Wie ist es, wenn man arm ist? Alles über Armut und Hunger

In einer Welt, die durch Globalisierung und Social Media immer enger zusammenrückt, erscheint es zunehmend wichtiger, Fragen nach Ursachen und Zusammenhängen zu stellen. Gerade für Kinder, die über verschiedenste Kanäle Informationshäppchen aufschnappen,  ist es sinnvoll ein sperriges Thema wie Armut und Hunger im Bilderbuchformat ruhig und sachlich aufbereitet anzubieten.

In dreizehn Kapiteln, die jeweils aus einer illustrierten Doppelseite und einem kurzen, gut verständlichen Text bestehen, werden die wichtigsten Aspekte zum Thema dargestellt. Die Farbwahl der Bilder besteht überwiegend aus dezenten, ruhig wirkenden Naturtönen. Aufgrund der grafischen Umsetzung gewinnen die Szenen von Krieg, Naturkatastrophen, Obdachlosigkeit etc. an Intensität ohne ins plakative abzugleiten. In der gestalterischen Zurückgenommenheit bieten die Bilder den Betrachtenden die Möglichkeit die „Leerstellen“ im Nachdenken über Text und Bild zu füllen. Das Bilderbuch lädt an dieser Stelle geradezu zum Verweilen ein. Wichtige Impulse zum Nachdenken hält auch der Text bereit. Der erste Satz im ersten Kapitel wirkt zunächst sehr unscheinbar. Aber die Formulierung „Die meisten Menschen hierzulande haben genug Geld, um sich das Nötigste zu kaufen.“, kann als eine Einladung, um miteinander ins Gespräch zu kommen aufgefasst werden, denn Armut gibt es auch bei uns vor der Haustür. Ausgehend von einer breit angelegten Basis verschiedener Gründe und Ursachen für Hunger und Armut wird zum Ende des Buches der Bogen zum eigenen Handeln gespannt. Von über das Thema reden bis hin zum Spendensammeln werden verschiedene Möglichkeiten aufgezeigt, wie auch Kinder aktiv werden können. Darüber hinaus werden auch zahlreiche Informationsquellen genannt, die zur Vertiefung genutzt werden können. Abschließend werden die wichtigsten Wörter in einem kurzen Glossar nochmals zusammengefasst und erläutert.

Buchtipp von Minea Süss

Ab sechs Jahren.

Spilsbury, Louise: Wie ist es, wenn man arm ist? Alles über Armut und Hunger, Gabriel Verlag, 2018, €10,00.

Unser Weg so weit …

Vorletztes Wochenende war es wieder so weit. Hoch oben in der Luft tönte das typische Geschrei der  Kraniche. Im Gegensatz zu den letzten Jahren, war mir diesmal aber nur eine kleine Gruppe vergönnt, die sich in Pfeilformation über die Stadt hinweg bewegte. Faszinierend ist es dennoch. Jedes Jahr im Frühling und Herbst sammeln sich die Zugvögel, um gemeinsam hier anzukommen oder in den warmen Süden zu fliegen. Der einzige Kompass ist das innere Navigationssystem und das genetische Erbe der Vorfahren. Gemessen an der Größe der Tiere ist es kaum vorstellbar, dass sie tausende von Kilometern fliegend zurücklegen.

Laura Knowles und Chris Madden spüren dem Phänomen der Tierwanderungen auf kindgerechte Art nach und lassen auch Erwachsene fasziniert in dieses besondere Phänomen eintauchen. Das Anschauen der angenehm reduzierten Illustrationen bereitet ebenso ein Vergnügen, wie die kurzen, klar formulierten Texte. Letztere sind jeweils aus der Sicht der Tiere geschrieben und wirken ausgesprochen lebendig. Eine gewisse Dynamik entsteht auch durch die z. T. in leichten Bögen angeordneten Sätze. Ehe man sich versieht, ist man mit Lederschildkröte und Co auf einer Weltreise und kommt mit einem Sack voller neuer Erkenntnisse zurück. Oder hätten Sie gewusst, dass Rubinkehlkolibris pro Jahr ca. 12000 Kilometer fliegen? Und Monarchfalter in ihrem Winterquartier in riesigen Schwärmen von den Bäumen hängen und bis zum Frühling durchschlafen? Rentiere ihren Weg von Norden nach Süden in Kurven laufen? Dies sind nur einige wenige spannende und kuriose Fakten, die in dem kurzweiligen Sachbilderbuch zu finden sind.

Buchtipp von Minea Süss

Ab vier Jahre.

