Vier Wünsche ans Universum

Ob es so etwas wie Schicksal oder Vorhersehung gibt, wird wahrscheinlich seit Beginn der Menschheit diskutiert. Ebenso die damit zusammenhängende Frage, ob Dinge nun durch Zufall geschehen oder nicht. Wie diese Fragen zu beantworten sind, muss jeder für sich entscheiden. Wobei ich persönlich nach der Lektüre von Erin Estrada Kellys Buch der Ansicht bin, dass es absolut kein Zufall sein kann, dass die herrlich schrägen Charaktere zueinander gefunden haben.

Unterschiedlicher als Virgil, die Schwestern Gen und Kaori sowie die gehörlose Valencia können Menschen kaum sein. Virgil, klein, zurückhaltend und ständig mit dem Gefühl beschäftigt in der falschen Familie zu sein, findet lediglich bei der geliebten Oma und Meerschwein Gulliver Trost. Alle um ihn herum sind fröhlich, laut und überschwänglich. Der Familienspitzname „Turtle“ offenbart Virgils Dilemma. Derweil seine Eltern und die quirligen Zwillingsbrüder vor Energie sprühen, ist er schon vom bloßen Beobachten erschöpft. Die pfiffigen Schwestern Gen und Kaori sind ebenfalls mit einem beachtlichen Energiepotential und zudem mit einer gehörigen Portion Selbstbewusstsein und Kreativität ausgestattet. Um andere daran teilhaben zu lassen, betätigt sich Kaori als Wahrsagerin. Zu ihren ersten Kunden gehören Virgil und Valencia, die weniger unter ihrer Gehörlosigkeit leidet, als unter der Fürsorglichkeit ihrer Mutter und den Vorurteilen ihrer Mitschüler. Als der stets pünktliche und in allem sehr korrekte Virgil zu einem Termin bei Kaori nicht erscheint, ist den Mädchen klar, dass etwas passiert sein muss. Zusammen mit Valencia, die sich als gute Organisatorin und Mitdenkerin entpuppt, machen sich die Schwestern auf die Suche. Nicht ahnend, dass sie auch ein Meerschweinchen retten müssen.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 12 Jahre.

Entrada Kelly, Erin: Vier Wünsche ans Universum, DTV, 2018, € 14,95

Karl und Knäcke lernen Räubern

Räuber Hotzenplotz, bekannt in Stadt und Land  bekommt Konkurrenz. Karl und Knäcke, Gentlemen-Räuber mit dem unbedingten Willen, den Beruf des Räubers von der Pike auf zu lernen, treiben des Nächtens ihr Unwesen. Karl hat ein begnadetes Talent Türschlösser zu knacken, Knäcke hingegen kocht nicht nur gern und gut, sondern mit Leidenschaft und Ausdauer. Und da es eben so gut schmeckt, kommen die beiden erst einmal gar nicht dazu als Räuber tätig zu werden. Um genau zu sein, haben die beiden Helden tatsächlich noch etwas entwendet. Da sie aber ein wirklich wildes Motto haben, beschließen die beiden eines Tages endlich mit dem Räubern anzufangen. Getreu ihrem Motto „Traute, Schneid, Courage und Mut – wilde Räuber, Spucke, Blut!“, ziehen sie an sieben aufeinanderfolgenden Tagen los, um nachts auf Beutezug zu gehen. Da die beiden Herren aber nicht nur neugierig, sondern auch sehr experimentier- und entdeckungsfreudig sind, verläuft das Räubern in der ersten Nacht nicht wie geplant. Zu verlockend sind die Sportgeräte von Sportlehrerin Ludmilla Überschlag. Derweil Karl den Traubenzuckervorrat verspeist, probiert sich Knäcke an Reck, Trampolin und Ringen aus. Jede Nacht entführen die beiden Spezialisten die Lesenden in eine andere Wohnung und lassen sie an ihren Entdeckungen teilhaben. Bei der Dirigentin wird musiziert und zur Stärkung serviert Knäcke kunstvoll geschnitzte Kohlrabi und Selleriestückchen mit Champagner. Die schräg komischen Abenteuer von Karl und Knäcke sind genau an der Schnittstelle zwischen Bilderbuch und Vorlesegeschichte und bieten Lesegenuss und Lesespaß für die ganze Familie. Ob die beiden am Ende erfolgreich den Beruf des Räubers erlernt haben, wird hier nicht verraten. Nur soviel: Karl und Knacke sind immer für eine Überraschung gut.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 5 Jahre.

