böse

0720_Schaerer_Boese_Cover_Z.inddDas ich beim Lesen und Betrachten eines Bilderbuchs plötzlich den Atem anhalte und mich nicht traue weiter zu lesen, geschweige denn die nächste Seite umzublättern, hätte ich mir nicht träumen lassen. Obwohl ich die Neuerscheinung von Lorenz Pauli und Kathrin Schäfer aus dem Atlantis Verlag nun schon mehrmals gelesen und angeschaut habe, stellt sich jedes Mal aufs Neue der Schreck über das Verhalten des Pferdes ein. Dabei beginnt die Geschichte eigentlich ganz harmlos. Um sich die Zeit zu vertreiben, haben sich die Bauernhoftiere Ziege, Hund, Taube, Pferd, Schweine und Katze ein Spiel ausgedacht. Nacheinander offenbaren sie den anderen eine Seite ihres Charakters, die Schabernack auf Kosten anderer treibt. Aber eigentlich sind sie ja alle brav und friedlich. Einleitend wird genau dies ausdrücklichst betont und umso größer ist der anschließende Spaß. Das allgemeine Gelächter verstummt erst in dem Moment, wo plötzlich die Maus auftaucht, um ihren Hunger mit ein paar Krümeln, die auf dem Boden liegen zu stillen. Ihr Hunger ist so groß, dass sie die anderen Tiere nicht bemerkt. Still und mit weit aufgerissenen Augen schauen nun alle auf die Katze. Doch da ist das Pferd plötzlich schneller. „Da hebt das Pferd sein rechtes Vorderbein. KLACK tritt das Pferd auf die Maus.“ Entsetzen und Sprachlosigkeit greifen um sich. Aus Spaß ist unversehens bitterer Ernst geworden. Am Ende ist es dem Weitblick und dem ausgeprägten Gerechtigkeitssinn des Pferdes zu verdanken, dass vermeintliche Boshaftigkeit tatsächlich Leben retten kann und gehörig zum Nachdenken anregt.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 4 Jahre.

Pauli, Lorenz; Schärer, Kathrin: böse, Atlantis, 2016, € 14,95.

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