Knowles, Laura; Madden, Chris: Unser Weg so weit … Kleine Geschichten von großen Tierreisen, arsedition, 2018, € 16,00.

Ein Konzert im Park

Musik ist etwas wundervolles insbesondere dann, wenn man sie selber macht. Frohen Mutes verlässt der kleine Junge genau in dieser Absicht nachmittags das Haus und geht mit der festen Absicht in den Park seine Mundharmonika genau dort zu spielen. Erstaunt stellt er fest, dass da schon jemand musiziert. Dieser Jemand ist ein Hase, der an einem großen  Flügel sitzt und eine Melodie in den Park hinaus schickt. Aus zwei einzelnen und vielleicht auch einsamen Musikanten werden im Handumdrehen zwei, die sich zusammen tun. Das Klavierspiel des Häschens und die summenden, brummenden Töne der Mundharmonika erfüllen den Park und locken nach und nach immer mehr Tiere an, die mit ihren Instrumenten kommen und fragen, ob sie mitspielen dürfen. Geige, Tambourin, Gitarre, Bass und die wunderbare Stimme eines Vogels vereinigen sich schließlich zu einem Orchester. Genauso unbeabsichtigt, wie sich das Orchester gefunden hat, entsteht aus dem Zusammenspiel ein Konzert, an dem sich zahlreiche Tiere des Parks erfreuen und sich als Zuschauer dazu gesellen. Die klingenden Wörter, mit denen jedes einzelne Instrument für die Lesenden zum Leben erwacht, laden nicht nur zum gemeinsamen rhythmischen Sprechen ein, sondern auch zum Klatschen, Klopfen und Stampfen. Durch das laute Vorlesen und Intonieren werden die Lesenden selber zu Musikanten. Das Konzert im Park findet gleichzeitig auch da statt, wo gelesen wird. Das Bilderbuch ist ein zauberhafter Appell an die Kraft der Phantasie, die Naturgeräusche im Park als Melodie wahrzunehmen und einzelnen Instrumenten zuzuordnen.

Buchtipp von Minea Süss

Ab drei Jahren.

Yamada, Kazuaki: Ein Konzert im Park, minedition, 2018, €15,00.

Der Wal nimmt ein Bad

Egal ob es draußen kalt oder warm ist, ein Wannenbad ist eine feine Sache, wenn man seine Ruhe haben möchte. Bei frösteligen Außentemperaturen wärmt es einen richtig schön auf und an heißen Sommertagen ist es eine willkommene Alternative zum nicht vorhandenen Planschbecken. Die kühlen Fluten sind erfrischend  und heben die Stimmung.

Kein Wunder, dass der Wal vollkommen eins mit sich und der Welt bzw. Badewanne die angenehme Ruhe des häuslichen Wellnessbereich genießt. Bis – ja, bis die Tür aufgeht und die Schildkröte mit Leidensmiene das Badezimmer betritt und ebenfalls in die Wanne möchte. Kann man einer Schildkröte mit Rückenschmerzen ein Wannenbad verwehren? Nein, kann man natürlich nicht. Ebensowenig wie man dem frierenden Bieber, dem schmutzigen Flamingo und all den anderen das schwippende, blubbsende, fluppschende, klitschen und klatschende Wasser vorenthalten kann. Anders als ein Swimmingpool ist eine Badewanne allerdings räumlich sehr begrenzt. Gefüllt mit sechs Badewilligen inklusive Schiff, wird aus dem Entspannungsbad schnell eine drangvolle Enge und die Freunde entpuppen sich als etwas anstrengend. Eine Lösung muss her und zwar schnell. Wie in den Weiten des Ozeans geht der Wal einfach auf Tauchstation, um unversehens im nächsten Moment wieder aufzutauchen und die Mitbadenden mit Schwung nach draußen zu befördern. Wer jetzt an Geschrei und Gezeter denkt, der irrt. Das Badewasser füllt nun den Raum, der genug Platz für Bieber, Flamingo und all die anderen bietet und der Wal rekelt sich genüsslich in der Badewanne und lässt Wasser nachlaufen.

Buchtipp von Minea Süss

Ab zwei Jahre.

Straßer, Susanne: Der Wal nimmt ein Bad, Peter Hammer Verlag, 2018, € 14,90.

