böse

0720_Schaerer_Boese_Cover_Z.inddDas ich beim Lesen und Betrachten eines Bilderbuchs plötzlich den Atem anhalte und mich nicht traue weiter zu lesen, geschweige denn die nächste Seite umzublättern, hätte ich mir nicht träumen lassen. Obwohl ich die Neuerscheinung von Lorenz Pauli und Kathrin Schäfer aus dem Atlantis Verlag nun schon mehrmals gelesen und angeschaut habe, stellt sich jedes Mal aufs Neue der Schreck über das Verhalten des Pferdes ein. Dabei beginnt die Geschichte eigentlich ganz harmlos. Um sich die Zeit zu vertreiben, haben sich die Bauernhoftiere Ziege, Hund, Taube, Pferd, Schweine und Katze ein Spiel ausgedacht. Nacheinander offenbaren sie den anderen eine Seite ihres Charakters, die Schabernack auf Kosten anderer treibt. Aber eigentlich sind sie ja alle brav und friedlich. Einleitend wird genau dies ausdrücklichst betont und umso größer ist der anschließende Spaß. Das allgemeine Gelächter verstummt erst in dem Moment, wo plötzlich die Maus auftaucht, um ihren Hunger mit ein paar Krümeln, die auf dem Boden liegen zu stillen. Ihr Hunger ist so groß, dass sie die anderen Tiere nicht bemerkt. Still und mit weit aufgerissenen Augen schauen nun alle auf die Katze. Doch da ist das Pferd plötzlich schneller. „Da hebt das Pferd sein rechtes Vorderbein. KLACK tritt das Pferd auf die Maus.“ Entsetzen und Sprachlosigkeit greifen um sich. Aus Spaß ist unversehens bitterer Ernst geworden. Am Ende ist es dem Weitblick und dem ausgeprägten Gerechtigkeitssinn des Pferdes zu verdanken, dass vermeintliche Boshaftigkeit tatsächlich Leben retten kann und gehörig zum Nachdenken anregt.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 4 Jahre.

Pauli, Lorenz; Schärer, Kathrin: böse, Atlantis, 2016, € 14,95.

10 kleine Burggespenster gingen auf die Reise

10_kleine_Burggespenster_Vertreter_Cover.inddWas die Munterkeit in den frühen Morgen- bzw. Abendstunden angeht, gehört man entweder zu den Lerchen oder den Eulen. Ich für meinen Teil gehöre seit frühester Kindheit zu dem Frühaufsteher-Federvieh. Für Nachtwanderungen kann und konnte ich mich allerdings immer begeistern, schließlich macht man so etwas ja nicht jeden Tag. Angesichts der sehr ausgedehnten Wanderung, die die 10 kleinen Burggespenster von Susanne Göhlich zu nachtschwarzer Stunde unternehmen, bekommt man augenblicklich Lust, mit Taschen- oder Stirnlampe ausgerüstet loszuziehen, um in nahen und fernen Abenteuerwelten zu landen. Da man den sympathischen, stets gut gelaunten Gesellen nicht alles nachmachen muss, sollte man jedoch unbedingt auf die Vollständigkeit der Gruppe achten. Denn noch bevor es richtig losgeht, sind es nur neun Gespenster, die eine Reise durch die Nacht antreten. Im Verlauf der Unternehmung werden die unterschiedlichsten Ziele angesteuert und trotz aller Vorsicht verschwindet immer ein kleines Gespenst. Die aktuelle Anzahl lässt sich bildlich anhand des am oberen Bildrand angebrachten Registers nachvollziehen. Mit jedem Umblättern verschwindet eins der leuchtend weißen Nachtwesen. Passend dazu erzählt der ergänzende Reim, was zu dem Verschwinden geführt hat. Die Gründe für die stetige Verkleinerung der Reisegruppe sind vielfältiger Natur. Sie reichen von verschlafen, über Angst haben, Erschöpfung, Verzauberung bis hin sich in einen gemütlichen Sessel zurückzuziehen oder in einer Geisterbahn arbeiten. Am Abend jedoch, wenn die Sonne sich langsam neigt und am Horizont verschwindet, sind wie von Zauberhand alle Gespenster wieder in der Burg vereint und fallen nach all den Eindrücken und Erlebnissen in rechtschaffenen Schlaf. Manchmal gibt es eben gute Gründe, warum die Geisterstunde ausfällt.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 3 Jahre.

Göhlich, Susanne: 10 kleine Burggespenster gingen auf die Reise, Orell Füssli, 2016, € 9,95.

Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland

9783219115468-300x262So manches Mal fiel mein Blick in den letzten Jahren auf den alten Birnenbaum, der den Weg zum Supermarkt verschönt. Dieses Jahr schmückt sich der Baum in überbordender Fülle mit großen, prallen Früchten. Letzte Woche drang dann unversehens ein zartes Stimmchen an mein Ohr. Ob ich Birnen kaufen wolle, fragte der junge Geschäftsmann im besten Grundschulalter und bot auch gleich  eine Kostprobe der frisch geernteten  Früchte feil. Schnell wurden wir uns handelseinig und ich trat mit vier Birnen den Heimweg an. Es dauerte nicht lange und einzelne Verse von Theodor Fontanes berühmtem Herbstgedicht „Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland“ schwirrten mir im Kopf herum. Ein guter Grund, um die bibliophil gestaltete Ausgabe mit Leinenrücken, illustriert von Bernd Streiter in die Hand zu nehmen und in den unvergleichlichen Bildern aus einer fernen Zeit zu versinken und den klangvollen Text neu zu entdecken. Die ländliche Idylle ist von zerbrechlicher Natur und nur solange von Dauer, wie der alte Herr von Ribbeck die Fäden in der Hand hält. Den eindrucksvoll zum Ausdruck gebrachten Generationenkonflikt habe ich erst jetzt richtig zur Kenntnis genommen.

„Aber der alte, vorahnend schon und voll Misstrauen gegen den eigenen Sohn, der wusste genau, was damals er tat, als um eine Birn ins Grab er bat, und im dritten Jahr, aus dem stillen Haus, ein Birnbaumsprössling sprosst heraus.“

In einer Gesellschaft, die Lebensmittel im Überfluss hat, zeugt es von Weitsicht und einer gehörigen Portion Pragmatismus, wenn man als Familie beschließt, die reiche Ernte, die man nicht verwerten kann gegen einen kleinen Obolus zu verkaufen. Herr von Ribbeck hätte hieran bestimmt Gefallen gefunden.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 6 Jahre.

Fontane, Theodor: Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland, Annette Betz, 2012, €14,95.

Neu in der Familie: Chamäleon Ottilie

chamaeleon-ottilieWelche Eltern fürchten ihn nicht, den beharrlich vorgetragenen Wunsch nach einem Haustier? Zum Vierzigsten überreichten mir meine Eltern Anfang des Jahres ein Erinnerungsalbum, dem der gemalte Wunschzettel aus dem Jahre 1982 beilag. Bestellt hatte ich einen Cockerspaniel, bekommen einen wunderschönen Boxer-Schäferhundmix namens Wum. Nach langem Reden, Bitten und Betteln war die illustriert vorgetragene Version des Wunsches der letzte Versuch, angesprochen waren in dem Fall auch nicht meine Eltern, sondern das Christkind. Wenn diese Instanz es nicht richten konnte, wer dann? Paul und Anna Sausebier sind in ihrem Wunsch nach einem vierbeinigen Familienmitglied nicht ganz so festgelegt. Das Repertoire reicht von Schlange, Elefant über Dackel, Katze und Pferd. Begeisterungsstürme löst weder das eine noch das andere bei den Erziehungsberechtigten aus. Ausgesprochen witzig ist die bildliche Darstellung dieser Szene. Die Vorschläge der Kinder sind – ebenso wie die Gegenargumente der Eltern – in Sprechblasen mit einem pointierten Piktogramm dargestellt. Was jedoch keiner weiß, der Haushalt Sausebier beherbergt längst ein Tier. Unbemerkt, weil gut getarnt und mit der Umgebung förmlich verschmelzend hat sich das kleine und possierliche Chamäleon Ottilie bei der Familie niedergelassen. Die quirligen Bilder von Barbara Scholz werden von den nicht minder fidelen Reimen von Andrea Schomburg begleitet. Besonders charmant ist der lokale Bezug zu unserer schönen Heimatstadt. Wer diesen und die vielen, im Bild versteckten Ottilies entdecken will, ist herzlich eingeladen, die Geschwister Paul und Anna in ihrem abwechslungsreichen und unterhaltsamen Bemühen ein Haustier zu bekommen, zu begleiten.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 4 Jahre.

Schomburg, Andrea; Scholz, Barbara: Neu in der Familie: Chamäleon Ottilie, Fischer/Sauerländer, 2016, € 14,99.

