Unterwegs mit Söckchen

Beim morgendlichen Blick in die Sockenkiste hoffe ich seit einigen Tagen einen Hauch von Bewegung zu sehen, nur eine Andeutung, dass sich in den sorgfältig aufgerollten Strumpfpaaren Leben befindet. Angesichts der Tristesse meiner ausschließlich schwarzen Fußbekleidung (lediglich die weißen Sneakersöckchen bilden eine Ausnahme), kann ich auf eine liebenswert eigensinnige Ringelsocke wie das gleichnamige Söckchen in Claire Lebourgs zauberhaften Buch, wohl lange warten.

Direkt am Strand beheimatet, ist Söckchen ganz im Einklang mit sich und den Gezeiten. Sein Haus wird regelmäßig von der Flut durchspült, aber das führt keineswegs zu Hektik und lautem Gejammer. Ganz im Gegenteil. Sorgfältig sammelt das stets auf Ordnung bedachte Söckchen alle kleinen Lebewesen, die wieder ins Meer müssen ein und bringt sie in ihre eigentliche Umgebung. Dann begibt er sich mit Akribie und gutem Blick für das Schöne auf die Suche nach Muscheln, um sie im Internet anderen Meerbegeisterten zum Kauf anzubieten. Walross Fiete passt also in keinster Weise in diesen durchkomponierten Tagesablauf. Ebenfalls mit der Flut ins Haus gekommen, macht er es sich sofort bequem und versteht die etwas unterkühlte Haltung seines unfreiwilligen Gastgebers nicht unbedingt. Erst als Söckchen am nächsten Tag auf einen völlig verschnupften und fiebernden Fiete trifft, hat er Mitleid und sorgt mit vorbildlicher Versorgung und Pflege für schnelle Genesung, sodass neuen Abenteuern nichts mehr im Wege steht.

Mit dieser originellen und charmant-witzigen Geschichte in Wort und Bild, können Erstleser ihre Lesefähigkeiten weiter erproben. Zudem erfährt man so einiges über die Qualität von Freundschaften, die man unfreiwillig schließt und die zum Besten gehören, was passieren kann.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 6 Jahre.

Lebourg, Claire: Unterwegs mit Söckchen, Aladin, 2018, € 12,95.

Dieses Leben gehört: Alan Cole

Jeder, der Geschwister hat, kennt die typischen Reibereien, großen und kleinen Streitigkeiten und die anschließende Versöhnung. Was Alan von seinem älteren Bruder Nathan erdulden muss, geht aber weit über das Maß an normalen Unstimmigkeiten und Ärgernissen hinaus. Nathan benutzt den Bruder, um all seine Wut und seinen Frust an diesem abzureagieren. Selbst vor Erpressung scheut er nicht zurück. Als ihm klar wird, dass sich Alan in einen Jungen verliebt hat, zwingt er ihm einen Bruderwettstreit auf, bei dem es gilt sieben Aufgaben innerhalb einer Woche zu lösen, ansonsten erfährt die ganze Schule von Alans Gefühlslage.

Alan selbst erzählt uns seine Geschichte und schon auf den ersten Seiten wird klar, dass es sich um einen besonderen Jungen handelt. Alan beobachtet sich und sein Umfeld sehr genau und ist in der Lage, entsprechende Schlussfolgerungen zu ziehen. Ausgestattet mit Humor, Selbstironie und einem sich langsam aber stetig entwickelnden Selbstbewusstsein, fügt sich Alan in sein Schicksal und lernt nicht nur die Hilfe von Zack und Madison anzunehmen, sondern sie auch endlich als das anzuerkennen, was sie sind: Seine besten Freunde.

Ganz nebenbei erhalten wir Einblick in Alans Familie und ahnen alsbald, dass der Grund für Nathans auffälliges Verhalten hier zu suchen ist. Unaufdringlich, ungekünstelt und mit einer für alle Beteiligten heilsamen Weitsicht, lässt Autor Eric Bell die weit in der Vergangenheit liegende Ursache für die Familienprobleme an die Oberfläche gelangen. Am Ende steht die Erkenntnis, dass es immer eine Lösung gibt, auch wenn der Weg dahin mehr als steinig ist und das sich Dinge und Menschen grundsätzlich ändern können.

Buchtipp von Minea Süss

Bell, Eric: Diese Leben gehört: Alan Cole, SauerländerFischer, 2018, € 14,00.