Reinhardt, Kirsten; Geißler, Marie: Karl & Knäcke lernen Räubern, Carlsen, 2018, € 12,00.

Unser Weg so weit …

Vorletztes Wochenende war es wieder so weit. Hoch oben in der Luft tönte das typische Geschrei der  Kraniche. Im Gegensatz zu den letzten Jahren, war mir diesmal aber nur eine kleine Gruppe vergönnt, die sich in Pfeilformation über die Stadt hinweg bewegte. Faszinierend ist es dennoch. Jedes Jahr im Frühling und Herbst sammeln sich die Zugvögel, um gemeinsam hier anzukommen oder in den warmen Süden zu fliegen. Der einzige Kompass ist das innere Navigationssystem und das genetische Erbe der Vorfahren. Gemessen an der Größe der Tiere ist es kaum vorstellbar, dass sie tausende von Kilometern fliegend zurücklegen.

Laura Knowles und Chris Madden spüren dem Phänomen der Tierwanderungen auf kindgerechte Art nach und lassen auch Erwachsene fasziniert in dieses besondere Phänomen eintauchen. Das Anschauen der angenehm reduzierten Illustrationen bereitet ebenso ein Vergnügen, wie die kurzen, klar formulierten Texte. Letztere sind jeweils aus der Sicht der Tiere geschrieben und wirken ausgesprochen lebendig. Eine gewisse Dynamik entsteht auch durch die z. T. in leichten Bögen angeordneten Sätze. Ehe man sich versieht, ist man mit Lederschildkröte und Co auf einer Weltreise und kommt mit einem Sack voller neuer Erkenntnisse zurück. Oder hätten Sie gewusst, dass Rubinkehlkolibris pro Jahr ca. 12000 Kilometer fliegen? Und Monarchfalter in ihrem Winterquartier in riesigen Schwärmen von den Bäumen hängen und bis zum Frühling durchschlafen? Rentiere ihren Weg von Norden nach Süden in Kurven laufen? Dies sind nur einige wenige spannende und kuriose Fakten, die in dem kurzweiligen Sachbilderbuch zu finden sind.

Buchtipp von Minea Süss

Ab vier Jahre.

Knowles, Laura; Madden, Chris: Unser Weg so weit … Kleine Geschichten von großen Tierreisen, arsedition, 2018, € 16,00.

Ein Konzert im Park

Musik ist etwas wundervolles insbesondere dann, wenn man sie selber macht. Frohen Mutes verlässt der kleine Junge genau in dieser Absicht nachmittags das Haus und geht mit der festen Absicht in den Park seine Mundharmonika genau dort zu spielen. Erstaunt stellt er fest, dass da schon jemand musiziert. Dieser Jemand ist ein Hase, der an einem großen  Flügel sitzt und eine Melodie in den Park hinaus schickt. Aus zwei einzelnen und vielleicht auch einsamen Musikanten werden im Handumdrehen zwei, die sich zusammen tun. Das Klavierspiel des Häschens und die summenden, brummenden Töne der Mundharmonika erfüllen den Park und locken nach und nach immer mehr Tiere an, die mit ihren Instrumenten kommen und fragen, ob sie mitspielen dürfen. Geige, Tambourin, Gitarre, Bass und die wunderbare Stimme eines Vogels vereinigen sich schließlich zu einem Orchester. Genauso unbeabsichtigt, wie sich das Orchester gefunden hat, entsteht aus dem Zusammenspiel ein Konzert, an dem sich zahlreiche Tiere des Parks erfreuen und sich als Zuschauer dazu gesellen. Die klingenden Wörter, mit denen jedes einzelne Instrument für die Lesenden zum Leben erwacht, laden nicht nur zum gemeinsamen rhythmischen Sprechen ein, sondern auch zum Klatschen, Klopfen und Stampfen. Durch das laute Vorlesen und Intonieren werden die Lesenden selber zu Musikanten. Das Konzert im Park findet gleichzeitig auch da statt, wo gelesen wird. Das Bilderbuch ist ein zauberhafter Appell an die Kraft der Phantasie, die Naturgeräusche im Park als Melodie wahrzunehmen und einzelnen Instrumenten zuzuordnen.

Buchtipp von Minea Süss

Ab drei Jahren.

Yamada, Kazuaki: Ein Konzert im Park, minedition, 2018, €15,00.

