Wilma Wackelzahn

Wilma hat ein Problem, ein großes Problem. Das Problem ist so groß, dass sie sich fast gar nicht mehr traut das Haus zu verlassen. Alle Kinder haben einen Wackelzahn und sind Mitglied im Wackelzahnclub. Nur bei Wilma wackelt nix. Alle Zähne sitzen eng beieinander im Mund und machen nicht die geringsten Anstalten sich auch nur einen Hauch nach links oder rechts, nach vorne oder hinten zu bewegen.

Ein kleines Bisschen habe ich damals auch darauf gewartet das erste Anzeichen eines sich langsam lösenden Zahns im Mund zu spüren. Wenn der erste anfängt sich zu bewegen, ist das schließlich auch der Beginn einer ganz neuen Zeit. Erst mit einem Wackelzahn ist man ein richtiges Schulkind. Wilma selber denkt allerdings gar nicht so weit. Für sie zählt nur endlich einen Wackelzahn zu haben. Denn nur mit Wackelzahn kann sie Mitglied im Wackelzahnclub werden. Verständlicher Weise ist es da kaum auszuhalten, dass Leo Strunz, Gründer und Vereinsvorstand des Wackelzahnclubs direkt drei Wackelzähne zu bieten hat.

Pfiffig und ideenreich wie Wilma ist, geht sie das Problem mit dem ihr eigenen Tatendrang an. Sie kocht und isst Wackelpudding in allen möglichen, Farben und Varianten, sie sitzt lange, sehr lange, auf einem Wackelkrokodil und schlussendlich kreiert sie den Wackelzahnzaubertanz. Keiner hat mehr Ausdauer als Wilma. An einem Sonntag ist es dann soweit. Beim Zähneputzen bewegt sich etwas …

Der erfrischende Humor und die unkonventionelle Art der Geschichte erzählen ohne den pädagogischen Zeigefinger von großen und kleinen Kindernöten.

Buchtipp von Minea Süss

Ab Wackelzahnalter.

Tielmann, Christian: Wilma Wackelzahn, Carlen, 2017, € 14,99.

Friedemann

Vier ältere Schwestern zu haben ist schon Schicksal genug, aber dann auch  noch eine Abneigung gegen Anziehsachen jeglicher Art zu entwickeln, ist einfach gemein. Mein persönlicher Widerwille gegen eine quietschgelbe Strumpfhose und einen selbstgestrickten  geringelten Pullover im besten Kindergartenalter ist mir noch sehr lebhaft in Erinnerung. Beides empfand ich, wie Friedemann, als absolut unangenehm auf der Haut. Die Farbe des wärmenden Beinkleids sticht mir zudem heute noch in den Augen. Meiner Begeisterung für Kleidung jeglicher Art hat dies allerdings keinen Abbruch getan.

Der fünfjährige Friedemann hingegen braucht zwischendurch eine Auszeit von Pullover, Jacken, Unterhemden und was der Kleiderschrank sonst noch zu bieten hat. Einzig seine Turnschuhe zieht er gerne an und auch nicht wieder aus. Sabine Büchner und Simone Hennig erzählen die witzig-skurile Geschichte in Wort und Bild mit viel Augenzwinkern und Verständnis für die Nöte des Jungen. Einen wahren  Verbündeten findet der nämlich in seinem Opa Kurt. Bei genauem Hinsehen wird schnell klar, dass Opa Kurt auch einen sehr eigenen Standpunkt zum Thema Mode und Bekleidung vertritt. Nach dem Motto schön ist, was gefällt, wird die Hose falsch herum getragen, zieren unterschiedliche Schuhe und Socken die Füße und das Hemd hat auch eine ausgesprochen interessante Knöpfung. Vielleicht liegt diese bunte Mischung aber auch an dem Fehlen von Opas Brille. Wer genau hinschaut, kann das gute Stück auf verschiedenen Seiten entdecken. Hinschauen ist überhaupt ein Stichwort, dem nachzugehen sich unbedingt lohnt. Alleine die Bilder erzählen eine Geschichte, bei der man wie ein Detektiv Dinge entdecken kann, die sich am Ende zu einer Einheit zusammenfügen. Denn, soviel darf hier verraten werden – Friedemann hat am Ende etwas gefunden, das „so weich wie eine Umarmung“ ist.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 4 Jahren.

Büchner, Sabine; Hennig, Simone: Friedemann, Ravensburger, 2017, € 13,00.

 

 

Weck bloß Tiger nicht auf!

