Rico & Oskar – Fische aus Silber

Mit dem ihm eigenen Gespür für Situationscomic, bzw. einem über die drei Rico und Oskar Bände geschulten Auge für komische Momente im Alltag, wahrgenommen aus der unverstellten Kinderperspektive, erfreut Andreas Steinhöfel die Fangemeinde dieser einzigartigen kleinen Kerle, nun mit dem Beginn einer Comicreihe.

Zusammen mit dem Illustrator Peter Schössow ermöglicht uns Steinhöfel einen Hausbesuch in der Dieffe 93. Um alle Freunde der lecker belegten kleinen Brote, die mein Opa ebenfalls sehr filigran herzustellen wusste, aber leider nicht so eine schöne Bezeichnung dafür parat hatte, zu beruhigen, sei an dieser Stelle schon erwähnt, Müffelchen sind auch in der Comic Version ein unbedingter Bestandteil für alle Lebenslagen, in denen es um Gemütlichkeit, Wohlbefinden und Behaglichkeit geht. Vor dem Genuss selbiger sind allerdings ein paar Turbulenzen zu durchstehen. Nachdem die Müllabfuhr das von den Jungen liebevoll hergerichtete Sperrmüll-Wohnzimmer vor dem Haus in null Komma nichts dem Erdboden gleich gemacht hat, sind Rico und Oskar so eingestaubt, dass sie sich ein Bad genehmigen. Und damit fängt das neue Abenteuer erst richtig an. Abenteuer ist eigentlich nicht das passende Wort, Expedition trifft es eher. Mit dem Entdecken der wieselflinken Silberfische auf den Badezimmerfliesen, wird der Blick auf etwas sehr kleines, von dem wahrscheinlich viele Menschen behaupten, sie hätten so ein Ungeziefer selbstverständlich nicht in ihrem privaten Sanitärbereich, gezoomt und dank Oskars lexikalischen Wissen genauestens analysiert und kommentiert. Begeistert bin ich deswegen nach wie vor nur sehr bedingt von diesen auch bei mir wohnenden Haustieren, aber dazugelernt habe ich einiges. Den Kindern wachsen die glitzernden Tierchen jedoch sehr ans Herz und da die Dieffe 93 für die beiden Jungen ein tolles Zuhause ist, liegt es nahe, dass so unbescholtene Lebewesen wie Silberfische auch ein Recht auf eigene vier Wände haben.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 8 Jahre.

Steinhöfel, Andreas: Rico & Oskar – Fische aus Silber, Carlsen, 2017, € 9,99.

Was machen die Kölner Tiere, wenn es regnet?

Wenn die Sonne scheint oder Schnee zum Schlittenfahren lockt, drängt es Groß und Klein an die frische Luft. Der Aufenthalt im Garten, Park, am See oder im Wald zusammen mit netten Menschen, die sich an Outdooraktivitäten wie Grillen, Ballspielen, Schwimmen usw. mit Begeisterung beteiligen, ist für alle eine Freude. Sonne und glitzernder Schnee garantieren gute Laune und gerade bei Familien eine rege Betriebsamkeit. Genau das Gegenteil tritt jedoch ein, wenn der Himmel von dunklen Wolken verhangen ist und es unablässig regnet. Selbst die kälteliebende Labradoodledame meiner Eltern rüsselt bei Regen nur kurz durch die offene Tür, um sich dann mit vorwurfsvollem Blick und in Sekundenschnelle am Boden festgewachsenen Pfoten dem sonst geliebten Spaziergang zu verweigern. Nässe von oben führt bei Zwei- und Vierbeinern nicht selten zu dem akuten Bedürfnis es sich in den trauten vier Wänden gemütlich zu machen. Wie lustig und kurzweilig es dabei zugehen kann, zeigen die originellen Ideen der Kölner Tiere. Gemäß der Kölner Frohnatur, drückt ein Schlechtwettertag keineswegs auf die Stimmung. Die Erdmännchen gehen direkt mit gutem Beispiel voran und üben stilecht mit Kostüm bekleidet Karnevalslieder für die nächste Session. Gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlägt Geißbock Hennes. Beim Bügeln der Trikots mimt er den Hausmann, hat aber den Blick fest auf das Fußballspiel im Fernsehen und seine geschickt davor sitzende Liebste gerichtet. Die sturmerprobten Domfalken üben sich in ihrer Rolle als Rockband und eifern den Erdmännchen nach. Spatzen, Schafe und auch Regenwürmer, alle wissen, wie man dem schlechten Wetter ein Schnippchen schlagen kann. Und wenn es aufhört zu regnen? Dann trifft man sich im  Park und picknickt zusammen.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 2 Jahre.