Die unglaublichen Untaten des Bermudadreiecks

Lennard ist ein vollkommen normaler Junge. Nur nicht auffallen ist seine Devise. Mit einer Blog schreibenden Mutter, die die mehr oder weniger zahlreiche Leserschaft mit Berichten aus dem Familienleben unterhält, einer Oma, die ihr Faible für Pailletten verzierte Kleidung gnadenlos auslebt und somit nicht umsonst auf den Namen „Glitzer-Oma“ hört und einem kleinen Bruder, der jeden Tag an mehreren komplizierten Krankheiten leidet, eint ihn lediglich mit dem Vater das Streben nach Unauffälligkeit und dem normalen Durchschnitt.

Aber was macht man, wenn man sich als großer Bruder für den kleineren verantwortlich fühlt und gar nicht mit ansehen kann, wie dieser eine Detektivagentur gründet und weit und breit ist kein wirklicher Fall in Sicht? Außerdem stehen die Sommerferien vor der Tür und wenn Linus nicht beschäftigt ist, hat er womöglich mit noch mehr Krankheiten jeden Tag zu kämpfen. Nach einigem Ringen beschließt Lennard dafür zu sorgen, dass der kleine Bruder etwas aufzuklären hat. Verbrechen müssen her und zwar schnell. Eines ist dem gutmütigen Jungen allerdings sofort klar: es dürfen natürlich keine echten Verbrechen sein und alleine schafft er das auch nicht. Profihilfe ist da gefragt. Justin Schulte genannt „Knastin“ bietet sich da an, aber kann man es wagen, so jemanden um Hilfe zu bitten? Die Not ist groß, nicht nur bei Lennard. Anders lässt sich nämlich nicht erklären, dass Justin sich mit seinem Fachwissen anbietet zu helfen. Die dritte im Bunde ist Mathilde, Vielleserin und damit Krimi- und Organisationsexpertin. Gemeinsam stellt sich dieses unterschiedliche Trio der Aufgabe Verbrechen für Linus zu kreieren. Bei so viel Witz und Leidenschaft für das eigene Tun, kann man den Dreien nur wünschen, dass die Freundschaft über die Sommerferien hinaus Bestand hat.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 9 Jahre.

Erhardt, Kai: Die unglaublichen Untaten des Bermudadreiecks, Beltz, 2018, € 12,00.

Superstarke Bakterien. Die geheimnisvolle Welt der Mikroben

Was Husten, Schnupfen, Heiserkeit und andere unangenehme und unschöne Symptome angeht, gehöre ich dieses Jahr zu den Wiederholungstätern. Eine eher raue und kratzige Stimme inklusive eines wenig erbaulichen Reizhustens trage ich nun schon über eine Woche nach dem letzten Infekt mit mir rum. Gut, ich bin damit nicht alleine. Aber in Phasen des Selbstmitleids, neige ich zu einer starken Ichbezogenheit. Ist zu Beginn einer Erkältung der Kopfschmerz verflogen, verstärkt sich diese, indem ich mich nur mit Büchern unterhalte. Die sind schließlich geduldig, haben einen langen Atem und widersprechen nicht. Als äußerst unterhaltsam und lehrreich hat sich in dieser Situation das wunderbare Sachbuch aus dem Dorling Kindersley Verlag erwiesen.  Von Bazillen geplagt, wollte ich eigentlich nichts von diesen für unser Auge unsichtbaren Wesen wissen, aber da die mikroskopisch kleinen Tierchen mich so nett vom Titelbild anschauten, habe ich dann doch einfach angefangen zu blättern. Eingehüllt in Schal und Decke, immer darauf bedacht den Tee nicht über das Buch zu schlabbern, versank ich in einer Welt, die sich nur unter dem Mikroskop anschauen lässt. Oder in großen und klaren Grafiken im Buch. Sind die Darstellungen der unzähligen Bakterien- und Virenarten schon beeindruckend, haben mich die Vergleiche noch mehr für das Buch eingenommen. Wenn ich nämlich eine Mikrobe wäre, dann wäre ein Reiskorn für mich größer als ein Berg und wenn der Berg wiederum ein Reiskorn wäre, dann hätte ein Mensch die Größe eines Bakteriums. Das Handy wiederum hätte im Vergleich dazu die Größe eine Handys. Toll, oder? Dreißig Themenbereiche verteilen sich auf jeweils eine übersichtlich gestaltete Doppelseite. So macht lernen Spaß.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 9 Jahre.