Das illustriertes Papier mit ein bisschen Text zwischen zwei Buchdeckeln ohne elektronischen Schnickschnack so intensiv   interaktiv sein kann, dass man als lesende und betrachtende Person das Gefühl hat, die Seiten erwachen zum Leben, ist spätestens seit dem Erscheinen des Mitmacht Buchs von Hervé Tullet bei lesebegeisterten großen und kleinen Buchguckern bekannt. Um weitere gelungene Beispiele für ein aktives Miteinander zwischen Buch und Lesenden zu nennen, reichen die Finger an einer Hand kaum noch aus. Um so erfreulicher ist es, wenn der bestehende Buchreigen durch eine weitere ausgesprochen gelungene Neuerscheinung bereichert wird.

Britta Teckentrup lässt uns die Bekanntschaft mit dem schlafenden Tiger machen. Gut sichtbar liegt er da in seiner ganzen Pracht und schläft tief und fest. Von links schauen Storch, Fuchs, Maus, Frosch und Schildkröte betreten ins Bild. Der Blick – wie sollte es anders sein – ist auf den schlafenden Tiger gerichtet. Das Problem liegt auf der Hand. Tiger liegt im Weg. Genau da, wo der gestreifte Kerl sein Schläfchen hält, müssen die anderen Tiere vorbei, ohne den Schlafenden dabei aufzuwecken. Diese schwierige und anspruchsvolle Aufgabe kann natürlich nur mit Hilfe der Lesenden gemeistert werden. Die müssen ganz schön mutig sein, ich für meinen Teil habe ganz schön geschwitzt, als ich die Nase des Tigers gestreichelt habe. Kaum war diese Hürde genommen, musste ich dem Fuchs helfen, auf einem Luftballon über Tiger hinweg zu fliegen. Um den stattlichen Fuchs über den Tiger zu befördern, braucht man ganz schön Lungenvolumen. Der Ganzkörpereinsatz lohnt aber auf jeden Fall. Am Ende der Strapazen wartet nämlich eine tolle Überraschung.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 3 Jahre.

Teckentrup, Britta: Weck bloß Tiger nicht auf!, annette betz, 2017, € 14,95.

Das wundersame Leben der Schmetterlinge

Schon vor etlichen Wochen, als es eigentlich noch zu früh im Jahr war, flog zu meinem Erstaunen ein Schmetterling an mir vorbei. Es blieb nicht der Einzige und auch heute zog ein – zwar sehr kleines, dafür aber umso leuchtenderes Exemplar – trotz der winterlich anmutenden Temperaturen, meine Blicke auf sich. Offenbar sind diese filigran und zerbrechlich wirkenden Wesen stärker als sie aussehen und halten wahrscheinlich bei etwas intensiverer Beschäftigung die eine oder andere Überraschung bereit. Mehr enttäuscht als erstaunt war ich z. B. vor drei Jahren, als sich die leuchtend orange, daumendicke und acht Zentimeter große Raupe, die sich zudem noch wild aufbäumte (ja, sie hat sich wirklich aufgebäumt) als  zukünftiger Weidenbohrer herausstellte. Im Gegensatz zu der Raupe ist der Falter klein und mit seiner steingrauen Farbe auch nicht wirklich auffällig. Eine wahre Augenweide sind hingegen die Raupen und Schmetterlinge, die sich in dem eindrucksvoll illustrierten Sachbilderbuch von Dianna Hutts Aston und Sylvia Long zwischen den Seiten verstecken. Schlägt man das Buch auf, taucht man schon auf der ersten Doppelseite in die faszinierende Farb- und Formenvielfalt dieser in den unterschiedlichen Entwicklungsstadien so vollkommen anders aussehenden Lebewesen ein. Auf den Folgeseiten erfahren Lesende in kurzen, gut verständlichen Texten alles, was man über Schmetterlinge, ihre Entwicklung, Verbreitung, Größe, Fähigkeiten und Eigenschaften wissen möchte. Zudem erfährt man viele Dinge, die einen in großes Erstaunen versetzen.  Für mich ist es kaum vorstellbar, dass diese federleichten Tiere tausende von Kilometern in einer Flughöhe von über 3300 m bewältigen können. Wenn Sie wissen möchten, welche Art zu solchen Rekordleistungen fähig ist, dann gönnen Sie sich den Blick in dieses so andere Buch der Rekorde.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 5 Jahre.

Hutts Aston, Dianna; Long, Sylvia: Das wundersame Leben der Schmetterlinge, Loewe, 2017, € 12,95.

