Armut – Schüler fragen nach

Es gibt Themen, die sind unbequem, tabu oder unbequem und tabu. In den Medien wird zwar hin und wieder über Kinderarmut in Deutschland berichtet, aber zwischen einer auf Statistiken basierenden Berichterstattung und der persönlich vorgetragenen Erfahrung nicht die finanziellen Mittel zu haben, um sich einfach zwischendurch etwas zu kaufen, nur weil man es haben will und morgens vor einem leeren Kühlschrank zu stehen, liegen Welten. Gerade der leere Kühlschrank hat mich schockiert.

Armut ist eben nicht nur die fehlende Möglichkeit in Urlaub zu fahren, spontan ins Kino zu  gehen, einem Verein beizutreten, neue Kleidung zu kaufen, obwohl die alte noch tragbar ist, sondern tragischer Weise auch die fehlende Möglichkeit in ausreichender Menge Lebensmittel zu kaufen. Erst letzte Woche habe ich bei Rewe eine Tüte mit Grundnahrungsmitteln gekauft, die an Bedürftige weitergegeben werden. Mein Verdrängungsmechanismus wurde aber erst durch die Lektüre von Jutta Bauers Buch aufgebrochen. Es gibt Menschen, die können sich noch nicht einmal das leisten. Die von Jutta Bauer gesammelten Fragen von Schülern zu dem Thema beleuchten ganz unterschiedliche Seiten und dringen mit Fragen nach der Befindlichkeit auch emotional in tiefere Ebenen vor. Hier macht vor allem die Abwesenheit von Familie betroffen. Diejenigen,  die noch Kontakt haben, erleben diesen als Stütze und Motivation aber viele verneinen die Frage ohne weiteren Kommentar. Die Offenheit dieser Menschen, von denen sich viele trotz ihrer schwierigen Situation als zufrieden oder sogar glücklich bezeichnen, berührt und macht sehr, sehr nachdenklich.

Buchtipp von Minea Süss

Von 8 – 99

Bauer, Jutta: Armut – Schüler fragen nach, Carlsen, 2017, € 14,99.

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