Mein Weg mit Vanessa

Zu einem Wohnortwechsel gehört unweigerlich auch der Kita- bzw. Schulwechsel. Da ich bereits zwölf Jahre alt war, ist mir der umzugsbedingte Schulwechsel lebhaft in Erinnerung geblieben. Anders als Vanessa, die an ihrem ersten Tag an der neuen Schule eine unschöne Erfahrung auf dem Heimweg macht und während des Unterrichts auch auf sich allein gestellt ist,  habe ich den ersten Schultag mit all den neugierigen Blicken und interessierten Fragen durchaus positiv in Erinnerung. Ebenso gegenwärtig ist aber auch immer noch die Sorge, dass man als Fremdkörper in der bestehenden Gemeinschaft keinen Anschluss findet.

In dem textlosen Bilderbuch werden Vanessas Erfahrungen in gut lesbaren Illustrationen mit ausreichend Raum für eigene Gedanken dargestellt. Wie bei einer Kamerafahrt, werden die Bilder mit jeder Seite an den Lesenden herangezoomt, um dann wieder etwas weiter auf Distanz zu gehen. Als Vanessa der Klasse vorgestellt wird, ist die Szene relativ weit weg. Ebenso die alleine auf der Tribüne in der Turnhalle sitzende Vanessa erscheint in die Ferne gerückt, was sie umso einsamer wirken lässt. Nach der letzten Stunde ist sie auf einer Doppelseite vorne rechts groß im Bild und scheint aus dem Buch heraus zu laufen. Hinter ihr verabschieden sich die Kinder voneinander oder gehen in Gruppen gemeinsam nach Hause. Der Junge, der das völlig erschrockene Mädchen auf dem Nachhauseweg unvermittelt anschreit und beschimpft, fällt bei genauem Hinsehen auf der vorangegangenen Doppelseite auf. Sein Gesichtsausdruck ist hochnäsig und verschlossen. Genau hierfür ist das Buch ein Plädoyer. Für genaues Hinsehen, für  Aufmerksamkeit für die Menschen, die uns umgeben und für den Mut, zu helfen, wenn Hilfe notwendig ist.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 5 Jahre.

Kerascoët: Mein Weg mit Vanessa, Aladin, 2018, € 14,95.

 

Oh Schreck, oh Schreck, der Strom ist weg!

Das Betätigen des Lichtschalters oder der Klospülung ist Ihnen sicherlich genauso wie mir in Fleisch und Blut übergegangen. Das Anstellen von Herd und Radio verlangt auch keine großen Überlegungen. Das Öffnen der Kühlschranktür erfolgt ebenso automatisch. Unzählige Male pro Tag benutzen wir diese und viele weitere Geräte, die mit Strom betrieben werden. Solange alles funktioniert sprich der Strom fließt, ist das eine wunderbare Sache, die unser Leben an vielen Stellen einfacher und bequemer macht. Wie abhängig wir aber auch von dem Funktionieren all der Gerätschaften bzw. von der Elektrizität sind, wird mir immer dann bewusst, wenn im Laden das EC-Gerät streikt.

Maxi und ihre Familie machen an einem ganz normalen Morgen mitten in der Woche auch diese Erfahrung. Plötzlich funktioniert nichts mehr. Der Strom ist ausgefallen und damit auch die Möglichkeit sich die Haare zu föhnen, zu telefonieren, mit dem Stabmixer den Gemüsebrei zu pürieren, die Lampe anzumachen, Staub zu saugen, Wäsche zu waschen und mit der elektrischen Zahnbürste die Zähne zu putzen. Natürlich ist die Liste allein der Dinge, die im Haushalt ausfallen noch viel länger. Im Bild sind alle elektrischen Gegenstände nur noch als weißer Schatten zu erkennen. Wie bei einem Suchbild kann man nun gemeinsam raten, was sich hinter dem Umriss verbirgt. Es liegt nahe, dabei auch den eigenen Haushalt ins Visier zu nehmen und sich spielerisch klar zu machen, was bei einem Stromausfall nicht mehr funktionstüchtig ist.

Mindestens ebenso interessant ist es sich anzuschauen, was vor der Haustür ohne Strom passiert. Maxi und ihre Geschwister können da eine Menge erzählen. Ein Vormittag ohne Strom ist nicht nur aufregend, sondern bleibt auch nicht ohne Folgen.

Buchtipp von Minea Süss

Westphal, Catharina; Langen, Annette: Oh Schreck, oh Schreck, der Strom ist weg!, Ravensburger, 2018, € 13,00.

