Ikarus fliegt

Es gibt Themen, die meidet man aus persönlichen Gründen oder weil sie gerade etwas überstrapaziert werden. Beim Thema Mobbing stellen sich mir persönlich die Nackenhaare auf. Bis auf ein paar Gängeleien, die wahrscheinlich in jeder Schullaufbahn vorkommen, habe ich es sowohl in der Grundschule als auch an der weiterführenden Schule ganz gut angetroffen und blicke mit überwiegend positiven Gefühlen zurück.

Mit der systematischen Form des Ärgerns, Belästigens, Drohens und Verfolgens bin ich erst im Referendariat konfrontiert worden. Da solche Vorkommnisse in den letzten zehn Jahren leider nicht weniger geworden sind, ist die literarische Präsenz solcher Themen ausgesprochen wichtig. Insbesondere dann, wenn verschiedene Perspektiven aufgezeigt werden.

Alex gehört zu den Opfern. Immer wieder gerät er ins Visier von Alan und seiner Gang. Die einzige Möglichkeit dem zu entkommen, ist sich möglichst unsichtbar zu machen. Keine Angriffsfläche zu bieten. Alex vervollkommnet dieses Verhalten soweit, dass es ihm gelingt den Nachhauseweg mit dem direkt nebenan wohnenden David, der zudem in seine Klasse geht, zu umgehen. Als der Neue in der Klasse  steht David ebenfalls auf der Liste von Alan, hat mit seinem defensiven Verhalten aber nicht ganz soviel Erfolg wie Alex. Bevor sich die beiden Außenseiter anfreunden und ihre Freundschaft auch nach außen zeigen, müssen sie einen steinigen Weg hinter sich bringen. Alex muss mehr als einmal gegen die Versuchung ankämpfen sich Alan anzuschließen, als dieser ihm ein „Du kannst dazugehören“ signalisiert. David hingegen kämpft mit dem Dämon des abwesenden Vaters und will mit einer lebensgefährlichen Aktion ein Zeichen setzten. Einer Aktion, deren Ursprung in die Tiefen der griechischen Mythologie zurückgeht.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 11 Jahre.

Christie, Sally: Ikarus fliegt, Aladin, 2017, € 14,95.

Nickel und Horn – Zwei Detektive mit Durchblick

Als bekennende Meerschweinchen-Freundin, gehen die lieben Kolleginnen automatisch davon aus, dass ich jedes Buch in dem in irgendeiner Form diese possierlichen Tierchen vorkommen, einatme. Umso größer war das Erstaunen, ja die Empörung, als ich zugeben musste, das neueste Werk noch nicht gelesen zu haben. Zu meiner Verteidigung sei erwähnt, dass der Wille durchaus vorhanden war, aber die Auslieferung kurz vor meinem Urlaub war schlicht ein ungünstiger Zeitpunkt.

Die Begeisterung ob dieser ausgesprochen vergnüglichen Vorlesegeschichte ist nun umso größer. Meerschweinchen erfreuen sich – ebenso wie Hunde – immer wieder und zur Zeit auffallend oft, größter Beliebtheit bei den Autoren.   Meines Wissens durften sich die Schweinchen aber bisher noch nicht als Detektiv betätigen. Dies allein ist also schon ein Novum, aber ein Duo aus Papagei und Meerschwein hat die Welt wohl noch nicht gesehen.

Beheimatet bei einem echten Detektiv, haben Nickel und Horn die Detektivarbeit von der Picke auf gelernt. Zumindest theoretisch wissen sie also was zu tun ist. Rein praktisch ist  das natürlich so eine Sache, denn Herr Locke hat sich mit seinen 90 Jahren in den wohl verdienten Ruhestand begeben. Damit dieser nicht in Gefahr gerät, wachen Hund Schlappi und Haushälterin Frau Perle mit Argusaugen über den Hausherrn. Doch was tun, wenn sich direkt nebenan die schlimmsten Verbrechen ereignen und Nachbarjunge Paul dringend die Hilfe eines erfahrenen Profidetektivs braucht? Keine Frage, Nickel und Horn stürzen sich wagemutig ins Abenteuer und begeben sich auf die Suche nach dem hinterafrikanischen Pupsetier. Auf den Spuren dieses ungewöhnlichen Zeitgenossen ist ihnen kein Weg zu weit und keine Gefahr zu groß.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 5 Jahre.

Beckerhoff, Florian: Nickel und Horn – Zwei Detektive mit Durchblick, Thienemann, 2017, €12,99.

