Der Fall des verschwundenen Lords

Das Sherlock Holmes einen Bruder hat, ist bekannt. Eine um viele Jahre jüngere Schwester hingegen ist der Feder von Nancy Springer entsprungen. Die vierzehnjährige Enola, deren Name von hinten gelesen das Wort alone, also alleine ergibt, sieht sich ausgerechnet an ihrem Geburtstag damit konfrontiert, dass ihre Mutter verschwunden ist. Die beiden Brüder Sherlock und Mycroft hat sie seit dem Tod des Vaters vor zehn Jahren nicht mehr gesehen. Neben der Mutter hat sie einzig in der Haushälterin Mrs. Lane eine Person, die ihr Zuneigung und Fürsorge entgegenbringt. Als vollkommen unerwarteter Nachkömmling ist das Mädchen von Klein auf daran gewohnt als Schandfleck der Familie zu gelten.

Der höchst lesenswerte Krimi ist weniger wegen des entführten Lords, also des Verbrechens interessant und spannend, als aufgrund der eigenständigen und unangepassten Hauptfigur, die mit den Tücken gesellschaftlicher Konventionen zu kämpfen hat. Enola trauert um ihre Mutter, die ihr zwar in Gestalt eines selbstgemachten Büchleins mit Geheimcodes zahlreiche Hinweise zu Verstecken mit Geld hinterlassen hat, aber an keiner Stelle verrät warum sie ihr jüngstes Kind verlassen hat und wo sie sich befindet. Zumindest die Frage nach dem Warum wird Enola im Laufe der Zeit immer klarer. Ihre Mutter wollte sich weder von einem Korsett, noch von engstirnigen Denkmustern einengen lassen. Mit dem zur Seite geschafften Geld gelingt es der Mutter ihrer Nachgeborenen die Möglichkeit sich ebenfalls zu befreien und eigene Wege zu gehen zu eröffnen. Dieser Weg in die Selbstständigkeit ist spannender als jeder Krimi.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 11 Jahren.

Springer, Nancy: Der Fall des verschwundenen Lords, Knesebeck, 2019, € 15,00.

Grüße vom Mars – Notlandung bei Oma und Opa

Nina, Elmar und Tom sind Geschwister. Als solche fallen sie sich hin und wieder auf die Nerven, aber in erster Linie halten sie zusammen. Auch wenn Nina sehr mit sich und ihren pubertätsbedingten Auswüchsen zu tun hat, sind die drei ein eingeschworenes Team, das nichts so leicht aus der Ruhe bringen kann.

Der zehnjährige Tom erzählt uns munter und vollkommen selbstverständlich von seiner Marsexpedition bei Oma und Opa. Da die Raumfahrt bekanntermaßen noch nicht so weit ist, den Mars zu besiedeln, ist das Unterfangen selbstverständlich nicht wörtlich zu nehmen. Die Großeltern der drei Kinder leben auf dem Land, was insbesondere für Nina der Abgeschiedenheit des erwähnten Planeten gleichkommt. Aber auch für Tom ist die unbekannte Umgebung mit dem vollkommen anders strukturierten Alltag der Großeltern eine große Herausforderung und nur in der konsequent durchgezogenen Spielsituation, bei der die drei Geschwister so tun, als unternähmen sie tatsächlich eine Expedition zum Mars, erträglich. Enkel und Großeltern sind acht Wochen auf sich gestellt. Die geplante Weltreise der beiden Senioren in einem eigens dafür angeschafften alten VW-Bus muss kurzerhand verschoben werden. Die findige Oma kredenzt stattdessen bei jeder Mahlzeit internationale Köstlichkeiten und der ausgesprochen flexibel denkende Opa zaubert mithilfe eines rechteckigen Tischtuchs binnen Sekunden aus einem runden Tisch einen eckigen. Die unkompliziert und heiter daherkommende Botschaft dieses Buches lautet schlicht: Es gibt für alles eine Lösung und manchmal muss man einfach über seinen Schatten springen und etwas Neues ausprobieren. Ich persönlich werde jetzt auch mehr Marsexpeditionen in meinen Alltag einbauen.

Buchtipp von Minea Süss

Ab neun Jahre.

Grusnick, Sebastian; Möller, Thomas: Grüße vom Mars – Notlandung bei Oma und Opa, Dressler, 2019, € 13,00.