Regen

Die Regentropfen auf dem Cover sind so plastisch, dass ich mich dabei ertappe, wie ich immer wieder mit der Hand über das Titelbild streiche. Bei Vertreterbesuchen ist genau dieser Handlungsablauf ein lieb gewonnenes Ritual einer Kollegin. Es versteht sich von selbst, dass nur besonders schöne Bücher in den Genuss solcher Streicheleinheiten kommen.

Tatsächlich sind die Regentropfen und auch der Titel aus einem leicht erhabenen, glänzenden Material fühlbar aufgetragen. Je nachdem wie das Licht auf das Buch fällt, entsteht der Eindruck realer Tropfen auf einer Fensterscheibe. Sofort hört man das rhythmische  Geräusch prasselnden, klatschenden, trommelnden und gluckernden Regens. Fühlt die nasskalte Luft und den unbändigen Drang mit Gummistiefeln, Regenjacke und Schirm durch das nasse Vergnügen zu laufen. Sam Usher entführt uns in eine absolut positiv besetzte Welt dieses Naturphänomens und lässt uns aus der Sicht des Kindes die ungeahnten Möglichkeiten eines Regentages in großformatigen Bildern erleben. Bis das Abenteuer  beginnt, ist allerdings Geduld gefragt. Opa hat nämlich einen Brief bekommen und aufgrund der sich plötzlich einstellenden sehr gesunden Gesichtsfarbe ahnt man, dass es sich keinesfalls um eine Rechnung handelt. Das Drängen des Enkels erfolgreich ignorierend, nimmt Opa sofort die Antwort in Angriff. Kaum ist diese im Kuvert verstaut, übertrifft der alte Herr seinen Enkel mühelos an Ideen und Aktionismus. Der Gang zum Briefkasten wird zu einer Reise durch Venedigs Wasserstrassen. Bei so viel Abwechslung und guten Ideen, freut man sich auf den nächsten Regentag. Wasserdichte Schuhe, Regenjacke und einen großen Schirm habe ich schon bereit gelegt. Jetzt gucke ich zum Himmel und warte, dass die dunkler werdenden Wolken ihre Wasservorräte ins Freie lassen.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 4 Jahre.

Usher, Sam: Regen, annette betz, 2017, €14,95.

Fledereule – Eulenmaus

Neue Nachbarn kann man sich nicht aussuchen. Häufig sind sie plötzlich einfach da und nicht selten dauert es eine ganze Weile, bis man sie richtig zu Gesicht bekommt. Bei Familie Eule vollzieht sich der erste Kontakt zu den Neulingen schneller, als es der gestrengen Mutter lieb ist. Lautlos flattern Mama Fledermaus und ihre drei Sprösslinge heran, um sich just den Ast als Quartier auszusuchen, auf dem bereits die Eulen sanft schlummern. Mit der „Nachtruhe“ ist es jäh vorbei. Wenn vier Fledermäuse von unten an den Hausast von Eulens andocken, bleibt kein Auge zu. Nicht nur das Interesse sondern auch die akrobatischen Bemühungen der kleinen Eulen ist geweckt, um einen Blick auf die Unterbewohner zu werfen. Das energische Einschreiten von Mama Eule unterbindet in Windes Eile den Entdeckergeist des Nachwuchses. Man rückt näher Richtung Stamm. Ein bischen Abstand kann ja nicht schaden. Wer ein echter Entdecker sein will, lässt sich davon zum Glück nicht abhalten. Umso mehr, wenn aus dem Fledermauslager ebenfalls deutliche Signale kommen, die eine Kontaktaufnahme anstreben. Es sind jeweils die jüngsten der Familie, die sich neugierig beäugen und mutig aufeinander zugehen. Und Mut ist durchaus von Nöten, wenn man als  Eulenkind plötzlich kopfüber am Ast hängt. Das eigentliche Abenteuer beginnt aber erst mit einer Windböe, die alles durcheinander wirbelt und die Vorbehalte der Eltern buchstäblich wegbläst. Um den Nachwuchs zu retten, zieht man an einem Strang und findet zueinander. Das charmante Bilderbuch von Marie-Louise Fitzpatrick kommt ohne Text aus und erfordert beim Betrachten ein genaues Auge, dass auch die kleinen Randdetails in den Blick nimmt.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 4 Jahre.

Fitzpatrick, Marie-Louise: Fledereule – Eulenmaus, Fischer-Sauerländer, 2017, € 14,99.

 

Frag mich!