Zuckerkringel – Ferien mit Marie

Mit Riesenschritten gehen wir auf die Pfingstferien zu und dann ist es auch bis zu den Sommerferien nicht mehr weit. Zeit also sich schon einmal einzustimmen auf Faulenzertage, Sonne, Eis, Abkühlungen im Wasser, Treffen mit Freunden und Ferienabenteuern am Urlaubsort.

Max fährt mit seinen Eltern und seinem Bruder nach  Vic sur Mer in Frankreich. Im Gepäck hat er sein selbst gebautes Segelschiff. Der Urlaub ist für ihn nur dazu da, sein Schiff, in das er viel Mühe und Hingabe investiert hat, im Meer segeln zu lassen. Sein Bruder hingegen kann es kaum erwarten mit anderen Kindern Fußball zu spielen und eine neue Mannschaft aufzustellen.

Kaum angekommen, will Max sofort zum Strand, um Segelschiff „Seehund“ auszuprobieren. Die Sonne lacht vom Himmel aber der Wind ist so stark, dass an eine Jungfernfahrt nicht zu denken ist. Natürlich ist die Enttäuschung des jungen Schiffbauers groß, aber wie es der Zufall will, steht plötzlich Marie mit ihrem Bauchladen voller Köstlichkeiten vor ihm und bietet ihm Schischis, kleine Zuckerkringel an. Max und Marie sehen sich, verstehen sich und erleben drei Wochen lang eine wunderbare Kinderliebe im besten Grundschulalter. Während das Kribbeln im Bauch bei beiden größer wird, schweißt sie ein gemeinsames Projekt zusammen, das sie mitten hinein in ein tolles Ferienabenteuer führt. Marie braucht nämlich Geld, um ein Pferd zu retten. Deswegen ist sie auch unermüdlich mit ihrem Bauchladen im Einsatz, nur der Verkauf des leckeren Gebäcks reicht nicht aus, die erforderliche Summe aufzubringen. Hier sind Ideenreichtum und Zusammenhalt gefragt. Charmant und amüsant erzählt Beate Dölling von großen und kleinen Nöten verschiedener Kinder, die sich am Urlaubsort kennen lernen und gemeinsam großes schaffen.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 9 Jahre.

Dölling, Beate: Zuckerkringel – Ferien  mit Marie, DTV, 2018, € 10,95.

Im Gefängnis

Als ich das Buch das erste Mal in der Hand hielt, war ich erschüttert; wohl wissend, dass auch bei uns in Deutschland Kinder im Gefängnis geboren werden, und es auch Kinder gibt, von denen ein Elternteil nicht in Freiheit lebt. Erst bei der näheren Auseinandersetzung mit dem Thema ist mir wieder eingefallen, dass eine ehemalige Mitschülerin von mir ebenfalls von dieser Problematik betroffen war. Vollkommen verdrängt hatte ich den Schulwechsel meiner Schwester, der notwendig wurde, nachdem sie über einen längeren Zeitraum von einem Jungen drangsaliert wurde, dessen Vater im Gefängnis war und kurz vor dem Ende der Haft stand. Die bevorstehende Entlassung des Vaters hat zu massiven Verhaltensauffälligkeiten des Jungen geführt, unter der verschiedene Kinder zu leiden hatten. Aber wie groß muss das Leid dieses Jungen und der gesamten Familie gewesen sein?

Ein unbequemes Thema, über das man gerne hinweg sieht, weil es einen ja nicht betrifft.  Die eigene kleine Welt ist eben übersichtlich und den allgemein gültigen Maßstäben nach einigermaßen heil und kuschelig. Für 100.000 Kinder gehört es aber zum Alltag, Vater oder Mutter im Gefängnis zu besuchen. Wie ein Leben mit einem inhaftierten Elternteil funktioniert erzählen Thomas Engelhardt und Monika Osberghaus in dem vorliegenden Buch. Außerdem erfährt man eine Menge über das Leben in Gefängnissen, über Probleme, die es dort gibt, über die Menschen, die dort arbeiten über Sehnsüchte und Wünsche aller Beteiligten. Zum besseren Verständnis gibt es im Anhang ein Glossar mit Gefängnisdeutsch und Knastsprache. Ein wichtiges Buch zu einem wenig beachteten Teil unserer Alltagsrealität.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 8 Jahre.

Engelhardt, Thomas; Osberghaus, Monika: Im Gefängnis. Ein Kinderbuch über das Leben hinter Gittern., Klett Kinderbuch, 2018, € 14,00.