Mould, Steve: Superstarke Bakterien. Die geheimnisvolle Welt der Mikroben, Dorling Kindersley, 2018, € 12,95.

Short – Manchmal wächst man über sich hinaus.

Mit 1,64 m großzügig gemessener Körperlänge, bin ich drei Zentimeter weniger lang als die bundesweite Durchschnittsfrau. Meine Brüder überragen mich alle drei um mehr als Haupteslänge, meine Schwester hat Längentechnisch noch weniger abbekommen als ich. Gestört hat uns beide das noch nie, obwohl wir es gewohnt sind, als klein bezeichnet zu werden. Sicherlich ist es in erster Linie unseren Eltern – beide werden von ihren Söhnen ebenfalls um mehr als Haupteslänge überragt – zu verdanken, dass wir uns nie klein gefühlt haben.

Bis Julia unfreiwillig ein Gespräch ihrer Eltern mitbekommt, fühlt sie sich auch nicht klein oder zu klein für ihr Alter. Die Bemerkung ihres Vaters: „Gott sei Dank ist Julia ein Mädchen. Stell dir vor, sie wäre ein Junge und derart zu kurz geraten!“, verunsichert sie allerdings zutiefst. Auf der einen Seite ist sie sich der Liebe ihrer Eltern gewiss und auf der anderen Seite, fallen ihr plötzlich tausend Dinge ein, die sie auch im Alltag als „zu klein“ erscheinen lassen. Als kurz vor den Sommerferien auch noch der geliebte Hund stirbt, kommt das Mädchen aus dem Hadern und Traurigsein gar nicht mehr hinaus.

Um dem Kind ein Erfolgserlebnis zu verschaffen, schlägt die Mutter Julia und ihrem jüngeren Bruder vor in den Sommerferien an einem Theaterprojekt teilzunehmen. Als beide Kinder eine Rolle bekommen, beginnt für die ganze Familie eine wunderbare Zeit. Julia erzählt aus ihrer Sicht und lässt uns Stück für Stück mitwachsen, wenn sie ihre Fröhlichkeit   und ihr natürliches Selbstbewusstsein zurückgewinnt.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 11 Jahre.

Sloan Goldberg, Holly: Short – Manchmal wächst man über sich hinaus., Hanser, 2018, € 16,00.

Johnny Sinclair – Beruf: Geisterjäger

Johnny ist mit seinen zwölf Jahren Kummer gewohnt. Was anderen Kindern in dem Alter schlaflose Nächte bereiten und Angstschweiß auf die Stirn treiben würde, sorgt bei ihm nur für einen Anflug von Nervosität und Nervenkitzel. Die Mitbewohner von Greyman Castle sind Geister, die ihm zu nachtschlafender Stunde das Leben schwer machen.

Im Hier und Jetzt ist es freilich schwer dem besten Freund von den unliebsamen Hausgenossen zu erzählen. Von einer äußerst engagierten Mutter umsorgt, kann man dem zaghaften Russel allerdings kaum verdenken, dass er übersinnlichen und damit auch unheimlichen und gruseligen Dingen konsequent aus dem Weg geht.  Anders sieht es da schon bei dem Kindermädchen aus Haiti aus. Cécile ist laut Eigenauskunft eine Voodoo-Priesterin und in Abwesenheit von Johnnys Eltern für das Wohl des Jungen verantwortlich. Insofern versucht sie natürlich die ausgeprägte Begeisterung ihres Schützlings für die Geisterwelt nach Möglichkeit nicht zu unterstützen. Hilfe naht schließlich in Gestalt eines Totenkopfes, den Johnny bei einem Ausflug ins Moor findet. Nachdem er das Fundstück liebevoll gesäubert hat, dankt selbiges es ihm mit flotten Sprüchen und jeder Menge Tipps und Tricks, die man als Geisterjäger unbedingt beherrschen muss. Unabdingbar ist aber auch ein Assistent aus Fleisch und Blut. Hier zeigt sich einmal mehr, wie gut es ist einen besten Freund zu haben. Russel, angespornt von den wenig schmeichelhaften Kommentaren des Schädels, wächst über sich hinaus und erweist sich als Helfer in der Not.

Mit Witz und Spannung lässt Sabine Städing ihre Hauptfigur auf den Spuren ihres berühmten Namensvetters John Sinclair wandeln und sorgt für angenehme Gänsehaut-Momente beim Lesen unter der Bettdecke.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 10 Jahre.

Städing, Sabine: Johnny Sinclair – Beruf: Geisterjäger, Baumhaus, 2017, € 12,00.

