich hin und wieder auf die Nerven, aber in erster Linie halten sie zusammen. Auch wenn Nina sehr mit sich und ihren pubertätsbedingten Auswüchsen zu tun hat, sind die drei ein eingeschworenes Team, das nichts so leicht aus der Ruhe bringen kann.

Der zehnjährige Tom erzählt uns munter und vollkommen selbstverständlich von seiner Marsexpedition bei Oma und Opa. Da die Raumfahrt bekanntermaßen noch nicht so weit ist, den Mars zu besiedeln, ist das Unterfangen selbstverständlich nicht wörtlich zu nehmen. Die Großeltern der drei Kinder leben auf dem Land, was insbesondere für Nina der Abgeschiedenheit des erwähnten Planeten gleichkommt. Aber auch für Tom ist die unbekannte Umgebung mit dem vollkommen anders strukturierten Alltag der Großeltern eine große Herausforderung und nur in der konsequent durchgezogenen Spielsituation, bei der die drei Geschwister so tun, als unternähmen sie tatsächlich eine Expedition zum Mars, erträglich. Enkel und Großeltern sind acht Wochen auf sich gestellt. Die geplante Weltreise der beiden Senioren in einem eigens dafür angeschafften alten VW-Bus muss kurzerhand verschoben werden. Die findige Oma kredenzt stattdessen bei jeder Mahlzeit internationale Köstlichkeiten und der ausgesprochen flexibel denkende Opa zaubert mithilfe eines rechteckigen Tischtuchs binnen Sekunden aus einem runden Tisch einen eckigen. Die unkompliziert und heiter daherkommende Botschaft dieses Buches lautet schlicht: Es gibt für alles eine Lösung und manchmal muss man einfach über seinen Schatten springen und etwas Neues ausprobieren. Ich persönlich werde jetzt auch mehr Marsexpeditionen in meinen Alltag einbauen.

Buchtipp von Minea Süss

Ab neun Jahre.

Grusnick, Sebastian; Möller, Thomas: Grüße vom Mars – Notlandung bei Oma und Opa, Dressler, 2019, € 13,00.

Ziegen bringen Glück

Sieht man einmal vom Geruch ab, sind Ziegen Tiere, für die ich mich durchaus begeistern kann. Die meisten von ihnen sind zutraulich, lassen sich streicheln und füttern und springen quirlig über die Weide. Bergziegen freuen sich zudem über Felsen zum Klettern und sind – anders als Hausziegen – ausgesprochen freiheitsliebend. Die schwindelerregende Höhe von Wolkenkratzern in New York macht einer Bergziege insofern keine Probleme. Das fehlende Gras hingegen schon. Zu Recht fragt man sich, was eine Ziege in einer Metropole wie New York macht, wie sie dahin kommt und ob das überhaupt sein kann.

Indem uns die elfjährige Kid ihre Geschichte erzählt, erfahren wir auch, wie die Ziege auf das Dach des Hochhauses gelangt ist. Anne Fleming lässt ihre Hauptfigur in der ihr neuen Umgebung nach und nach die Menschen in ihrem unmittelbaren Umfeld, sprich ihre Nachbarschaft entdecken. Jeder von ihnen hat seine eigene Geschichte. Was jeweils als Einzelschicksal daherkommt verbindet sich im Verlauf der Erzählung mit den Erlebnissen und Erfahrungen der anderen, wird ergänzt und durch neue gemeinsame Taten fortgeführt. Die scheue Kid, deren Eltern aus beruflichen Gründen zeitweise in einer der beliebtesten Städte der USA leben, staunt ein um das andere Mal, als sie im und vor dem Haus Menschen trifft, die plötzlich zu ihrem Leben dazugehören und die sie ganz selbstverständlich miteinbeziehen. Allen voran ist da Will, der bei den Terroranschlägen auf das World Trade Center seine Eltern verloren hat und fortan keine Sekunde von seiner Oma aus den Augen gelassen wird. Dank eines kaum zu bremsenden Entdeckerwillens, machen sich die beiden Kinder – ungeachtet der ständigen Dauerbegleitung – daran das Geheimnis der sagenumwobenen Ziege auf dem Dach zu lüften. Schöner kann Freundschaft und das Überwinden eigener Grenzen kaum sein.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 10 Jahre.

Fleming, Anne: Ziegen bringen Glück, Carlsen, 2019, € 10,99.