Die Krähe am See

Das Krähen schlaue Wesen sind, die ein planerisch wirkendes Verhalten an den Tag legen, ist mir vor vielen Jahren das erste Mal aufgefallen, als ich mich bei meinen morgendlichen Laufaktivitäten am Rhein über die Mitmenschen ärgerte, die des Nachts ganz offensichtlich nichts anderes zu tun hatten, als die Mülleimer am Rheinufer zu entleeren. Da ich nicht glauben wollte, was ich dann eines Tages sah, brachte erst das sich mehrmals wiederholende Geschehen die Erkenntnis, dass die Rabenvögel nicht nur gezielt den Inhalt von Mülleimern nach draußen befördern, sondern auch Muscheln und Wasserschnecken den Fluten von Vater Rhein entreißen, um sie aus größerer Höhe auf die asphaltierte Promenade zu werfen.

Bis zu dieser Erkenntnis, bzw. Beobachtung dauerte es wieder ein Weilchen und bis dahin war es mir ein unheimlich wirkendes Rätsel, wie diese Wassertiere bei normalem Pegelstand den beträchtlichen Höhenunterschied von alleine überwinden konnten.

Darüber hinaus sind Raben und Krähen seit jeher Bestandteil der fantastischen Literatur, wo sie über eine erstaunliche Intelligenz hinaus auch immer wieder mit Zauberkräften in Erscheinung treten. Martina Wilder verbindet in ihrer Gänsehaut verursachenden Geschichte „Die unheimliche Krähe am See“ Realität, Aberglaube und eine gehörige Portion Spuk und löst damit wohlige Schauer und ein unheimliches Gefühl beim Lesen aus.

Allein die Tatsache, dass Eddi im weit entfernten Chemnitz plötzlich ein ausgeprägtes Interesse für diese Vögel entwickelt und die befreundete Ida aus dem Allgäu einen Hilferuf an ihn und seinen Bruder sendet, weil ihre Oma beim Baden in einem See regelmäßig von Krähen verfolgt wird, wirft mehr als eine Frage auf und lässt nicht unbedingt an einen Zufall glauben. Letztendlich gibt es aber für alles eine Erklärung. Bis die gefunden ist, müssen die Kinder jedoch einem Familiengeheimnis der besonderen Art auf den Grund gehen.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 11 Jahren.

Wildner, Martina: Die unheimliche Krähe am See, Beltz, 2017, € 12,95.

Die königlichen Kaninchen von London

Neben der Häschenschule gehört auch hierzulande „Peter Hase“ von Beatrix Potter zu den Vorleseklassikern. Die Langohren tummeln sich quietschfidel in Wald und Feld, um dann hin und wieder einen Abstecher in gepflegte Gemüsegarten zu unternehmen, die natürlich nicht ohne Folgen bleiben.

Verstärkung bekommt die Hasen-Liga nun von den etwas kleineren und literarisch bisher gänzlich unauffälligen Kaninchen. Ausgerechnet der ewig zaudernde, der zaghafteste und kleinste unter den Geschwistern, Shylo Tawny-Tail, gerät in ein haarsträubendes Abenteuer, bei dem um mehr geht, als um wohlschmeckende Möhren und Kohlköpfe. Es gilt die Ehre der englischen Königin zu wahren. Ihre Majestät befindet sich nämlich im Visier der verruchten Ratzes. Diese Rattenbande hat nichts anderes im Sinn, als dem Ansehen der Majestät zu schaden. Welch Glück für Shylo, dass Horatio, ein weiser, alter Kaninchenherr die Gefahr erkennt und auch weiß, was zu tun ist. Und plötzlich ist Shylo mittendrin in einem Abenteuer, von dem er nicht einmal zu träumen gewagt hätte. Ohne sich von seiner Familie zu verabschieden, muss er sofort nach London aufbrechen, um dort Kontakt zu den Königlichen Kaninchen aufzunehmen. Dieser Geheimbund zum Schutz ihrer Majestät ist der geheimste von allen und somit wissen in der Kaninchenwelt auch nur sehr wenige von dessen Existenz. Shylo hat also allen Grund weiche Knie und ein wenig Herzklopfen zu haben. Aber das darf man ja auch. Entscheidend ist, dass man trotzdem den Mut hat etwas zu tun. Genau davon erzählt diese herzerfrischende Geschichte, die zudem mit wunderbaren Illustrationen aufwartet.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 6 Jahre.

Montefiore, Santa; Montefiori Sebag, Simon: Die Königlichen Kaninchen von London, Wood Books, 2017, € 18,00.