Zum Geburtstag viel Glück

Als vor einigen Jahren Soundbücher in das Programm bekannter Verlage Einzug hielten, rümpfte ich verhalten die Nase und lüpfte die Augenbrauen. Kaum waren die als vollkommen neu, innovativ und pädagogisch wertvoll angepriesenen Pappbücher für Kleinkinder ab zwei Jahren eingetroffen, kamen auch schon die ersten Reklamationen. Entweder stellte das Soundmodul nach kurzer Zeit den Dienst ein oder es hörte gar nicht mehr auf. Ein stetiges Grunzen, Quaken oder Zwitschern war die Folge.  Das war natürlich Wasser auf die Mühlen der Vorbehalte und die Frage, muss ein Buch Geräusche machen, die man im Zweifelsfall auch selbst produzieren kann.

In meinem Fall wirkte letztlich die Begeisterung der Kunden, bzw. der Zielgruppe ansteckend. Die Beobachtung bei Nichten und Neffe, dass die Geräusche hingebungsvoll und lautstark nachgemacht werden und keinesfalls zu einem verstummen oder reinem konsumieren selbiger führen, beruhigte schließlich das pädagogische Tanten- und Buchhändlergewissen. Zudem ist die Tonqualität mittlerweile bestechend gut und die Zeit der Kinderkrankheiten ist auch überstanden. Und ja, es macht tatsächlich Freude, auf die Punkte zu drücken, auch wenn man weiß, was unmittelbar darauf erklingt. Mein aktueller Favorit ist das Geburtstagsbuch von Nicola Slater. Bär, Dachs, Fuchs und Katze wandern mit ihren Instrumenten durch die Lande. Natürlich musizieren sie dabei. Viele Noten schwirren durch die Luft. Aber eine Note ist anders. Sie ist nicht schwarz, sondern besteht aus einem feinen Drahtgitter. Es reicht ein leichter Druck und schon ertönen das Instrument und der Anfang bzw. die Fortsetzung des Liedes „Zum Geburtstag viel Glück“. Angekommen in der Stadt erklärt sich auch das Ziel. Otter Oskar hat zu seinem Geburtstag eingeladen. Ihm zu Ehren stimmen nun alle das Lied an. Ist das Geburtstagsständchen schon eindrucksvoll und mitreißend, gerät man über die leuchtende Kerze auf der Geburtstagstorte vollends in Verzückung.

(Das Soundmodul lässt sich an- und ausschalten.)

Buchtipp von Minea Süss

Ab zwei Jahre.

Slater, Nicola: Zum Geburtstag viel Glück!, Loewe, 2018, € 14,95.

Der Prinz muss mal Pipi

Wer mit Kindern das Haus verlassen möchte, tut gut daran vorher nochmal an einen Besuch der Örtlichkeit zu erinnern, bevor der gefürchtete Satz „Ich muss mal.“ an das Ohr eines Erziehungsberechtigten dringt und die hektische Suche nach einer Toilette beginnt. Besonders gemein ist dies, wenn die Frage mit einem „Ich muss aber nicht.“ beantwortet wird, nur um gefühlte fünf Minuten später sehr nachdrücklich darauf hinzuweisen, dass man jetzt aber sehr dringend ein Bedürfnis habe.

Genau dies passiert Prinz Tommi. Gemütlich liegt er auf seiner königlichen Liege am Strand und schlürft Limonade – schließlich befindet er sich im Urlaub – als plötzlich sein Pferd Herr Springer eine akute Gefahrenlage für Schloss Krümelfels meldet. Da man das Schloss unmöglich dem Drachen überlassen kann, muss Prinz Tommi natürlich zur ruhmreichen Tat schreiten. Der Weg dahin ist allerdings lang und unangenehm. Letzteres liegt in erster Linie daran, dass der Prinz dringend zur Toilette muss. Die bereitwillig eingelegten Zwischenstopps von Herrn Springer sind da leider wenig hilfreich, denn immer kommt etwas dazwischen. Die Not wird groß und größer, aber entweder hinter dem wunderbar alle Blicke abhaltenden Felsen kommt ein Riese hervorgesprungen oder eine liebreizende Prinzessin schaut aus dem Turm ganz zu schweigen vom bösen Wolf, dem gestiefelten Kater und den sieben Zwergen, die bereits vor einer der rar gesäten öffentlichen Toiletten Schlange stehen und den armen Prinz nicht vorlassen. Bis Prinz Tommi erleichtert aufatmen kann, sind noch eine Reihe Hindernisse zu überwinden und das größte und gefährlichste lauert am Ende.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 4 Jahre.

Gormley, Greg: Der Prinz muss mal Pipi, Geh lieber nochmal, bevor du gehst …, Lappan, 2017, € 12,99.