Vogelmann, Corinna: Was machen die Kölner Tiere, wenn es regnet?, J. P. Bachem Verlag, 2016, € 9,95.

Eselsbrücken – Merksätze, Gedichte und ganz viel Lustiges

eselsbrueckenMerksätze und Eselsbrücken gehören seit Generationen zum Schulalltag wie Pausenbrot und Spickzettel. Verfügt man über ein großes Repertoire dieser zum Teil bewusst an Nonsensverse erinnernden Lernhilfen, benötigt man das in schweißtreibender Arbeit hergestellte Zettelchen gar nicht. Auf keinen Fall sollte man sich von der an Schulfächern orientierten Aufteilung abschrecken lassen. Die unter Sachkunde, Mathematik und Deutsch zusammengetragenen Reime vermitteln unzählige Tipps und Fakten zu den unterschiedlichsten Themengebieten der einzelnen Fächer. Zwischen den Buchdeckeln können Grundschulkinder (und ihre Eltern) eine Vielzahl an Informationen entdecken und mithilfe des Registers gezielt nachschlagen. Ich persönlich finde beim Lesen dieses Buches die Zufallsvariante besonders unterhaltsam. Man schnappe sich das Buch, suche sich einen gemütlichen Leseplatz und schlage dann einfach irgendeine Seite auf. Das Ergebnis ist immer eine Überraschung. Geprägt von dem berühmten Spruch zur Gründung Roms, der mit acht Worten sehr übersichtlich daherkommt (753 Rom kroch aus dem Ei), finden sich zu meinem Erstaunen auch zahlreiche Beispiele für umfangreichere Lerneinheiten, die ich mir als Kind gewünscht hätte. Gilt es z. B. sich die  16 Bundesländer mit ihren Landeshauptstädten zu merken, seien an dieser Stelle die „Bundesländer-Limericks“ empfohlen. Hoch im Norden fängt es an.

„Im Nebel trieb ein Surfer aus Kiel auf seinem Brett, er sah nicht mehr viel. Ach, wenn er wüsste: Ganz nah war die Küste. Schleswig-Holstein – das wäre sein Ziel.“ (S. 31)

Ergänzt werden die Texte von witzigen Illustrationen. Dem Autorenteam Eva Bade und Cordula Thörner ist somit ein originelles Lese-Lern-Bilderbuch gelungen, das man gerne zur Hand nimmt

Buchtipp von Minea Süss

Ab 6 Jahre.

Bade, Eva; Thörner, Cordula: Eselsbrücken – Merksätze, Gedichte und ganz viel Lustiges, Carlsen, 2016, € 12,99.