 

Nur Mut, kleiner Luis

Wenn man in der Schule weit und breit der einzige Wolf ist, kann einem schon mal angst und bange werden. Allein unter rosa leuchtenden Schweinen, fällt man halt auf. Luis hat dunkles Fell, spitze, aufrechte Ohren, einen langen Schwanz und scharfe Zähne. Im Wortsinn zeigt er diese, als es in den Pausen zunehmend ungemütlich für ihn wird. Von den anderen nur misstrauisch beäugt, gehen Julian und seine drei Bandenmitglieder in die Offensive und hänseln den neuen Mitschüler.

„Haare, Haare, überall am Kopf und an den Beinen! Haare wie die Kuh im Stall so hässlich kenn ich keinen!“

Das Luis sich aufgrund dieses Spottlieds still an die Mauer setzt ist nachvollziehbar. Zu seinem großen Erstaunen bekommt er aber schon am nächsten Tag Gesellschaft. Jojo setzt sich zu ihm und beweist Mut und innere Stärke, als er von Maximilian nachdrücklich dazu aufgefordert wird, sich am Schweinshüpfen zu beteiligen. Genau an der Stelle blitzt der typische Humor von Mario Ramos auf. Jojo findet die „Schweinchenspiele“ nämlich nicht nur blöd, sondern erwähnt auch ausdrücklich, dass er „lieber Großer Böser Wolf“ spielt und damit ziemlich alleine dasteht. Nun wendet sich das Blatt. Luis ist begeistert von der Idee und schon geht es los. Der Rollen- und Perspektivenwechsel ist wunderbar. Das Schwein jagt den Wolf und der fühlt sich als vermeintliches Opfer sauwohl. Am Ende ist Luis nämlich schneller und somit hat jeder sein Erfolgserlebnis. Richtig spannend wird es aber erst, als Luis krank wird und der Freund ihn besucht. Genau in der Situation offenbart sich Luis eigentliches Problem: auf seinem Schulweg muss er an den „drei dicken, bösen, gemeinen Kerlen“ vorbei. Ob ihm Jojo hierbei auch helfen kann?

Buchtipp von Minea Süss

Ab 7 Jahre.

Ramos, Mario: Nur Mut, kleiner Luis, Moritz Verlag, 2006, € 9,95.

Zum Geburtstag viel Glück

Als vor einigen Jahren Soundbücher in das Programm bekannter Verlage Einzug hielten, rümpfte ich verhalten die Nase und lüpfte die Augenbrauen. Kaum waren die als vollkommen neu, innovativ und pädagogisch wertvoll angepriesenen Pappbücher für Kleinkinder ab zwei Jahren eingetroffen, kamen auch schon die ersten Reklamationen. Entweder stellte das Soundmodul nach kurzer Zeit den Dienst ein oder es hörte gar nicht mehr auf. Ein stetiges Grunzen, Quaken oder Zwitschern war die Folge.  Das war natürlich Wasser auf die Mühlen der Vorbehalte und die Frage, muss ein Buch Geräusche machen, die man im Zweifelsfall auch selbst produzieren kann.

In meinem Fall wirkte letztlich die Begeisterung der Kunden, bzw. der Zielgruppe ansteckend. Die Beobachtung bei Nichten und Neffe, dass die Geräusche hingebungsvoll und lautstark nachgemacht werden und keinesfalls zu einem verstummen oder reinem konsumieren selbiger führen, beruhigte schließlich das pädagogische Tanten- und Buchhändlergewissen. Zudem ist die Tonqualität mittlerweile bestechend gut und die Zeit der Kinderkrankheiten ist auch überstanden. Und ja, es macht tatsächlich Freude, auf die Punkte zu drücken, auch wenn man weiß, was unmittelbar darauf erklingt. Mein aktueller Favorit ist das Geburtstagsbuch von Nicola Slater. Bär, Dachs, Fuchs und Katze wandern mit ihren Instrumenten durch die Lande. Natürlich musizieren sie dabei. Viele Noten schwirren durch die Luft. Aber eine Note ist anders. Sie ist nicht schwarz, sondern besteht aus einem feinen Drahtgitter. Es reicht ein leichter Druck und schon ertönen das Instrument und der Anfang bzw. die Fortsetzung des Liedes „Zum Geburtstag viel Glück“. Angekommen in der Stadt erklärt sich auch das Ziel. Otter Oskar hat zu seinem Geburtstag eingeladen. Ihm zu Ehren stimmen nun alle das Lied an. Ist das Geburtstagsständchen schon eindrucksvoll und mitreißend, gerät man über die leuchtende Kerze auf der Geburtstagstorte vollends in Verzückung.

(Das Soundmodul lässt sich an- und ausschalten.)

Buchtipp von Minea Süss

Ab zwei Jahre.