Der Gedanke an die in absehbarer Zeit beginnende Fragephase der Nichte treibt mir schon jetzt die Schweißperlen auf die Stirn. Beim Auspacken der Verlagslieferungen ertappe ich mich immer wieder dabei  Gedankenverloren in den neuesten Wissensbüchern für Vorschulkinder zu blättern, in der Hoffnung die unzähligen Informationen zu allen erdenklichen Themen finden von allein ihren Weg in mein Hirn. Das die berühmten Warum-Fragen deutlich vor dem Vorschulalter von interessierten Kindern in die Welt gerufen werden, trägt keinesfalls zu meiner Beruhigung bei. Ganz im Gegenteil, wie soll das denn funktionieren? Am besten, indem ich die erste Frage abwarte und dann schaue, was sich machen lässt.

Kaum erwarten kann ich es allerdings, selber Fragen zu stellen. Mit dem Klassiker „Frag mich“ von Antje Damm macht dies nochmal soviel Spaß. Die umfangreiche Fragesammlung, ist ein Schatzkästchen für die gesamte Familie.  Jeder Frage ist jeweils ein Bild zugeordnet, dass als zusätzlicher Ideengeber oder Gedankenanstoß für die Antwort dienen kann. Das Schneckenhaus als Ergänzung zu der Frage „Wo möchtest du einmal wohnen“, eröffnet gar ganz neue Welten. Tiere wohnen ja auch. Nur wo wohnen sie und wie? Da lohnt sich doch der Gang zum Bücherregal und der Blick ins Kinderlexikon, um sich forschend auf die Suche nach Antworten zu machen. Bei der Frage „Was hast du schon mal geerntet?, bin ich schon jetzt gespannt, ob die hoch im Kurs stehenden Erbsen und Tomaten bei Oma und Opa im Garten genannt werden. Viele von den Fragen treffen, wenn man das Buch als Erwachsener in die Hand nimmt mitten ins Herz und ermöglichen die Begegnung mit uns selbst und denen, die uns nahe stehen.

 

Buchtipp von Minea Süss

Ab 5 Jahre.

Damm, Antje: Frag mich!, Moritz Verlag, 2002, € 15,00.

 

Flohzirkus Pfiffikus

U_5883_1A_FLOHZIRKUS.IND11Bevor der Vertreter des Gerstenberg Verlags mit einem Ansichtsexemplar des „Flohzirkus Pfiffikus“ in Erscheinung trat, war ich mir nicht hundertprozentig sicher, ob es diese besondere Zirkusform tatsächlich gibt. Allein die laute Aussprache des Namens dieser kleinen, sprungfreudigen und starken Tierchen, löst  bei mir schlagartig ein merkwürdiges Kribbeln und Jucken auf der Haut aus und trotzdem  bin ich seit der Grundschule von der Idee eines Flohzirkusses fasziniert. Damals bin ich in den Genuss einer kostenlosen Ausgabe der Kinderzeitschrift „Flohkiste“ gekommen und just in dieser wurde von den artistischen Begabungen von Flöhen berichtet. Heute weiß ich nun, dass es sich um eine seriöse Berichterstattung gehandelt hat und es diese Form der „Dressur“ tatsächlich gibt. Um potentiellen Zweifeln kritischer Leser vorzubeugen, haben Hélène Rajcak und Damien Laverdunt im Anschluss an die zahlreichen Zirkusnummern ihrer 16 Flohdamen eine Doppelseite der Geschichte des Flohzirkus gewidmet. Wer seinen eigenen Zirkus ins Leben rufen möchte, erfährt in der aufschlussreichen Faktensammlung mit historischen Fotomaterial, dass man hierzu Exemplare der Gattung Pulex Irritans – Menschenflöhe, benötigt.

Zu welch außergewöhnlichen Taten die winzigen Tierchen fähig sind, können wir auf großformatigen Doppelseiten bewundern. Jede Doppelseite ist einer besonderen artistischen Attraktion gewidmet und entführt uns in die Welt der Ilusionen und Sensationen. Kinder, die das Lesen gerade für sich entdeckt haben, aber lange Texte noch zu anstrengend finden, werden an den Kommentaren der Akteure und Zuschauer ihre helle Freude haben. So wird im Handumdrehen aus Wimmelbildern ein Wimmelcomic.