 

Gilly Hopkins – Eine wie keine

gilly-hopkinsMan muss kein bestimmtes Lebensalter haben, um einen Weltenzorn zu verspüren, der sich gegen Jeden und Alles richtet. Galadriel Hopkins, Gilly genannt, ist elf Jahre alt und verfügt aufgrund ihres Schicksals als Pflegekind über ein beträchtliches Maß an negativer Energie. Zum Glück für sich und andere, nutzt sie diese bis auf wenige Ausnahmen für gute Dinge. Gefangen in der unstillbaren Sehnsucht nach ihrer Mutter und richtigen Familie, lässt sich das hochintelligente Kind immer wieder zu kleinen Bösartigkeiten hinreißen. Ausgerechnet in der naiv wirkenden neuen Pflegemutter der verwitweten Maime Trotter und der geradlinigen sich stets unangreifbar gebenden Klassenlehrerin Miss Harris, findet sie ebenbürtige „Gegnerinnen“, die ihr ohne nennenswerte pädagogische Großmaßnahmen den richtigen Weg zeigen. Die Zauberformel dieser beiden grundverschiedenen Frauen, die einander nie begegnen, ist so schlicht wie einfach. Liebe und Zuwendung und eine Begegnung auf Augenhöhe.

Gespannt und bewegt liest man, welche Anstrengungen Gilly unternimmt, um zu ihrer leiblichen Mutter zu kommen. Momente des Unrechts werden dabei immer häufiger von Anflügen echter Zuneigung und Hilfsbereitschaft abgelöst. Aus dem ungleichen Quartett bestehend aus Maime Trotter, Pflegekind William Ernest, dem blinden und betagten Nachbarn Herrn Randolph und Gilly wird schließlich so etwas wie eine Familie. Aber gerade in dem Moment, wo sich alles in ruhigen Fahrwassern zu bewegen scheint, wird alles auf den Kopf gestellt. Plötzlich tritt Gillys richtige Familie in Gestalt der Mutter und Großmutter in das Leben des Kindes und damit auch die Erkenntnis, dass ein sich erfüllender Wunsch nicht automatisch das große Glück bedeutet. Aber auch hier weiß Maime Trotter, wie sie Gilly helfen kann. „Ich hab nich gesagt, dass das Leben schlimm ist. Sondern dass es hart und mühsam ist. Und wenn man eine schwere Aufgabe gut hinkriegt, dann ist man auch glücklich.“ (S. 204)

Buchtipp von Minea Süss

Ab 11 Jahre.

Paterson, Katherine: Gilly Hopkins – Eine wie keine, Fischer-Sauerländer, 2015, € 12,99.

Der zauberhafte Wunschbuchladen

wunschbuchladenZieht die beste Freundin weg, sinkt die Stimmung in den Keller und verzweifelt wird nach einer Möglichkeit gesucht, das Unvermeidbare doch irgendwie zu verhindern. Die Idee die beste Freundin zu diesem Zweck in der Lieblingsbuchhandlung zu verstecken ist eine reine Verzweiflungstat und kann den Lauf der Dinge auch nicht ändern. Mit buchhändlerischer Intuition und einem untrüglichen Gespür für wunde Kinderseelen, bemerkt Frau Eule schnell, dass Clara einen „blinden Passagier“ in den Laden geschmuggelt hat. Für Frau Eule gibt es aber keine Situation, die man nicht  mit den unvergleichlichen Schokotörtchen des benachbarten Bäckers und einer Tasse Kakao wenn nicht lösen, so zumindest zum Besseren wenden kann. Es ist aber nicht nur das große Herz der engagierten Ladenbesitzerin, sondern auch der zum Inventar gehörende Kater Gustaf nebst dem interessanten Spiegel Herrn König, die den Mädchen mit sicherem Blick und patenten Ratschlägen im Handumdrehen gute Laune und ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Ein bisschen Magie verschönt und erleichtert das Leben, schützt aber leider nicht vor Alltagsproblemen. Ohne Lene ist Clara plötzlich den Sticheleien von Vivi und deren Freundinnen ausgesetzt, ausgerechnet der Neue in der Klasse sucht sich den freien Sitzplatz neben ihr aus und der heimelige Rückzugsort, die Buchhandlung von Frau Eule, ist in ihrer Existenz bedroht. Katja Frixe gelingt es, mit dem „Wunschbuchladen“ einen wahrhaft magischen Ort zu erschaffen, ohne das normale Leben ihrer sympathischen Protagonisten zu vernachlässigen. Die Bewältigung und Lösung der Probleme macht Mut und baut auf den Zusammenhalt von Groß und Klein und die Verlässlichkeit in der Familie und unter Freunden.