Slater, Nicola: Zum Geburtstag viel Glück!, Loewe, 2018, € 14,95.

Calpurnias Tierstation – Ein neues Lämmchen

Beim Stichwort Lämmchen fällt Bullerbü-Fans sicherlich Pontus ein, der liebevoll mit der Flasche aufgezogen wird und als wissbegieriges Jungschaf die Kinder in die Schule begleitet. Des Weiteren denkt man bei Lämmchen auch unweigerlich an  Osterlämmer. Um Weihnachten herum geboren, springen sie wollig gelockt im Frühling über die Weide und sorgen bei großen und kleinen Betrachtern nicht selten für Laute des Entzückens.

In ihrer neuen Reihe „Calpurnias Tierstation“ geht es im ersten Band ebenfalls um ein Lämmchen. Umgeben von ihren Eltern, sechs Brüdern und den Großeltern wächst Calpurnia inmitten der Natur auf einem großen Hof auf. Dem Ansinnen der Mutter dem Kind eine damenhafte Erziehung zukommen zu lassen, entzieht sich das aufgeweckte Mädchen nicht nur durch ihre Eigenständigkeit, sondern auch durch die Hilfe Ihres Großvaters und des Tierarztes. Beide Männer fördern Calpurnias Begabung mit Tieren umzugehen nach Kräften und bestärken sie in ihren Fähigkeiten. Wer glaubt, Insekten fielen bei einer Verletzung aufgrund ihres filigranen Körperbaus aus dem Raster menschlicher Zuwendung, der irrt. Mit Erfindungsreichtum, Geduld und Hingabe gelingt es den gebrochenen Flügel eines Schmetterlings zu schienen und die Flugfähigkeit des Insekts wieder herzustellen. Die Beschreibung der Autorin ist so authentisch und detailliert, dass man den Vorgang mit Hilfe des Buches am lebenden Objekt nachvollziehen könnte. Bezogen auf die von Calpurnia unterstützte Geburt eines Zwillingslämmchens, das verkehrt herum im Mutterleib liegt, gilt dies ebenso. Das Mädchen kann die Situation meistern, weil sie sich daran erinnert, was sie im tierärztlichen Fachbuch dazu gelesen hat. Was sich übertrieben oder konstruiert anhört ist eine spannende und bereichernde Lektüre, die einzig auf einer früh entdeckten und geförderten Passion beruht.

Lesetipp von Minea Süss

Kelly, Jacqueline: Calpurnias Tierstation – Das neue Lämmchen, Hanser, 2018, € 10,00

Die abenteuerliche Reise der Ballerinus

Von außen betrachtet ist Ravis Leben traurig und von Einsamkeit geprägt. Die Mutter ist tot und Tante Lena hat eine sehr spezielle Auffassung von ihrer Funktion als Tante und einzige lebende Verwandte des Neffen. Sie bleibt lieber auf Abstand und lässt das Kind in einem Wohnwagen am Kanal leben. Alleine! Wie gesagt von außen betrachtet keine schöne Situation für ein Kind. Aber Ravi ist – vielleicht aufgrund seines Schicksals – anders als andere Kinder. Er begnügt sich mit einem Lächeln von dem wortkargen Fährkapitän, mit dem er sich in stummer Eintracht gerne seine Portion Pommes  teilt. Ihm genügt die Stundenweise Gesellschaft eines herumstreunenden Hirtenhundes, der ihn jeden Tag besucht. Außerdem steht sein Wohnwagen da, wo er sich am wohlsten fühlt und gerne verweilt, am Wasser. An seinem Geburtstag, an Ostern und auch an Weihnachten, denkt seine Tante an ihn und schickt ihm etwas. Zum Geburtstag gibt es immer einen Gutschein für eine Torte seiner Wahl und noch ein richtiges Geschenk. Plötzlich, über Nacht sozusagen, tritt jemand in sein Leben, mit dem er nicht nur die Geburtstagstorte, sondern auch andere Dinge wie Freude und manchmal auch ein bisschen Traurigkeit teilen kann. Mit dem alten Seebären Sepp und seinem neunmalklugen und nörgeligen Papagei John tritt ein Mensch in sein Leben, mit dem ihn nicht nur eine tiefe Freundschaft, sondern auch das Ziel verbindet, anderen etwas Gutes zu tun. Die „anderen“, das sind Zootiere, die früher einmal in einem Zirkus aufgetreten sind. Da die Idee mit dem Zoo nicht so gut funktioniert, sollen sie an einen Metzger verkauft werden. Keine Frage, hier muss eingegriffen werden und schon beginnt ein fantastisches Abenteuer.

