Die Ballade von der gebrochenen Nase

Die Ballade von der gebrochenen NaseDie von seiner Mutter verordneten Boxstunden machen aus dem knapp dreizehnjährigen Bart weder einen muskelbepackten Draufgänger, noch wecken sie die Begeisterung für diesen Sport in dem Jungen. Bart bleibt was er ist. Ein höflicher, etwas schüchterner Fast-Teenager mit schmächtigem Körper, der es in den Trainingsstunden nicht über sich bringt, den Gegner anzugreifen.

Der Gegensatz zu seiner wahren Leidenschaft und einem unglaublichen, für die Außenwelt verborgenen, Naturtalent, könnte größer nicht sein. Bart kann begnadet singen. Sein Publikum ist allerdings sehr übersichtlich, besteht es doch hauptsächlich aus seiner Mutter und seiner Oma. Und auch diese kommen nur in den Genuss von Barts Stimme, wenn die Badezimmertür den direkten Blickkontakt verhindert. Neben all den Problemen, die das Leben mit einer Alkoholabhängigen und an Diabetes leidenden Mutter mit sich bringt, ist die Angst vor Publikum zu singen, Barts größtes Hindernis, zu sich selbst zu finden.

Arne Svingen erzählt in einem heiter-melancholischen Ton und führt die Lesenden langsam in die bedrückende Lebenswelt der sympathischen Hauptfigur ein. Wer zwischen den Zeilen liest, ist nicht überrascht, wenn nach und nach die prekären Verhältnisse zu Tage treten. Zwei Figuren, von denen man es zunächst nicht vermutet, sind schließlich maßgeblich daran beteiligt, dass es eine Wende in Barts Leben gibt und sich neue Perspektiven öffnen.

Lesetipp von Minea Süss

Ab 13 Jahre

Svingen, Arne: Die Ballade von der gebrochenen Nase, Boje Verlag, 12,99 €.

Aquamarin

AquamarinWas als vermeintliche Mobbinggeschichte beginnt, entwickelt sich in rasantem Tempo zu der Suche nach der eigenen Identiät und der Frage nach gesamtgesellschaftlichem Handeln. Diese Auseinandersetzung mit sich selbst, und den lebensweltlichen Rahmenbedingungen, gewinnt insbesondere durch den Erzähltrick alles Geschehen in der nahen Zukunft anzusiedeln an Bedeutung. Die zeitliche Distanz in Gestalt einer zukünftigen Gegenwart nutzt Andreas Eschbach einmal mehr, um eindringlich und ohne den erhobenen Zeigefinger, darauf hinzuweisen, wieviel Zukunft bereits in unserer aktuellen, außerliterarischen Gegenwart steckt.

Der spannend, kritische Blick auf die stetig zunehmende Digitalisierung und Technisierung unserer Welt, stammt aus der Perspektive der Sechzehnjährigen Saha. Zusammen mit ihrer Tante lebt sie in einem gepflegten Küstenort in Australien. Nicht nur die fehlenden Eltern und überschaubaren finanziellen Mittel machen Saha zu einer Außenseiterin. Viel schwerer wiegt die Tatsache, dass sie aufgrund einer körperlichen Anomalie nicht schwimmen darf. In einer Gesellschaft, die sich in erster Linie über alles Maritime definiert, ist ein Schwimmverbot allerdings genauso auffällig wie ein bunter Hund oder ein Kalb mit zwei Köpfen.

Neben der Tante und einer engagierten Lehrerin stellt sich einzig der stille Pigrit, Sohn eines Professors, der noch im Besitz richtiger Bücher ist, auf Sahas Seite. Mit seinem Wissen und den Büchern seines Vaters öffnet der unscheinbare Junge unbewusst Saha den Weg zu ihrer wahren Natur.

Lesetipp von Minea Süss

Ab 14 Jahre

Eschbach, Andreas: Aquamarin, Arena Verlag, 17,99 €