 

Buchtipp von Minea Süss

Ab 8 Jahre.

Frixe, Katja: Der zauberhafte Wunschbuchladen, Dressler, 2016, € 12,99.

Familie Keck – Das wäre ja gelacht!

familie-keckEs gibt Situationen im Leben, da muss man die Gelegenheit einfach beim Schopf packen. Spot und Sue, ein pfiffiges Hyänenpärchen der Familie der Lachhyänen greifen beherzt mit beiden Pfoten zu, als sie an einem Gewässer im Masai Mara Nationalpark die Rucksäcke eines englischen Touristenpaares entdecken. Letztere sind der romantischen Idee und dem Bedürfnis eines erfrischenden Bades in freier Natur nachgegangen und dem kühlenden Nass leider nicht mehr entstiegen. Die Geschichte, die uns fortan von einem kecken Menschenkind unter dem Siegel des absoluten Wahrheitsgehaltes erzählt wird, ist ebenso absurd wie schräg und ungemein unterhaltsam und witzig. Ausstaffiert mit den Habseligkeiten der allzu abenteuerlustigen Touristen, gelingt es den beiden Savannenbewohnern nach England zu reisen. Geht nicht? Geht doch und zwar einfacher als gedacht. Man übe als Hyäne den aufrechten Gang, ziehe Menschenkleidung inklusive hübscher Kopfbedeckung an, lege am Flughafenschalter freundlich lächelnd den Reisepass neben das Flugticket und schon werden aus zwei wilden Tieren zwei nette Hausbesitzer in einer englischen Kleinstadt. Dort angekommen, erweisen sich die beiden als ein Musterbeispiel gelungener Integration. Mit der unverhofften Geburt quirliger Zwillinge ist das Glück perfekt. Leider wird das Leben dadurch aber auch etwas komplizierter. Schließlich gilt es darauf zu achten, dass die Schwänze des Nachwuchses für Menschenaugen unsichtbar bleiben und instinktive Verhaltensmuster der stets gut gelaunten Kinder in der Schule nicht für Stirnrunzeln beim Lehrpersonal sorgen. Schlimmer noch ist aber der chronisch bärbeißige Nachbar. Mit Argusaugen beobachtet er das turbulente Familienleben und sorgt für einiges Unbehagen. Wie so oft ist aber nichts so, wie es scheint. Ausgerechnet der ungeliebte Herr Kamuffel hat auch ein Geheimnis und erweist sich am Ende als wahrer Freund.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 8 Jahre.

Clary, J.: Familie Keck – Das wäre ja gelacht!, cbt, 2016, € 10,99.