Ada Lovelace und der erste Computer

Wer denkt, Mathematik, Kunst und Kreativität schließen sich aus, der irrt. Allein die Umsetzung und Gestaltung dieses faszinierenden biografischen Sachbilderbuchs verdeutlicht auf das Schönste, dass die Welt der Zahl keineswegs losgelöst ist von den schönen Künsten.

Fiona Robinson hat ihre filigranen Aquarelle ausgeschnitten, wieder zusammen gesetzt und sie in verschiedenen Tiefen aufgeklebt. Herausgekommen sind plastisch wirkende Collagen, die die außergewöhnliche  Lebensgeschichte einer Frau erzählen, die in ihrem kurzen Leben erstaunliches vollbracht hat und ihrer Zeit weit voraus war.

Ada, Tochter des berühmten Lord Byron erbt – zum Leidwesen ihrer Mutter – die überbordende Phantasie ihres Vaters. Obwohl Ada ohne ihren Vater aufwächst, ist dieser in ihren außergewöhnlichen Ideen allgegenwärtig. Dagegen hilft selbst der reglementierte, zum größten Teil aus Unterricht bestehende Tagesablauf, den ihre Mutter ihr verordnet, nicht. Im Glauben eine streng naturwissenschaftlich ausgerichtete Bildung unterdrücke die kreativen Auswüchse ihrer Tochter, wächst das Kind in einem engen Korsett aus Unterricht auf. Adas Gedankenwelt bevölkern derweil mechanische Pferde, die sich auf großen Schwingen in die Lüfte erheben können. Die Ideen Adas hängen eng mit der industriellen Revolution zusammen, die den Alltag der Menschen im 19. Jahrhundert vollkommen auf den Kopf stellt.

Aber erst die Bekanntschaft mit dem Erfinder einer Rechenmaschine, Charles Babbage, führt zu Adas Lebensleistung, die unseren Alltag heute maßgeblich bestimmt. Ada, die verheiratet Lovelace mit Nachnamen heißt, schreibt das erste Computerprogramm der Welt. Leider kam es nie zur Anwendung, aber die Weitsicht und auch die Erkenntnis, dass Computer nicht nur Zahlen, sondern z. B. auch Bilder produzieren können, hat den Grundstein der heutigen Technik gelegt.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 6 Jahre.

Robinson, Fiona: Ada Lovelace und der erste Computer, Knesebeck, 2017, € 12,95.

Wilma Wackelzahn

Wilma hat ein Problem, ein großes Problem. Das Problem ist so groß, dass sie sich fast gar nicht mehr traut das Haus zu verlassen. Alle Kinder haben einen Wackelzahn und sind Mitglied im Wackelzahnclub. Nur bei Wilma wackelt nix. Alle Zähne sitzen eng beieinander im Mund und machen nicht die geringsten Anstalten sich auch nur einen Hauch nach links oder rechts, nach vorne oder hinten zu bewegen.

Ein kleines Bisschen habe ich damals auch darauf gewartet das erste Anzeichen eines sich langsam lösenden Zahns im Mund zu spüren. Wenn der erste anfängt sich zu bewegen, ist das schließlich auch der Beginn einer ganz neuen Zeit. Erst mit einem Wackelzahn ist man ein richtiges Schulkind. Wilma selber denkt allerdings gar nicht so weit. Für sie zählt nur endlich einen Wackelzahn zu haben. Denn nur mit Wackelzahn kann sie Mitglied im Wackelzahnclub werden. Verständlicher Weise ist es da kaum auszuhalten, dass Leo Strunz, Gründer und Vereinsvorstand des Wackelzahnclubs direkt drei Wackelzähne zu bieten hat.

Pfiffig und ideenreich wie Wilma ist, geht sie das Problem mit dem ihr eigenen Tatendrang an. Sie kocht und isst Wackelpudding in allen möglichen, Farben und Varianten, sie sitzt lange, sehr lange, auf einem Wackelkrokodil und schlussendlich kreiert sie den Wackelzahnzaubertanz. Keiner hat mehr Ausdauer als Wilma. An einem Sonntag ist es dann soweit. Beim Zähneputzen bewegt sich etwas …

Der erfrischende Humor und die unkonventionelle Art der Geschichte erzählen ohne den pädagogischen Zeigefinger von großen und kleinen Kindernöten.

Buchtipp von Minea Süss

Ab Wackelzahnalter.

Tielmann, Christian: Wilma Wackelzahn, Carlen, 2017, € 14,99.