 

Warten auf Goliath

jpgSchon der erste Satz macht deutlich, dass der Bär, obwohl er an einer Bushaltestelle sitzt, nicht auf den Bus wartet. „Seit dem frühen Morgen sitzt Bär da und wartet.“ Und in der Tat im Verlauf der Geschichte fährt lediglich ein Bus vorbei und zu diesem Zeitpunkt sind die Rotkehlchen im Baum neben der Haltestelle bereits Richtung Süden aufgebrochen und der Baum selber trägt sein Herbstkleid. Zugegeben, auch mir kam das nach Süden reisende Rotkehlchen etwas komisch vor, doch dank einschlägiger Nachschlagewerke weiß nun auch ich, dass die Rotkehlchen in Nord- und Osteuropa den Winter im Mittelmeerraum verbringen. Ein Umzug in wärmere Gefilde kommt für den Bär jedoch nicht in Frage. Zum einen würde dies bedeuten, dass er nicht mehr daran glaubt, dass sein Freund Goliath kommt und zum anderen wäre es auch gegen seine Natur. Stattdessen fällt er an Ort und Stelle in Winterschlaf. Im darauf folgenden Frühling ist es dann soweit. Der unerschütterliche Glaube an den Freund wird belohnt. Goliath kommt tatsächlich, nahezu lautlos ohne viel Aufhebens um sich zu machen, nährt er sich dem Bär, „so, wie jemand mit der Hand über ein Stück Papier streicht.“ Die liebevoll von Anja Damm mit Papierfiguren in Szene gesetzte Geschichte erinnert in ihrer künstlerischen Machart an einen Guckkasten. Ein Relikt vergangener Tage, heute allenfalls im Kunstunterricht reaktiviert. Die Ruhe und Intensität, die mit der Betrachtung eines solchen Mikrokosmos einhergeht, fügt sich hier wunderbar in die Geschichte. Zeit spielt nämlich keine Rolle. Weder gibt es einen Busfahrplan, noch Seitenzahlen. Einzig die Vorfreude auf den Freund, das Vertrauen in das Wort des Freundes und das feste Band der Freundschaft zählen. Das Voranschreiten von Zeit wird hier nicht in Zahlen, sondern in der Veränderung der Umgebung bemessen.

Buchtipp von Minea Süss

Damm, Antje: Warten auf Goliath, Moritz, 2016, € 12,95.

Bienen

U_5915_1A_BIENEN.IND75Waren im Garten meiner Eltern bisher hauptsächlich Lavendel, Sommerflieder und der Gartenhibiskus ausgesprochen beliebte Orte für das sprichwörtlich bienenfleißige Flugvolk, das so emsig von Blüte zu Blüte schwebt, um Pollen und Nektar zu sammeln, hat dieses Jahr der neu errichtete Tomatenunterstand (stellen Sie sich einen Carport ohne Auto vor), den anderen Gewächsen deutlich den Rang abgelaufen. Geschützt vor Nässe von oben und mit stetiger Luftzirkulation dank der offenen Bauweise, haben sich die Tomaten zu stattlicher Höhe und Breite mit unzähligen Blütenrispen entwickelt, die nun von ganzen Heerscharen brummender und summender Bienen besucht werden. Neben der Geräuschkulisse ist vor allem das Agieren der Tiere untereinander ausgesprochen beeindruckend. Es scheint eine Höhere Ordnung zu geben, die verhindert, dass eine Konkurrenz um die Blüten entsteht. Weitaus ruhiger, ja geradezu gemütlich geht es zu, wenn man sich diesen wendigen Flugtieren über das berückend schön gestaltete Buch von Piotr Socha nährt. Auf großformatigen Doppelseiten taucht man in die Welt der Bienen ein und erfährt schon auf der ersten Bildtafel erstaunliches. Bereits zur Zeit der Dinosaurier, also vor ca. 100 Millionen Jahren, gab es Bienen. Die heutigen Insekten kann man dann auf der folgenden Bildtafel wie unter dem Mikroskop oder einer Lupe in vielfacher Vergrößerung genau bestaunen. Einzelne Körperteile wie z. B. Facettenauge, Kopf und Stachel sind nochmals gesondert als vergrößerte Detailansicht hervorgehoben. Im weiteren Verlauf wird die gesamte Kulturgeschichte dieses für den Fortbestand des ökologischen Gleichgewichts und der Artenvielfalt so wichtigen Insekts in kurzweiligen, mit gut verständlichem Text unterlegten Bildern, erzählt. Dabei zeugt der charmante Humor in der grafischen Umsetzung von einem unverstellten Blick und Begeisterung für das Thema.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 7 Jahre.

Socha, Piotr: Bienen, Gerstenberg, 2016, € 24,95.