Ziegen bringen Glück

Sieht man einmal vom Geruch ab, sind Ziegen Tiere, für die ich mich durchaus begeistern kann. Die meisten von ihnen sind zutraulich, lassen sich streicheln und füttern und springen quirlig über die Weide. Bergziegen freuen sich zudem über Felsen zum Klettern und sind – anders als Hausziegen – ausgesprochen freiheitsliebend. Die schwindelerregende Höhe von Wolkenkratzern in New York macht einer Bergziege insofern keine Probleme. Das fehlende Gras hingegen schon. Zu Recht fragt man sich, was eine Ziege in einer Metropole wie New York macht, wie sie dahin kommt und ob das überhaupt sein kann.

Indem uns die elfjährige Kid ihre Geschichte erzählt, erfahren wir auch, wie die Ziege auf das Dach des Hochhauses gelangt ist. Anne Fleming lässt ihre Hauptfigur in der ihr neuen Umgebung nach und nach die Menschen in ihrem unmittelbaren Umfeld, sprich ihre Nachbarschaft entdecken. Jeder von ihnen hat seine eigene Geschichte. Was jeweils als Einzelschicksal daherkommt verbindet sich im Verlauf der Erzählung mit den Erlebnissen und Erfahrungen der anderen, wird ergänzt und durch neue gemeinsame Taten fortgeführt. Die scheue Kid, deren Eltern aus beruflichen Gründen zeitweise in einer der beliebtesten Städte der USA leben, staunt ein um das andere Mal, als sie im und vor dem Haus Menschen trifft, die plötzlich zu ihrem Leben dazugehören und die sie ganz selbstverständlich miteinbeziehen. Allen voran ist da Will, der bei den Terroranschlägen auf das World Trade Center seine Eltern verloren hat und fortan keine Sekunde von seiner Oma aus den Augen gelassen wird. Dank eines kaum zu bremsenden Entdeckerwillens, machen sich die beiden Kinder – ungeachtet der ständigen Dauerbegleitung – daran das Geheimnis der sagenumwobenen Ziege auf dem Dach zu lüften. Schöner kann Freundschaft und das Überwinden eigener Grenzen kaum sein.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 10 Jahre.

Fleming, Anne: Ziegen bringen Glück, Carlsen, 2019, € 10,99.

Der Stinkehund

Als ich die Geschichte vom „Stinkehund“ anfing zu lesen, musste ich an zwei Tiere denken, die das Familienleben eine Zeitlang begleitet haben. Zum einen war da der Braune. Der Braune war ein schwarzer Kater, der am hinteren Rücken an einer Stelle struppiges braunes Fell hatte und einen Stummelschwanz. Trotz ländlicher Idylle gab es eine viel befahrene Straße und selbiger ist der Schwanz des Katers zum Opfer gefallen. Jahre später beglückte uns ein Eichhörnchen mit einem sehr lichten Schwanz mit regelmäßiger Anwesenheit. Wir nannten das possierliche Tier Klobürste und erfreuten uns an seiner Gesellschaft. Wie der Name vermuten lässt, ist der Geruch des „Stinkehund“ nicht unbedingt angenehm. Zudem wird er als hässlich beschrieben, wobei ich persönlich die Illustrationen ausgesprochen ansprechend und keinesfalls unschön finde. Das Fell wird allerdings als Teppich, Wischlappen und Fußabtreter bezeichnet. Der geneigte Leser ahnt, dass das Schicksal des Vierbeiners kein leichtes ist. Erzählt wird dies jedoch mit einer gehörigen Portion Humor und Augenzwinkern. Ähnlich wie unser Kater hat der beste Freund und Gefährte des Hundes früh im Leben Bekanntschaft mit einem LKW gemacht und wird seitdem von allen Platti gerufen. Hund und Kater verstehen sich prächtig, bis das Hundetier das Bedürfnis hat ein Herrchen oder Frauchen fürs Leben zu finden. Der Wunsch ist nachvollziehbar, aber nicht leicht umzusetzen. Mit vielen guten Ratschlägen von Platti im Ohr zieht der Stinkehund los, um Familienanschluss zu finden. Nach vielen Erfahrungen mit beträchtlichen Höhen und Tiefen findet er auch eine Familie, aber die ist gänzlich anders als gedacht.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 6 Jahre.

Gutman, Marc: Der Stinkehund, Woow Books, 2019, € 10,00.