Wilma Wackelzahn

Wilma hat ein Problem, ein großes Problem. Das Problem ist so groß, dass sie sich fast gar nicht mehr traut das Haus zu verlassen. Alle Kinder haben einen Wackelzahn und sind Mitglied im Wackelzahnclub. Nur bei Wilma wackelt nix. Alle Zähne sitzen eng beieinander im Mund und machen nicht die geringsten Anstalten sich auch nur einen Hauch nach links oder rechts, nach vorne oder hinten zu bewegen.

Ein kleines Bisschen habe ich damals auch darauf gewartet das erste Anzeichen eines sich langsam lösenden Zahns im Mund zu spüren. Wenn der erste anfängt sich zu bewegen, ist das schließlich auch der Beginn einer ganz neuen Zeit. Erst mit einem Wackelzahn ist man ein richtiges Schulkind. Wilma selber denkt allerdings gar nicht so weit. Für sie zählt nur endlich einen Wackelzahn zu haben. Denn nur mit Wackelzahn kann sie Mitglied im Wackelzahnclub werden. Verständlicher Weise ist es da kaum auszuhalten, dass Leo Strunz, Gründer und Vereinsvorstand des Wackelzahnclubs direkt drei Wackelzähne zu bieten hat.

Pfiffig und ideenreich wie Wilma ist, geht sie das Problem mit dem ihr eigenen Tatendrang an. Sie kocht und isst Wackelpudding in allen möglichen, Farben und Varianten, sie sitzt lange, sehr lange, auf einem Wackelkrokodil und schlussendlich kreiert sie den Wackelzahnzaubertanz. Keiner hat mehr Ausdauer als Wilma. An einem Sonntag ist es dann soweit. Beim Zähneputzen bewegt sich etwas …

Der erfrischende Humor und die unkonventionelle Art der Geschichte erzählen ohne den pädagogischen Zeigefinger von großen und kleinen Kindernöten.

Buchtipp von Minea Süss

Ab Wackelzahnalter.

Tielmann, Christian: Wilma Wackelzahn, Carlen, 2017, € 14,99.

Zarah & Zottel – Ein Pony auf vier Pfoten

Als wir 1989 aus ländlicher Ruhrgebietsidylle an den Niederrhein gezogen sind, haben meine Eltern es geschafft, den bevorstehenden Umzug als Abenteuer darzustellen. Meine Geschwister und ich haben uns gefreut und höchst motiviert die Schätze aus dem Kinderzimmer in Kartons gepackt. Alles war wunderbar, bis nach den Sommerferien der erste Schultag vor der Tür stand. Über die Tatsache, dass wir in der Schule plötzlich die bzw. der Neue sein werden hat keiner von uns nachgedacht. Die neugierigen und bisweilen auch ablehnenden Blicke in den ersten Tagen wird wohl keiner von uns vergessen.

In der herrlich unkonventionellen Vor- und Selbstlesegeschichte von Jan Birck, erfährt die unternehmungslustige Zarah in der neuen Umgebung zunächst eine mehr als deutlich vorgetragene Ablehnung. Hubert und die anderen Kinder im Hof reklamieren das Terrain für sich und Zarah trottet enttäuscht zurück in die Wohnung. Die Mutter, ein Multitalent im Benutzen von Bohrmaschine und anderen Gerätschaften, rät der Tochter zu einem erneuten Versuch der Kontaktaufnahme. Dieser gerät allerdings vollkommen anders, als Mutter und Leser sich vorstellen. Zarah beschließt einen vierbeinigen Freund zu suchen. Ein Pferd, besser noch ein Pony, denn das ist handlicher und passt auch in den Aufzug. Wer nun glaubt, der Wunsch stelle sich als Hirngespinst heraus, irrt. Die fidele Zarah findet im „Laden für alles“, tatsächlich ein Pony, Die frappierende Ähnlichkeit mit einem Hund wird erfolgreich ausgeblendet und es dauert auch nicht lange, bis Pony Zottel und die stolze Besitzerin in einer blitzschnell durchgeführten Rettungsaktion nicht nur Huberts, sondern auch die Herzen der anderen Kinder gewinnen. Dass der Ladenbesitzer sich mit  – von den Kindern zusammengelegten – € 6,50 für den Ponyhund begnügt und die Mutter als alleinerziehende Notärztin aufgrund des Umzugs gerade kein Geld für ein Tier übrig hat, macht die einzelnen Figuren noch sympathischer.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 6 Jahre.