Mein Riesenbilderbuch – Sachen suchen – Alle meine Tiere

Riesenbilderbuch

Eine Reise durch unterschiedliche Klimazonen und der damit verbundenen Flora und Fauna lässt sich in Bonn problemlos an einem Tag realisieren. Das Museum König, der Botanische Garten oder der in der weiteren Nachbarschaft gelegene Kölner Zoo laden gerade in den Ferien dazu ein, die Sehenswürdigkeiten vor der eigenen Haustür zu entdecken. Damit man sich an Ferienruhetagen, die man Zuhause verbringt nicht langweilt, kann man mithilfe des überdimensionierten Pappbilderbuchs von Amrei Fechner zu einer Safari der besonderen Art aufbrechen. Gestartet wird im Nahbereich. Sowohl das Titelbild, als auch die erste Schautafel entführen uns auf einen Bauernhof. Hier ist die Welt noch in Ordnung. Kühe, Pferde und Schafe sind auf der Weide, der Hahn kräht auf dem Misthaufen, auf dem Dach klappert der Storch und auch die Schwalben in der Luft fehlen nicht. Um auch die kleinen Lebewesen wie Insekten oder den unterirdisch lebenden Maulwurf und die possierlichen Feldmäuse sichtbar zu machen, ist dieser Bildausschnitt perspektivisch herangezoomt.

Vom europäischen Bauernhof geht es dann geradewegs in die weite Steppen- und Savannenlandschaft des afrikanischen Kontinents. Einmal umblättern und schon stellt sich den aufmerksam Schauenden die Frage, wo sich  Graukopfliest, Gnu und all die anderen Tiere versteckt haben. Am linken Bildrand sind die jeweiligen Tiere nochmals gesondert mit Namen aufgeführt und bieten somit nicht nur einen Suchanreiz, sondern auch eine nette Hilfestellung für all jene, die das eben erwähnte Vogeltier fälschlicherweise als Eisvogel verorten.

Nach Stationen „Am Nordmeer“, „Im Urwald“, „Am Wildbach im hohen Norden“ und einem Abstecher in „Die Unterwasserwelt“ eines Korallenriffs, landen wir wieder in heimischen Gefilden. Die Aufregende und abwechslungsreiche Rundreise schließt mit einer Nachtwanderung durch den Wald ab. Langweilig? Keinesfalls. Getarnt vom fahlen Mondlicht, sind zahlreiche Tiere unterwegs und warten darauf entdeckt zu werden.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 2 Jahre.

Fechner, Amrei: Mein Riesenbilderbuch, Sachen suche, Alle meine Tiere, Ravensburger, 2016, € 19,99.

Herr Nashorn macht Urlaub

0704_Nashorn_Cover_Z.inddSpätestens seit „Gute Nacht, Gorilla“, „Das große Gähnen“, „Erdmännchen Gustav“ oder „Du schnarchst Schubert“, wissen eifrige Bilderbuchbetrachter, dass Zootiere sehr unternehmungslustig, kreativ und konsequent in ihren Äußerungen sein können. Raphaël Baud und Aurélie Neyret haben mit Herrn Nashorn eine weitere sympathische Figur geschaffen, die nicht nur in einem Zoo lebt, nein Herr Nashorn arbeitet – wie übrigens alle anderen Tiere auch – im Zoo. Geht man also Tagein und Tagaus einer geregelten Tätigkeit nach, hat man selbstverständlich auch Anspruch auf Urlaub, um sich zu erholen. Herr Nashorn bucht Afrika. Nach sorgfältigem Kofferpacken und einer Verabschiedungsrunde ist es endlich soweit. Die Reise kann beginnen.

Die bereits auf dem Titelbild vermittelte Weite afrikanischer Savannenlandschaften wird im Buch selber durch Doppelseiten, die ein Minimum an Text aufweisen und schließlich nur noch die Eindrücke vollkommenen Einsseins mit sich und der Landschaft einfangen, und auf jeglichen Begleittext verzichten noch verstärkt. Eindrucksvoll, wie Licht und Schatten den Blick in unbekannte Welten gleiten lassen oder dazu einladen, sich neben Herrn Nashorn ans Lagerfeuer zu setzten und den Sternenhimmel zu genießen. Bilder mit solch einer Weite und Tiefe regen zum gemeinsamen Schauen, Schweigen, Staunen und Erzählen ein. Bevor es nach zwei Wochen gut erholt zurückgeht, muss Herr Nashorn allerdings noch etwas erledigen. Dem besten Freund hat er ein Souvenir versprochen und das besorgt er nun. Der Träne im Knopfloch, die sich bei der Abreise von Daheim eingeschlichen hatte, folgt bei der Rückkehr ein ausgelassenes Fest der Wiedersehensfreude. Und an dem Mitbringsel haben alle ihren Spass. Wohl dem, der seine Wünsche mit Sorgfalt wählt.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 3 Jahre.