In der grossen Stadt

in-der-grossen-stadtEine regelmäßig gestellte Frage von Kunden kann ab sofort mit einem strahlenden, „Ja, gibt es wieder. Ist soeben im Diogenes Verlag neu aufgelegt worden.“ beantwortet werden. Richard Scarrys beliebte Bilderbücher, die die große Welt zwischen zwei Buchdeckeln beinhalten, zeigen Groß und Klein, was  um uns herum alles entdeckt werden kann. In der Stadt z. B. ist es interessant zu schauen, welchen Berufen die sympathischen Hunde, Katzen, Schweine, Füchse und all die anderen Vierbeiner nachgehen. Äußerst charmant ist dabei der mehrmals angebrachte Hinweis auf Kinderbücher. So malen Künstler nicht nur Bilder, sondern „Die besten Künstler malen Bilder für Kinderbücher.“ Insofern versteht es sich fast von selbst, dass „die besten Autoren“ ebenfalls auf diesem Gebiet tätig sind. Weiter geht es mit diversen Einkaufsmöglichkeiten, die sich in einer Stadt finden. Mein persönlicher Favorit auf dieser Seite ist der Süsswarenladen. Ja, da kann man schon mal ins Träumen kommen. Ganz bodenständig und sehr geschäftig geht es dagegen auf dem Postamt zu. Hier werden auf einer großen Doppelseite vom Schreiben des Briefes bis zur Zustellung alle wesentlichen Stationen des Versands dargestellt. Die Krönung der umfangreichen Prozedur ist schließlich der Luftsprung von Henris Oma mit dem Brief in der Hand. Es folgen noch zahlreiche andere Stationen wie Feuerwehr, Handwerker, Tischler und Waldarbeiter, Straße und Tankstelle. Der Blick auf die einzelnen Situationen und Tätigkeiten ist stets liebevoll und mit einem kleinen Augenzwinkern versehen. Nach soviel Eindrücken geht es einem am Ende wie „Wachtmeister Meier“. Von all den Erlebnissen in der Stadt ist er rechtschaffen müde und freut sich auf das Abendessen mit seiner Familie. Aber morgen ist ja zum Glück eine neuer Tag …

Buchtipp von Minea Süss

Ab 3 Jahre.

Scarry, Richard: In der grossen Stadt, Diogenes, 2016, €18,00.

Im Jahr des Affen

9783551560193Nicht nur die Verleihung des „Bornheimer 2016“ erinnert an die Tatsache, dass von 1979 bis ca. 1983 zahlreiche Flüchtlinge aus Vietnam in Deutschland Aufnahme, Unterkunft und ein neues Leben fanden. Rupert Neudeck hat mit dem zum Hospitalschiff umgebauten Frachter Cap Anamur dazu beigetragen, dass Flüchtende lebend aus den oftmals viel zu kleinen, klapprigen und  überladenen Booten geborgen werden konnten.

Que Du Luu, 1973 in Saigon geboren, gehört zu den in Vietnam lebenden Chinesen, deren Familie ebenfalls vor dem herrschenden Regime geflohen ist. Mit ihrem Roman „Im Jahr des Affen“ verleiht sie in Gestalt der Protagonistin Mini („Aber Mini wird MINH THI geschrieben.“ S. 192) nicht nur all jenen eine Stimme, die ähnliches erlebt haben, sondern ermöglicht aus der Perspektive der Unbeteiligten, die wir als Lesende ja zwangsläufig einnehmen, wenn nicht ein Einfühlen, dann zumindest ein Öffnen des Blicks für die Sorgen und Nöte des zwischen zwei Kulturen gefangenen Teenagers. Damit steht Mini aber auch stellvertretend für die Jugendlichen, die in dem Aufwachsen verschiedener Kulturen sowohl die Schnittstellen als auch die Grenzen bzw. immer wieder zu bewältigende Konfliktsituationen erleben und meistern müssen. Ausgerechnet in der Euphorie des ersten Verliebtseins wird das junge Mädchen mit ihrer Vergangenheit konfrontiert und muss einsehen, dass es auch sein Gutes hat, die eigenen Wurzeln zu kennen. Auf der anderen Seite ist sie es, die dem Vater nach dem zweiten Herzinfarkt vermittelt, dass Leben und Ankommen in einem fremden Land auch heißt, sich für Neues zu öffnen. Letzteres sollte uns unabhängig von unserer Herkunft ein Ansporn für das tägliche Miteinander sein. Ein Miteinander zwischen Menschen.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 14 Jahre.

Du Luu, Que: Im Jahr des Affen, Königskinder, 2016, €16,99.