Birck, Jan: Zarah & Zottel – Ein Pony auf vier Pfoten, Sauerländer Fischer, 2017, € 9,99.

 

Weck bloß Tiger nicht auf!

Das illustriertes Papier mit ein bisschen Text zwischen zwei Buchdeckeln ohne elektronischen Schnickschnack so intensiv   interaktiv sein kann, dass man als lesende und betrachtende Person das Gefühl hat, die Seiten erwachen zum Leben, ist spätestens seit dem Erscheinen des Mitmacht Buchs von Hervé Tullet bei lesebegeisterten großen und kleinen Buchguckern bekannt. Um weitere gelungene Beispiele für ein aktives Miteinander zwischen Buch und Lesenden zu nennen, reichen die Finger an einer Hand kaum noch aus. Um so erfreulicher ist es, wenn der bestehende Buchreigen durch eine weitere ausgesprochen gelungene Neuerscheinung bereichert wird.

Britta Teckentrup lässt uns die Bekanntschaft mit dem schlafenden Tiger machen. Gut sichtbar liegt er da in seiner ganzen Pracht und schläft tief und fest. Von links schauen Storch, Fuchs, Maus, Frosch und Schildkröte betreten ins Bild. Der Blick – wie sollte es anders sein – ist auf den schlafenden Tiger gerichtet. Das Problem liegt auf der Hand. Tiger liegt im Weg. Genau da, wo der gestreifte Kerl sein Schläfchen hält, müssen die anderen Tiere vorbei, ohne den Schlafenden dabei aufzuwecken. Diese schwierige und anspruchsvolle Aufgabe kann natürlich nur mit Hilfe der Lesenden gemeistert werden. Die müssen ganz schön mutig sein, ich für meinen Teil habe ganz schön geschwitzt, als ich die Nase des Tigers gestreichelt habe. Kaum war diese Hürde genommen, musste ich dem Fuchs helfen, auf einem Luftballon über Tiger hinweg zu fliegen. Um den stattlichen Fuchs über den Tiger zu befördern, braucht man ganz schön Lungenvolumen. Der Ganzkörpereinsatz lohnt aber auf jeden Fall. Am Ende der Strapazen wartet nämlich eine tolle Überraschung.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 3 Jahre.

Teckentrup, Britta: Weck bloß Tiger nicht auf!, annette betz, 2017, € 14,95.

William Wenton und die Jagd nach dem Luridium

Alles was technisch, rätselhaft und nicht auf den ersten Blick verständlich wirkt, übt eine geradezu magische Anziehung auf William aus. Ohne es zu wissen, hat er von seinem – vor acht Jahren verschwundenen – Großvater eine besondere Fähigkeit geerbt. Mühelos kann der Junge die schwierigsten Codes knacken oder technische Gimmicks nur durch genaues Anschauen nachbauen. Mit seiner überaus schnellen Auffassungsgabe und dem kaum zu unterdrückenden Drang den Dingen auf den Grund zu gehen, eckt William in der Schule allerdings immer wieder unfreiwillig an. Sein Klassenlehrer Herr Humburger hat ihn regelrecht auf dem Kieker und seine Eltern sind regelmäßige Treffen und Telefonate mit dem Rektor schon gewohnt. William weiß, dass er nicht auffallen darf, schließlich sind er und seine Eltern Inkognito, d. h. unter falschem Namen in Norwegen. Warum genau, verraten die Eltern dem Jungen nicht.

Erst nachdem William, vollkommen unfreiwillig, bei einem Ausstellungsbesuch den schwierigsten Code der Welt entschlüsselt, kommt er nach und nach dem Geheimnis seiner Vergangenheit und dem wahren Grund seiner außergewöhnlichen Begabungen auf die Spur.

Robbie Peers hat eine sympathische Figur geschaffen, die in dem Bemühen sich möglichst unauffällig zu verhalten oftmals genau das Gegenteil erreicht. Die natürliche Neugier des vielseitig interessierten Jungen, manövriert ihn immer wieder in unangenehme Situationen. Dennoch gibt William nicht auf und verfolgt konsequent sein Ziel das Geheimnis um das Verschwinden seines Großvaters zu lüften. Hierbei ist ihm nicht nur die loyale und pfiffige Iscia, sondern auch eine Vielzahl witziger und schräger Roboter eine Hilfe.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 11 Jahre.

Peers, Bobbie: William Wenton und die Jagd nach dem Luridium, Carlsen, 2017, € 14,99.