Amy und die geheime Bibliothek

Im Zeitalter von Smartphone, Tablet und Co hat das Buch in Gestalt der neuen Medien eine ernst zu nehmende Konkurrenz erhalten. Hinzu kommen vielfältige Freizeitaktivitäten und durch die OGS-Konzepte eine deutlich längere Verweildauer in der Schule. Genau hierin kann aber auch eine Chance liegen. Lesen als Gegenkonzept zu Reizüberflutung und Hektik im Alltag. Ein Buch bietet nicht nur Entschleunigung, indem ich mir einen ruhigen Ort suche und mich in die Geschichte vertiefe, nein, ein Buch beinhaltet eine ganze Welt, in die ich eintauchen kann. Eine Welt, die vollkommen anders ist, als das was ich in meinem Leben bisher erfahren habe oder eine Welt, die meinen Leben durchaus ähnelt.

In der Betrachtung aus Erwachsenensicht können aber genau in dieser Vielfalt, die Literatur bietet Probleme liegen. Was passiert, wenn Kinder dass, was sie lesen nachmachen? Von zu Hause weglaufen z. B. Die Liste der Beispiele ließe sich problemlos fortführen. Was bei uns  lediglich am Rande von Gesprächen auftaucht, wird in den USA intensiv diskutiert und führt in vielen Fällen zu einem Verschwinden von Büchern aus Schulbibliotheken. In „Amy und die verschwundenen Bücher“ wird genau hiervon erzählt. Alles beginnt damit, dass Amys Lieblingsbuch plötzlich aus dem Bestand der Schulbibliothek verschwindet und damit nicht mehr ausgeliehen werden kann. Das Buch wird auch nicht ersetzt. Es ist einfach nicht mehr da. Und was noch schlimmer ist, es kommen immer mehr Bücher hinzu. Um dem entgegenzuwirken, beschließt Amy zu handeln. Heimlich gründet sie in ihrem Schließfach eine Minibliothek. Mit Unterstützung ihrer Freunde und Mitschüler beschafft sie die Exemplare von den verschwundenen Büchern und leiht sie Lesehungrigen Kindern aus. Amys Geschichte ist ein mitreißendes Plädoyer für Lesefreiheit und das Lesen an und für sich.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 10 Jahre.

Gratz, Alan: Amy und die geheime Bibliothek, Hanser, 2019, €15,00.

 

Komm kuscheln

Statte ich dem Botanischen Garten einen Besuch ab, muss ich auch jedes Mal schauen, was sich in den Gewächshäusern getan hat. Hin- und hergerissen zwischen dem überbordenden Blätter und Blütenreichtum in den schwül-warmen tropischen Gefilden, bin ich auch immer wieder fasziniert von der  Formen und Farbenvielfalt, die sich in den trocken heißen Temperaturen der Wüstengebiete entwickelt und in Gestalt von einer beeindruckenden Zahl unterschiedlichster Sukkulenten  im Botanischen Garten bewundert werden kann.

So hübsch diese pflegeleichten Gewächse in ihrer kargen Umgebung auch anzuschauen sind, so wenig laden sie mit ihren Stacheln zum Anfassen ein. Simona Ciraolo macht in ihrem originellen Bilderbuch genau dies zum Thema. Allerdings geht es dabei nicht um Kakteen begeisterte Menschen, die sich bei der Pflege und beim Umtopfen ihrer Lieblinge mit den pikenden Auswüchsen herumschlagen müssen, sondern um die Gewächse selber. Wer als Kaktus aus einem altehrwürdigen Geschlecht stammt, der hat einen Ruf zu verteidigen und der lautet ganz klar, kein Stachelkontakt zu irgendwem, auch nicht zum nächsten Anverwandten. Für klein Felipe ist das nicht zu verstehen. Er sehnt sich nach einer Umarmung. Innerhalb der eigenen Sippschaft stößt er dabei immer wieder auf Ablehnung. Aber auch der Schmetterling, der Luftballon (dieser bringt ihm sogar einen wenig schmeichelhaften Artikel in der Klatschpresse ein) und die Erdmännchen lehnen Felipes Kuschelbedürfniss strikt ab. Fortan lebt er allein in einem Gewächshaus und ist eigentlich ganz zufrieden mit sich. Eigentlich. In Wirklichkeit fehlt ihm Gesellschaft und eine Umarmung. Wie sehr sich in diesem Fall der Blick über den Tellerrand bzw. das Gewächshaus lohnt, zeigt sich als Felipe dort jemanden entdeckt, dem es genauso geht wie ihm. Wer das ist, wird nicht verraten. Nur soviel: es gibt ein Happy End und der Jemand ist kein Kaktus.

Buchtipp von Minea Süss

Ab vier Jahre.

Ciraolo, Simona: Komm kuscheln, Bohem, 2018,€ 16,95.