Freibad – Ein ganzer Sommer unter dem Himmel

Eine Schwalbe macht bekanntlich noch keinen Sommer. Einzelne Tage im März, die über die zwanzig Grad Marke geklettert sind, auch nicht. Angesichts solcher Temperaturen, wird das T-Shirt dennoch probehalber schon mal rausgeholt und das erste Eis wird genüsslich im Sonnenschein geschleckt. Bis letzteres inklusive Abkühlung im kühlen Nass im Freibad genossen werden kann, dauert es noch ein paar Wochen. Die Freibadsaison beginnt nicht nur in Will Gmehlings Geschichte im Mai, sondern im wahren Leben ebenfalls.

Die Begeisterung für Bewegung im Wasser kann ich zwar nachvollziehen, fühle mich selber allerdings in keinster Weise berufen, dies zu tun. Mit von Seite zu Seite wachsender Freude und gemütlich im warmen und trockenen Sessel sitzend habe ich die Freibadabenteuer der drei Bukowskis gelesen. Das Geschwisterkleeblatt Alfred, Robert und Katinka geht mit seinem unverbrüchlichem Optimismus, der Selbstverständlichkeit den leicht gehandicapten Bruder Robbie überall miteinzubeziehen und dafür zu sorgen, dass dieser Schwimmen lernt ans Herz. Der Zusammenhalt der gesamten Familie, getragen von dem Gedanken es sich und den Kindern auch mit übersichtlichen finanziellen Mitteln schön zu machen, kommt vollkommen unaufdringlich und authentisch daher. Die Eltern der Kinder arbeiten hart, sind aber jederzeit für den Nachwuchs da und bieten einen geregelten Tagesablauf mit vielen unscheinbaren Ritualen, die aus der Kinderperspektive erzählt, den hohen Stellenwert in Form von Vertrautheit und Verlässlichkeit widerspiegeln.

Nachdem die drei Kinder im Hallenbad ein Kleinkind gerettet haben, erhalten sie eine Freikarte für die gesamte Freibadsaison. Natürlich wären sie nicht die Bukowskis, wenn sie das gute Stück nicht nutzen würden. Alfred, Katinka und Robbie verpassen keinen einzigen Tag und damit auch kein Abenteuer und keine neue Bekanntschaft in dem großen Kreis der Freibadfreunde.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 10 Jahre.

Gmehlig, Will: Freibad – Ein ganzer Sommer unter dem Himmel, Peter Hammer Verlag, 2019, €14,00.

Der Stinkehund

Als ich die Geschichte vom „Stinkehund“ anfing zu lesen, musste ich an zwei Tiere denken, die das Familienleben eine Zeitlang begleitet haben. Zum einen war da der Braune. Der Braune war ein schwarzer Kater, der am hinteren Rücken an einer Stelle struppiges braunes Fell hatte und einen Stummelschwanz. Trotz ländlicher Idylle gab es eine viel befahrene Straße und selbiger ist der Schwanz des Katers zum Opfer gefallen. Jahre später beglückte uns ein Eichhörnchen mit einem sehr lichten Schwanz mit regelmäßiger Anwesenheit. Wir nannten das possierliche Tier Klobürste und erfreuten uns an seiner Gesellschaft. Wie der Name vermuten lässt, ist der Geruch des „Stinkehund“ nicht unbedingt angenehm. Zudem wird er als hässlich beschrieben, wobei ich persönlich die Illustrationen ausgesprochen ansprechend und keinesfalls unschön finde. Das Fell wird allerdings als Teppich, Wischlappen und Fußabtreter bezeichnet. Der geneigte Leser ahnt, dass das Schicksal des Vierbeiners kein leichtes ist. Erzählt wird dies jedoch mit einer gehörigen Portion Humor und Augenzwinkern. Ähnlich wie unser Kater hat der beste Freund und Gefährte des Hundes früh im Leben Bekanntschaft mit einem LKW gemacht und wird seitdem von allen Platti gerufen. Hund und Kater verstehen sich prächtig, bis das Hundetier das Bedürfnis hat ein Herrchen oder Frauchen fürs Leben zu finden. Der Wunsch ist nachvollziehbar, aber nicht leicht umzusetzen. Mit vielen guten Ratschlägen von Platti im Ohr zieht der Stinkehund los, um Familienanschluss zu finden. Nach vielen Erfahrungen mit beträchtlichen Höhen und Tiefen findet er auch eine Familie, aber die ist gänzlich anders als gedacht.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 6 Jahre.

Gutman, Marc: Der Stinkehund, Woow Books, 2019, € 10,00.