 

Der Wal nimmt ein Bad

Egal ob es draußen kalt oder warm ist, ein Wannenbad ist eine feine Sache, wenn man seine Ruhe haben möchte. Bei frösteligen Außentemperaturen wärmt es einen richtig schön auf und an heißen Sommertagen ist es eine willkommene Alternative zum nicht vorhandenen Planschbecken. Die kühlen Fluten sind erfrischend  und heben die Stimmung.

Kein Wunder, dass der Wal vollkommen eins mit sich und der Welt bzw. Badewanne die angenehme Ruhe des häuslichen Wellnessbereich genießt. Bis – ja, bis die Tür aufgeht und die Schildkröte mit Leidensmiene das Badezimmer betritt und ebenfalls in die Wanne möchte. Kann man einer Schildkröte mit Rückenschmerzen ein Wannenbad verwehren? Nein, kann man natürlich nicht. Ebensowenig wie man dem frierenden Bieber, dem schmutzigen Flamingo und all den anderen das schwippende, blubbsende, fluppschende, klitschen und klatschende Wasser vorenthalten kann. Anders als ein Swimmingpool ist eine Badewanne allerdings räumlich sehr begrenzt. Gefüllt mit sechs Badewilligen inklusive Schiff, wird aus dem Entspannungsbad schnell eine drangvolle Enge und die Freunde entpuppen sich als etwas anstrengend. Eine Lösung muss her und zwar schnell. Wie in den Weiten des Ozeans geht der Wal einfach auf Tauchstation, um unversehens im nächsten Moment wieder aufzutauchen und die Mitbadenden mit Schwung nach draußen zu befördern. Wer jetzt an Geschrei und Gezeter denkt, der irrt. Das Badewasser füllt nun den Raum, der genug Platz für Bieber, Flamingo und all die anderen bietet und der Wal rekelt sich genüsslich in der Badewanne und lässt Wasser nachlaufen.

Buchtipp von Minea Süss

Ab zwei Jahre.

Straßer, Susanne: Der Wal nimmt ein Bad, Peter Hammer Verlag, 2018, € 14,90.

Als Nino fast in den Zirkuswagen zog

Bauwagen und Zirkuswagen üben auf Groß und Klein eine nahezu magische Anziehungskraft aus. Auch ich kann mich seit Kindertagen für beide Gefährte gleichermaßen begeistern, obwohl mir das Campinggen in jeder Hinsicht fehlt. Der Reiz besteht für mich auch nicht darin in so einem Wagen durch die Lande zu ziehen, sondern – wie meine Tante – ein Gartenhäuschen oder einen Geräteschuppen der besonderen Art zu besitzen. Der Bauwagen meiner Tante hatte seinen angestammten Platz im Garten und war eine Welt für sich. Bei jedem Besuch mussten wir gucken, was sich in dem uns wohl bekannten Inneren verbarg.

Insofern kann ich die Aufregung von Nino und seinen Geschwistern nur allzu gut nachvollziehen. Großtante Ella stellt nämlich ihren Zirkuswagen ins Aussicht. Was für die Großtante der Abschied eines kreativen und unabhängigen Lebens ist, wird für die Kinder der Aufbruch in neue Spiel-, Abenteuer-,  und Beziehungswelten. Mit dem Entschluss ins Seniorenheim zu ziehen, geht der Zirkuswagen tatsächlich in den Besitz der Großneffen und Großnichten über. Aber wer hätte gedacht, dass selbst Jana, die Älteste, die gerade frisch verliebt ist, Interesse für einen Zirkuswagen hat? Nino, der Jüngste und Kleinste versteht die Welt nicht mehr und muss sich wie so oft mit seinem älteren Bruder rumplagen. Der macht ihm das Leben manchmal ganz schön schwer. Was soll man schon machen, wenn der größere und ältere mit seinen Freunden den schönen Zirkuswagen für sich beansprucht? Und was soll man machen, wenn man mit eben diesem Bruder in dem Wagen übernachtet und plötzlich ist der Bruder verschwunden?

Wie Nino seinen Platz unter den Geschwistern findet und sich am Ende alles zum Guten wendet, erzählt Sigrid Zeevaert in dieser schönen Sommer-Familien-Geschwister-Freunde-Geschichte.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 8 Jahre.

Zeevaert, Sigrid: Als Nino fast in den Zirkuswagen zog, Gerstenberg, 2018, € 13,95.