 

 

Mach dein eigenes Alien Abenteuer

Als Kind faszinierte mich die Möglichkeit in ein Buch zu malen genauso, wie sie mich abschreckte. Von meiner Mutter hatte ich eine Kinderbibel bekommen, in der auf der linken Seite immer eine Bibelgeschichte stand und auf der rechten Seite war bei jeder zweiten Geschichte anstelle des Bildes eine große gerahmte Fläche zum selber Malen. Die Angst, dies besondere Buch zu verunstalten war durchaus berechtigt. Das hochwertige, leicht beschichtete Papier vertrug sich mit den Buntstiften nur sehr bedingt. Ein gleichmäßiger Farbauftrag war kaum möglich und somit kam das Projekt nicht über das Anfangsstadium hinaus. Erfolgreicher waren die Versuche in der wunderbaren Malschule von James Krüss. Der Bleistift glitt geschmeidig über das Papier und lediglich die Erkenntnis die einfach wirkenden Figuren nicht in Null Komma Nichts auf das Papier zu bringen, bremsten den anfänglichen Enthusiasmus.

Als ich mich nun in die skurile Mischung zwischen Geschichte und Mitmachbuch von Andrew und Chris Judge vertiefte, hatte ich Mühe, den sehr konkreten Anweisungen auf jeder Seite nicht Folge zu leisten. Die Geschichte des kleinen Aliens, der mit seinem Raumschiff unfreiwillig auf einem Schulhof landet und unschuldig durch das Fenster in einen Klassenraum schaut, ist herrlich schräg. Die kreischende Frau Rotstift in ihrer Rolle als Lehrerin ist eine wahre Freude, genauso wie die neugierige Karla Kritzel. Ohne nachzudenken nimmt sie die Verfolgung des ungewöhnlichen Besuchers auf und rast los. Bevor sie durch das Schultor geht, muss sie sich aber noch schnell eine Genehmigung zum Verlassen des Schulgeländes holen. Wir als Lesende müssen das auch. Ist das geschafft, kann das Abenteuer richtig losgehen und mit unseren Zeichenbeiträgen sind wir unmittelbar ein Teil davon.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 8 Jahre.

Judge, A. und C.: Mach dein eigenes Alien Abenteuer, Gulliver, 2017, € 9,95.

Die Schule für kleine Hunde – Polly und der Wurstdieb

Die Zeiten, in denen sich Hunde ungestört durch die Welt schnüffeln konnten, sind vorbei. Schlafen, fressen, der Nachbarkatze oder dem Kollegen auf der Hundewiese hinterher jagen, sich genüsslich in einem unscheinbaren Häufchen Dreck wälzen und sich diebisch über den tollen neuen Körperduft freuen, sind Dinge, die der weltgewandte Vierbeiner allenfalls in seinen Träumen genießen kann. Hundemädchen Polly gibt uns einen kurzweiligen und spannenden Einblick in den modernen Hundealltag. Vergnügt macht sie sich jeden Morgen auf den Weg in die Schule, schließlich will sie auch so ein erfolgreicher und unerschrockener Polizeihund werden wie ihr Vater und ihre Mutter. Gemessen an ihrem tatkräftigen Einsatz auf dem Schulweg, stehen die Aussichten mehr als gut, dass Polly in naher Zukunft offiziell für Recht und Ordnung eintreten kann. Leider führt ihr Engagement für das kleine Mädchen, dessen Teddybär verloren gegangen ist und der netten alten Dame, die beim Überqueren der Straße dringend Hilfe benötigt, erst einmal nicht zum gewünschten Erfolg. Die konkrete Anwendung des Schulstoffs im Alltag, verzögert Pollys Eintreffen in der Schule beträchtlich. Zu allem Überfluss glaubt man ihr den Grund für die Verspätung nicht und von der wichtigen Prüfung wird sie an dem Tag auch ausgeschlossen. Was als nette Hundegeschichte beginnt, wendet sich unversehens zum Hundekrimi. Polly muss ihren ganzen Scharfsinn und Mut aufbringen, um zu beweisen, dass sie die Leckerlis, die sie zur Strafe bewachen soll nicht aufgefuttert hat. Die spannend und lustig erzählte Geschichte des quirligen Hundemädchens ist aufgrund der größeren Schrift und des doppelten Zeilenabstands sowie der zahlreichen Bilder bestens für Kinder ab Ende der ersten Klasse zum Selberlesen geeignet.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 7 Jahre.

Lewis, Gill: Die Schule für kleine Hunde – Polly und der Wurstdieb, dtv Junior, 2017, € 8,95.