Werken mit dem Taschenmesser

Bruder Nummer zwei hat bis heute immer ein Taschenmesser dabei. Immer ist wörtlich zu nehmen und da man sich in der Freizeit auch sehr gerne in abgelegenen Gegenden tummelt, kommt dieser unabdingbare Gebrauchsgegenstand auch regelmäßig zum Einsatz.

Mein Taschenmesser habe ich am Wochenende hinten in der Küchenschublade entdeckt. Aufräumen kann nicht nur befreiend, sondern auch beglückend sein. Sofort fielen mir die schönen Outdoortitel zum Thema Schnitzen ein, die wir zur Zeit auf unserem Thementisch im Laden haben. Das Klappmesser mit dem angenehm in der Hand liegenden Holzgriff rief aber auch Erinnerungen an frühe Schnitzkünste wach. Wie man aus einem Holunderzweig eine Pfeife schnitzt, der man tatsächlich Töne entlocken kann, hat meinen Geschwistern und mir mein Opa beigebracht.

Was man sonst noch alles mit einem Taschenmesser herstellen kann, verrät uns Felix Immler in seinem lesenswerten Buch. Auch hier spielt der Opa bzw. Uropa  eine Rolle.  Für eine Schweizer Firma hat dieser nämlich das erste Taschenmesser entwickelt. Als Taschenmesserpädagoge führt Felix Immler das Erbe des Uropas fort und lässt uns an seinem Wissen teilhaben. Neben einer ausführlichen Einleitung in die Benutzung eines Taschenmessers, technischen Grundlagen, der richtigen Holzwahl, unterschiedlichen  Schnitztechniken und Tipps zur Pflege kann zwischen 15 kleinen und größeren Schnitzprojekten gewählt werden. Von der Astkröte bis zum fliegenden Propeller eignen sich alle Vorschläge zur direkten Umsetzung im Freien. Wer viel in Wald und Feld unterwegs ist, findet in dem handlichen Buch eine Menge Anregungen und verständliche Erklärungen nebst Fotos, die zum Nachmachen einladen.

Buchtipp von Minea Süss

Ab sieben Jahre.

Immler, Felix: Werken mit dem Taschenmesser. Das kleine Handbuch für unterwegs., AT Verlag, 2014, € 13,00.

Clementine liebt Rot

Egal ob Festnetz oder Handy, die Tücken der Technik hat sicherlich schon jeder einmal am eigenen Leib zu spüren bekommen. Alleine letztes Jahr hat sich bei mir das Festnetz dreimal geweigert zu funktionieren. Konnte im ersten Fall eine größere Störung, die auch andere Stadtteile betraf ausfindig gemacht werden, waren die Experten eines großen Bonner Telekommunikationsunternehmens bei den beiden anderen Fällen ratlos. Der Tipp einfach mal alle Stöpsel zu ziehen und ein bisschen zu warten hört sich wenig professionell an, hat aber tatsächlich funktioniert.

Mit Stöpsel ziehen und warten kommt Wachtmeister Summer allerdings nicht weiter. Des Nachts wird er durch schrilles Klingeln aus dem Schlaf gerissen. Aufgrund einer wiederholt auftretenden Störung bekommt er nur Bruchstückhaft mit, dass ein Kind verschwunden ist. Weder der Wachtmeister noch sein Sohn, der das Gespräch mitbekommen hat, können ahnen, dass besagtes Kind am Nachmittag bereits gefunden wurde. Ebensowenig können sie ahnen, dass dieses Kind noch ein anderes Kind sucht. Im Grunde sind also zwei Kinder verschwunden. Meinen zumindest alle Beteiligten und das sind weit mehr als Wachtmeister Summer und sein Sohn. Schließlich haben mehrere Kinder beim Spielen im Wald die weinende Erbse gefunden, die Mutterseelenallein hinter einem Busch hockte. Der Tatendrang und die Hilfsbereitschaft aller Beteiligten (es werden übrigens bis zum Ende der Geschichte immer mehr) kennen keine Grenzen. Missverständnisse, Verwechslungen und jede Menge Überraschungen sind da vorprogrammiert. Zwischendurch bzw. Mittendrin sind übrigens fast alle Kinder, die sich in die abenteuerliche Suche gestürzt haben verschwunden. Aber wie heißt es doch so schön: „Wer suchet der findet.“ Ein tolles Vorleseabenteuer für die ganze Familie.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 6 Jahre.

Boglar, Krystyna: Clementine liebt Rot, Gerstenberg, 2019, € 14,95.

Paul, gar nicht faul!