Baud, R. , Neyret, A.: Herr Nashorn macht Urlaub, Atlantis, 2016, € 14,95.

 

Käpt’n Jack und die Piraten

Jack und die PiratenWas gibt es schöneres, als bei strahlendem Sonnenschein mit der Familie einen Tag am Strand zu verbringen? Nichts, soviel steht für die drei Jungs Jack, Kaspar und Paulchen schnell fest. Kaum am Ort ihrer Träume angekommen, beginnen sie auch schon mit Feuereifer aus Sand, Kleidungsstücken und dem, was sich sonst noch in der Ausstattung für einen Strandtag findet, ein Schiff zu bauen. Sobald das schneidige Gefährt fertig ist, sticht Käpt‘n Jack mit seinen Mannen in See. Piraten suchen schließlich nicht nur Abenteuer, sondern auch Gold und andere Schätze. Das die drei verwegenen Jungpiraten in einen Sturm geraten und auf echte Piraten treffen, hätte sich natürlich keiner träumen lassen.

Nicht nur Sonne und Regen wechseln in dem von Helen Oxenbury großzügig gestalteten Bilderbuch innerhalb des Tagesverlaufs, sondern auch Spannung und Entspannung. Die von Peter Bently in Reimform erzählte Geschichte, stellt die aus dem spontanen Spiel entstehende Handlung in den Mittelpunkt und folgt dem der kindlichen Phantasie entspringenden roten Faden mitten hinein in ein Abenteuer auf hoher See. Da ist es auch nur konsequent, wenn sich die Eltern als Piraten entpuppen und am Ende für das leibliche Wohl der drei Abenteurer sorgen. „Doch manchmal gibt es Wunder, wie jeder von uns weiß – die Piraten sind freundlich und jeder kriegt ein Eis!“

Buchtipp von Minea Süss

Ab 3 Jahre.

Oxenbury, Helen, Bently, Peter: Käpt‘n Jack und die Piraten, Aladin, 2016, € 14,95.

In einer Vollmondnacht in meinem Garten

csm_9783407820952_2b0e0a6137Ob die Aktivitäten im Garten meiner Eltern bei Vollmond stattfanden, ist nicht überliefert. Nach erfolgreich beendeter Pubertät verkündete Bruder Nr. 2 mit verklärtem Blick, die Meetings und Freiluftnächte im Vorgarten hinter dem lauschig mit Efeu bewachsenen Zaun seien doch toll gewesen. Da weder die Nachbarschaft, noch wir als Familie von diesen netten Gewohnheiten Kenntnis hatten, ist anzunehmen, dass die Herren sich äußerst gesittet verhalten haben. Vielleicht waren Sie aber auch schlicht sprachlos, weil sie nicht alleine waren. Glaubt man Severin Millet, kann man in Vollmondnächten ganze Gespenstervölkerwanderungen inklusive exotischer Tiere bewundern. Das Stelldichein der Gespenster ist kunterbunt und zeigt die ganze Vielfalt dieser weiß gewandeten, leichtfüßig durch die Luft schwebenden Gesellen. Das Treiben der munteren Schar ist durchaus amüsant und wird von Seite zu Seite wuseliger bzw. wimmeliger. Von Grusel oder Gänsehaut kann keine Rede sein. Fleißig wie die Bienchen werden mit vereinten Kräften zwei Häuser gebaut und auch sofort bezogen. Ja, Sie haben richtig gelesen. Zwei Häuser in einer Nacht, Einweihungsparty inklusive. Leider findet das geschäftige Treiben mit der aufziehenden Morgendämmerung ein jähes Ende. So schnell, wie die ungewöhnliche Baustelle in einem nächtlichen Garten entstanden ist, befindet sich alles wieder im Urzustand, sind Eule und Maulwurf wieder unter sich und auch die Besucher aus fernen Welten, haben sich verabschiedet. Die Anfahrtswege sind mindestens so beeindruckend wie die Geschwindigkeit, in der hier Häuser fertig gestellt werden. Elefant und Pavian kommen von der anderen Seite der Erdkugel und eine Gespensterdelegation ist gar aus einer anderen Galaxie  angereist. Wenn man sich nicht sicher ist, ob man das Ganze nur geträumt hat, empfiehlt sich das kurzweilige Buch sofort nochmal anzuschauen und sich vom Gegenteil zu überzeugen.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 3 Jahre.

Millet,Séverin: In einer Vollmondnacht in meinem Garten, Beltz & Gelberg, 2016, € 13,95.