 

Buchtipp von Minea Süss

Rajcak, H., Laverdunt, D. : Flohzirkus Pfiffikus, Gerstenberg, 2016, € 14,95

 

 

böse

0720_Schaerer_Boese_Cover_Z.inddDas ich beim Lesen und Betrachten eines Bilderbuchs plötzlich den Atem anhalte und mich nicht traue weiter zu lesen, geschweige denn die nächste Seite umzublättern, hätte ich mir nicht träumen lassen. Obwohl ich die Neuerscheinung von Lorenz Pauli und Kathrin Schäfer aus dem Atlantis Verlag nun schon mehrmals gelesen und angeschaut habe, stellt sich jedes Mal aufs Neue der Schreck über das Verhalten des Pferdes ein. Dabei beginnt die Geschichte eigentlich ganz harmlos. Um sich die Zeit zu vertreiben, haben sich die Bauernhoftiere Ziege, Hund, Taube, Pferd, Schweine und Katze ein Spiel ausgedacht. Nacheinander offenbaren sie den anderen eine Seite ihres Charakters, die Schabernack auf Kosten anderer treibt. Aber eigentlich sind sie ja alle brav und friedlich. Einleitend wird genau dies ausdrücklichst betont und umso größer ist der anschließende Spaß. Das allgemeine Gelächter verstummt erst in dem Moment, wo plötzlich die Maus auftaucht, um ihren Hunger mit ein paar Krümeln, die auf dem Boden liegen zu stillen. Ihr Hunger ist so groß, dass sie die anderen Tiere nicht bemerkt. Still und mit weit aufgerissenen Augen schauen nun alle auf die Katze. Doch da ist das Pferd plötzlich schneller. „Da hebt das Pferd sein rechtes Vorderbein. KLACK tritt das Pferd auf die Maus.“ Entsetzen und Sprachlosigkeit greifen um sich. Aus Spaß ist unversehens bitterer Ernst geworden. Am Ende ist es dem Weitblick und dem ausgeprägten Gerechtigkeitssinn des Pferdes zu verdanken, dass vermeintliche Boshaftigkeit tatsächlich Leben retten kann und gehörig zum Nachdenken anregt.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 4 Jahre.

Pauli, Lorenz; Schärer, Kathrin: böse, Atlantis, 2016, € 14,95.

10 kleine Burggespenster gingen auf die Reise

10_kleine_Burggespenster_Vertreter_Cover.inddWas die Munterkeit in den frühen Morgen- bzw. Abendstunden angeht, gehört man entweder zu den Lerchen oder den Eulen. Ich für meinen Teil gehöre seit frühester Kindheit zu dem Frühaufsteher-Federvieh. Für Nachtwanderungen kann und konnte ich mich allerdings immer begeistern, schließlich macht man so etwas ja nicht jeden Tag. Angesichts der sehr ausgedehnten Wanderung, die die 10 kleinen Burggespenster von Susanne Göhlich zu nachtschwarzer Stunde unternehmen, bekommt man augenblicklich Lust, mit Taschen- oder Stirnlampe ausgerüstet loszuziehen, um in nahen und fernen Abenteuerwelten zu landen. Da man den sympathischen, stets gut gelaunten Gesellen nicht alles nachmachen muss, sollte man jedoch unbedingt auf die Vollständigkeit der Gruppe achten. Denn noch bevor es richtig losgeht, sind es nur neun Gespenster, die eine Reise durch die Nacht antreten. Im Verlauf der Unternehmung werden die unterschiedlichsten Ziele angesteuert und trotz aller Vorsicht verschwindet immer ein kleines Gespenst. Die aktuelle Anzahl lässt sich bildlich anhand des am oberen Bildrand angebrachten Registers nachvollziehen. Mit jedem Umblättern verschwindet eins der leuchtend weißen Nachtwesen. Passend dazu erzählt der ergänzende Reim, was zu dem Verschwinden geführt hat. Die Gründe für die stetige Verkleinerung der Reisegruppe sind vielfältiger Natur. Sie reichen von verschlafen, über Angst haben, Erschöpfung, Verzauberung bis hin sich in einen gemütlichen Sessel zurückzuziehen oder in einer Geisterbahn arbeiten. Am Abend jedoch, wenn die Sonne sich langsam neigt und am Horizont verschwindet, sind wie von Zauberhand alle Gespenster wieder in der Burg vereint und fallen nach all den Eindrücken und Erlebnissen in rechtschaffenen Schlaf. Manchmal gibt es eben gute Gründe, warum die Geisterstunde ausfällt.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 3 Jahre.

Göhlich, Susanne: 10 kleine Burggespenster gingen auf die Reise, Orell Füssli, 2016, € 9,95.