Ob Faultiere sich aufgrund ihres entschleunigten Verhaltens zunehmender Beliebtheit erfreuen und infolge dessen immer öfter Bilderbücher bevölkern sei dahingestellt. Der Blick ins Buch zeigt schnell, dass die so naheliegende These nicht funktioniert. Genau das Gegenteil ist der Fall. Das entschleunigte Faultier wird in der literarischen Welt eindeutig beschleunigt. Damit aber die Faultierwelt und Biologie nicht vollends aus den Fugen gerät, verhält sich zumindest die Faultierfamilie artgerecht und frönt ausgiebig und inbrünstig dem Nichtstun. Es ist dann jeweils ein Sproß, der über ungewöhnlich viel Energie und Entdeckergeist verfügt und den Tiefschlaf der Sippe nutzt, um Spiel und Spaß im Dschungel nachzugehen.

Paul bildet da keine Ausnahme. Schlafend im Baum abhängen kommt für ihn nicht in Frage. Viel interessanter und lustiger ist ein gemeinsamer Nachmittag mit seinem Freund dem Affen. In Form von munteren Reimen und altersgerechten Illustrationen können kleine Buchgucker Paul und seinen Freund bei ihrem Spiel begleiten. Die Beschäftigung der Beiden reicht vom Baumwettklettern bis hin zum Bananenwettessen und Schwimmen. Wer der bessere Kletterer und Esser ist, wird hier nicht verraten. Nur so viel sei erwähnt: Die Bananenschalen fliegen wild durch die Gegend und landen schließlich bei zwei sehr gefährlichen Tieren auf dem Kopf. Wie heißt es doch so schön? Ein Bananenhut steht jedem gut. Doch bevor der Tag sich dem Ende neigt, reitet Paul noch eine Runde auf dem Elefant und schläft dann zufrieden ein. Ein witziges Pappbuch, das auch als Gutenachtbuch geeignet ist.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 2 Jahren.

Leykamm, Martina: Paul, gar nicht faul!, Oetinger, 2019, € 8,00.

Wie ist es, wenn man arm ist? Alles über Armut und Hunger

In einer Welt, die durch Globalisierung und Social Media immer enger zusammenrückt, erscheint es zunehmend wichtiger, Fragen nach Ursachen und Zusammenhängen zu stellen. Gerade für Kinder, die über verschiedenste Kanäle Informationshäppchen aufschnappen,  ist es sinnvoll ein sperriges Thema wie Armut und Hunger im Bilderbuchformat ruhig und sachlich aufbereitet anzubieten.

In dreizehn Kapiteln, die jeweils aus einer illustrierten Doppelseite und einem kurzen, gut verständlichen Text bestehen, werden die wichtigsten Aspekte zum Thema dargestellt. Die Farbwahl der Bilder besteht überwiegend aus dezenten, ruhig wirkenden Naturtönen. Aufgrund der grafischen Umsetzung gewinnen die Szenen von Krieg, Naturkatastrophen, Obdachlosigkeit etc. an Intensität ohne ins plakative abzugleiten. In der gestalterischen Zurückgenommenheit bieten die Bilder den Betrachtenden die Möglichkeit die „Leerstellen“ im Nachdenken über Text und Bild zu füllen. Das Bilderbuch lädt an dieser Stelle geradezu zum Verweilen ein. Wichtige Impulse zum Nachdenken hält auch der Text bereit. Der erste Satz im ersten Kapitel wirkt zunächst sehr unscheinbar. Aber die Formulierung „Die meisten Menschen hierzulande haben genug Geld, um sich das Nötigste zu kaufen.“, kann als eine Einladung, um miteinander ins Gespräch zu kommen aufgefasst werden, denn Armut gibt es auch bei uns vor der Haustür. Ausgehend von einer breit angelegten Basis verschiedener Gründe und Ursachen für Hunger und Armut wird zum Ende des Buches der Bogen zum eigenen Handeln gespannt. Von über das Thema reden bis hin zum Spendensammeln werden verschiedene Möglichkeiten aufgezeigt, wie auch Kinder aktiv werden können. Darüber hinaus werden auch zahlreiche Informationsquellen genannt, die zur Vertiefung genutzt werden können. Abschließend werden die wichtigsten Wörter in einem kurzen Glossar nochmals zusammengefasst und erläutert.

Buchtipp von Minea Süss

Ab sechs Jahren.

Spilsbury, Louise: Wie ist es, wenn man arm ist? Alles über Armut und Hunger, Gabriel Verlag, 2018, €10,00.