 

Buchtipp von Minea Süss

Ab 11 Jahre.

Bolt, Arienne: Die abenteuerliche Reise der Ballerinen, Gerstenberg, 2018, € 18,00.

Emmi & Einschwein

Den einzigen Tierwunsch, den ich als Kind hatte, und der in Gestalt eines gemalten Wunschzettels, den ich dann zum 40. Geburtstag feierlich überreicht bekam, immer noch existiert, haben meine Eltern tatsächlich erfüllt. Viele andere Wünsche sind gar nicht erst entstanden, da meine Eltern ohne Nachhilfe von uns Kindern freiwillig Meerschweinchen, Kaninchen, Enten, einen Fischteich und anderes Getier anschafften. Schaf und Ochse waren die Spezialität von Uroma und leider vor meiner Zeit. Meine Begeisterung für Schweine jedweder Art rührt ebenfalls aus der Kindheit. Die beste Freundin meiner Mutter hatte eine Schweinezucht. Insofern bin ich ausgesprochen beglückt von der Idee der Welt ein Einschwein zu schenken. Einhörner gibt es schließlich schon genug. Der Wunsch ein so graziles Fabelwesen zu besitzen ist aber umso nachvollziehbarer, wenn man – wie Emmi – in Wichtelstadt lebt. Nun verheißt der Ort an sich schon viel Spaß und Abenteuer, aber da die Kinder dort zum zehnten Geburtstag ein Fabelwesen bekommen, hätte Wichtelstadt in unserer Welt sicher keine Probleme auf Platz eins der beliebtesten Orte weltweit zu kommen. Im Haushalt von Familie Brix leben bereits ein Drache, eine Klingende Wildkatze und ein Blütenspatz. Bis auf die eine oder andere Eigenart alles ganz allerliebste Hausgenossen. Insbesondere dann, wenn man unter Aufsicht des Vaters und in Abwesenheit von Mama die Sandwiches von Drache Henk grillen lässt. Anstelle des sehnlichst gewünschten Einhorns bekommt Emmi zum Geburtstag aber ein Einschwein und ist erst einmal nicht sehr glücklich mit dem stets gut gelaunten Tier. Erst als sie und ihre Geschwister nach und nach bemerken welch grandiose Fähigkeiten und Vorzüge Einschwein hat, ist man versöhnt.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 9 Jahre.

Böhm, Anna: Emmi & Einschwein – Einhorn kann jeder!, Oetinger, 2018, € 13.00

Hase und Igel kaum zu bremsen!

Die Kassette mit der Geschichte von Hase und Igel und ihrem Wettlauf, haben meine Geschwister und ich in Dauerwiederholung gehört. Mehr als einmal gab es auch Bandsalat. Meistens saß meine Mutter dann mit dem Tonträger und einer Gabel bewaffnet auf der Eckbank und hat das verknüddelte Band entwirrt und mit Hilfe des Essbestecks, der Griff passte genau in die runden Einlegelöcher, wieder aufgedreht. Die Trauer war natürlich groß, als das geliebte Stück irgendwann nicht mehr zu retten war.

Kaum hatte ich den Vorleseband von Hase und Igel aufgeschlagen und just den berühmten Klassiker als erste Geschichte entdeckt, waren die Kindheitserinnerungen wieder gegenwärtig. Nach diesem schönen Auftakt folgen eine Reihe flott erzählter Abenteuer, die Hase und Igel miteinander erleben. Die Idee des Wettlaufs zieht sich dabei als roter Faden durch die Geschichten und wird sehr originell in immer wieder anderen Varianten weiter gesponnen. Da die beiden ausgesprochen unternehmungslustig sind, landen sie nicht nur in der Schule sondern auch im fernen Süden. Urlaub machen ist ja schließlich etwas, dass ein Hase und Igel von Welt auch einmal ausprobiert haben muss. Sehr schön ist hier die Idee die beiden Freunde einen unfreiwilligen Wettlauf  gegen die Urlaubspostkarten machen zu lassen. Nach der ersten Enttäuschung, dass die mit viel Sorgfalt und Liebe geschriebenen Karten noch nicht angekommen sind, siegt die Freude darüber, dass man schneller als die Karten wieder zu Hause war. Franz Sklenitzka hat mit Hase und Igel zwei liebenswerte Figuren wieder zum Leben erweckt und eigenständig weiter gesponnen. Ein wahres Lesevergnügen für Groß und Klein.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 5 Jahre.

Sklenitzka, Franz S.: Hase und Igel kaum zu bremsen, Nilpferd, 2017, € 14,95.