Die schwarzen Brüder

Die schwarzen BrüderAuch sechsundsiebzig Jahre nach Erscheinen des Klassikers „Die schwarzen Brüder“ von Lisa Tetzner ist  Kinderarbeit in vielen Teilen der Welt kein Relikt der Vergangenheit, sondern zum Leidwesen unzähliger Kinder und Jugendlicher erschreckende Realität. Aktuell weist Amnesty International auf die desolate und entwürdigende Situation der Kinder in den Kobaltminen im Kongo hin. Sind die Veröffentlichungen von Amnesty und anderen Organisationen schon erschütternd, treffen, die differenzierten und punktgenauen Illustrationen von Hannes Binder bis ins Mark. Erschreckend schön hat er dieses menschenverachtende Thema in einer Graphic Novel nach dem Roman von Lisa Tetzner in ästhetisch ausdrucksstarken und anspruchsvollen Bildern in Szene gesetzt. Mit feinen Strichen, akzentuiert durch das gesamte Spektrum der sich aus den Kontrasten schwarz und weiß ergebenden Graunuancen, verleiht Hannes Binder den leidgeprüften Menschen ein Gesicht.

Stellvertretend für viele Jungen und deren Familien im 19. Jahrhundert steht der noch nicht vierzehnjährige Giorgio. Von einem Menschenhändler wird er nach Mailand gebracht, um dort für einen Kaminkehrer in die Schornsteine zu steigen und den Ruß zu entfernen. Das fehlen jeglicher Farbe in den Bildern macht die klaustrophische Enge, die Hitze und von Asche durchsetzte Luft förmlich fühlbar. Bei aller Tragik und Ausweglosigkeit zeigt sich am Ende von Giorgios Leidensweg, wie wichtig es ist, für sich und andere einzustehen, sich für Gerechtigkeit und Menschlichkeit einzusetzen und diesen Werten eine Stimme zu verleihen.

Buchtipp von Minea Süss

Von 11 bis 99 Jahre.

Binder, Hannes (nach Lisa Tetzner): Die schwarzen Brüder, Graphic Novel, Fischer Verlag, 2015, 14,99 €.

So ist der Winter

so-ist-der-winter-9783855815647-bohemSchnee ist, wie so oft im Rheinland, immer noch nicht in Sicht, dennoch haben wir Winter und insgeheim wünscht man sich in dieser Jahreszeit wenn nicht Schnee, dann zumindest frostige Tage und Sonnenschein für Spaziergänge in kalter, klarer Luft.

Aber seien wir mal ehrlich, wenn es schneit und die wunderbar glitzernden Flocken liegen bleiben, macht das Draußensein bei all den dann möglichen Vergnügungen nochmal soviel Spass.

Kristina Digman ist es gelungen, die schönsten Schneeaktivitäten in zarten Bildern einzufangen. In Verbindung mit den sehr kurzen und knappen Textbeiträgen von Görel Kristina Näslung, zeigt sich die kalte und dunkle Jahreszeit hier von ihrer Schokoladenseite. Der freundlich auffordernde aber auch zufriedene Blick der beiden Kinder auf dem Titelbild lädt zu einer abwechslungsreichen Entdeckungstour durch die Wintermonate ein. Vollkommen unaufdringlich sind zahlreiche Sachinformationen in Text und Bild eingeflochten. So erfährt man z. B., dass Schnee viele unterschiedliche Geräusche macht. Ist er hart gefroren, so knirscht er bei jedem Schritt unter den Schuhen. Eine zugefrorene Pfütze dagegen klirrt fröhlich, wenn die dünne Eisschicht bricht. Spannend ist es auch der Frage nachzugehen, was die Tiere im Winter machen. Denn nicht alle Tiere sind begeistert, wenn die Welt von einer kalten, weißen Decke verhüllt wird. Je kälter es draußen wird und je früher die Dunkelheit hereinbricht, genießen auch die beiden Frischluftkinder in dem Buch gemütliche Stunden in der warmen Stube oder sitzen staunend bei Kerzenschein in einem Iglu.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 3 Jahre.

Näslung, Görel, Kristina; Digman, Kristina: So ist der Winter, Bohem Verlag, 2015, € 12,95.