Die abenteuerliche Reise der Ballerinus

Von außen betrachtet ist Ravis Leben traurig und von Einsamkeit geprägt. Die Mutter ist tot und Tante Lena hat eine sehr spezielle Auffassung von ihrer Funktion als Tante und einzige lebende Verwandte des Neffen. Sie bleibt lieber auf Abstand und lässt das Kind in einem Wohnwagen am Kanal leben. Alleine! Wie gesagt von außen betrachtet keine schöne Situation für ein Kind. Aber Ravi ist – vielleicht aufgrund seines Schicksals – anders als andere Kinder. Er begnügt sich mit einem Lächeln von dem wortkargen Fährkapitän, mit dem er sich in stummer Eintracht gerne seine Portion Pommes  teilt. Ihm genügt die Stundenweise Gesellschaft eines herumstreunenden Hirtenhundes, der ihn jeden Tag besucht. Außerdem steht sein Wohnwagen da, wo er sich am wohlsten fühlt und gerne verweilt, am Wasser. An seinem Geburtstag, an Ostern und auch an Weihnachten, denkt seine Tante an ihn und schickt ihm etwas. Zum Geburtstag gibt es immer einen Gutschein für eine Torte seiner Wahl und noch ein richtiges Geschenk. Plötzlich, über Nacht sozusagen, tritt jemand in sein Leben, mit dem er nicht nur die Geburtstagstorte, sondern auch andere Dinge wie Freude und manchmal auch ein bisschen Traurigkeit teilen kann. Mit dem alten Seebären Sepp und seinem neunmalklugen und nörgeligen Papagei John tritt ein Mensch in sein Leben, mit dem ihn nicht nur eine tiefe Freundschaft, sondern auch das Ziel verbindet, anderen etwas Gutes zu tun. Die „anderen“, das sind Zootiere, die früher einmal in einem Zirkus aufgetreten sind. Da die Idee mit dem Zoo nicht so gut funktioniert, sollen sie an einen Metzger verkauft werden. Keine Frage, hier muss eingegriffen werden und schon beginnt ein fantastisches Abenteuer.

 

Buchtipp von Minea Süss

Ab 11 Jahre.

Bolt, Arienne: Die abenteuerliche Reise der Ballerinen, Gerstenberg, 2018, € 18,00.

Emmi & Einschwein

Den einzigen Tierwunsch, den ich als Kind hatte, und der in Gestalt eines gemalten Wunschzettels, den ich dann zum 40. Geburtstag feierlich überreicht bekam, immer noch existiert, haben meine Eltern tatsächlich erfüllt. Viele andere Wünsche sind gar nicht erst entstanden, da meine Eltern ohne Nachhilfe von uns Kindern freiwillig Meerschweinchen, Kaninchen, Enten, einen Fischteich und anderes Getier anschafften. Schaf und Ochse waren die Spezialität von Uroma und leider vor meiner Zeit. Meine Begeisterung für Schweine jedweder Art rührt ebenfalls aus der Kindheit. Die beste Freundin meiner Mutter hatte eine Schweinezucht. Insofern bin ich ausgesprochen beglückt von der Idee der Welt ein Einschwein zu schenken. Einhörner gibt es schließlich schon genug. Der Wunsch ein so graziles Fabelwesen zu besitzen ist aber umso nachvollziehbarer, wenn man – wie Emmi – in Wichtelstadt lebt. Nun verheißt der Ort an sich schon viel Spaß und Abenteuer, aber da die Kinder dort zum zehnten Geburtstag ein Fabelwesen bekommen, hätte Wichtelstadt in unserer Welt sicher keine Probleme auf Platz eins der beliebtesten Orte weltweit zu kommen. Im Haushalt von Familie Brix leben bereits ein Drache, eine Klingende Wildkatze und ein Blütenspatz. Bis auf die eine oder andere Eigenart alles ganz allerliebste Hausgenossen. Insbesondere dann, wenn man unter Aufsicht des Vaters und in Abwesenheit von Mama die Sandwiches von Drache Henk grillen lässt. Anstelle des sehnlichst gewünschten Einhorns bekommt Emmi zum Geburtstag aber ein Einschwein und ist erst einmal nicht sehr glücklich mit dem stets gut gelaunten Tier. Erst als sie und ihre Geschwister nach und nach bemerken welch grandiose Fähigkeiten und Vorzüge Einschwein hat, ist man versöhnt.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 9 Jahre.

Böhm, Anna: Emmi & Einschwein – Einhorn kann jeder!, Oetinger, 2018, € 13.00

Hase und Igel kaum zu bremsen!

Die Kassette mit der Geschichte von Hase und Igel und ihrem Wettlauf, haben meine Geschwister und ich in Dauerwiederholung gehört. Mehr als einmal gab es auch Bandsalat. Meistens saß meine Mutter dann mit dem Tonträger und einer Gabel bewaffnet auf der Eckbank und hat das verknüddelte Band entwirrt und mit Hilfe des Essbestecks, der Griff passte genau in die runden Einlegelöcher, wieder aufgedreht. Die Trauer war natürlich groß, als das geliebte Stück irgendwann nicht mehr zu retten war.

Kaum hatte ich den Vorleseband von Hase und Igel aufgeschlagen und just den berühmten Klassiker als erste Geschichte entdeckt, waren die Kindheitserinnerungen wieder gegenwärtig. Nach diesem schönen Auftakt folgen eine Reihe flott erzählter Abenteuer, die Hase und Igel miteinander erleben. Die Idee des Wettlaufs zieht sich dabei als roter Faden durch die Geschichten und wird sehr originell in immer wieder anderen Varianten weiter gesponnen. Da die beiden ausgesprochen unternehmungslustig sind, landen sie nicht nur in der Schule sondern auch im fernen Süden. Urlaub machen ist ja schließlich etwas, dass ein Hase und Igel von Welt auch einmal ausprobiert haben muss. Sehr schön ist hier die Idee die beiden Freunde einen unfreiwilligen Wettlauf  gegen die Urlaubspostkarten machen zu lassen. Nach der ersten Enttäuschung, dass die mit viel Sorgfalt und Liebe geschriebenen Karten noch nicht angekommen sind, siegt die Freude darüber, dass man schneller als die Karten wieder zu Hause war. Franz Sklenitzka hat mit Hase und Igel zwei liebenswerte Figuren wieder zum Leben erweckt und eigenständig weiter gesponnen. Ein wahres Lesevergnügen für Groß und Klein.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 5 Jahre.

Sklenitzka, Franz S.: Hase und Igel kaum zu bremsen, Nilpferd, 2017, € 14,95.

Dysseus

Warum ich den Inhalt griechischer Sagen bei aller Begeisterung für diese wortgeladenen und spannungsgewaltigen Dichtungen immer wieder vergesse, ist und bleibt mir ein ewiges Rätsel. Normalerweise kann ich mir Inhalte gut merken, aber das weitreichende Netz verwandtschaftlicher Bande scheint ein Grund, warum nur einzelne Bruchstücke haften bleiben.

Wie lohnenswert, bereichernd, zeitlos und unterhaltend diese alten Geschichten sind, zeigt sich gerade in der modernen Adaption von Simon van der Geest. Gestalten wie Odysseus hat es immer schon gegeben und somit verwundert es auch nicht, dass es im Hier und Jetzt einen Jungen gibt, der auf den Spuren des großen Vorbilds wandelt. Authentisch sind nicht nur die einzelnen Stationen der Irrfahrt, sondern auch das Versmaß, welches den Leser nach anfänglichem Holpern zunehmend in Bann zieht, bis man unversehens eins ist mit dem Rhythmus. Jüngere Leser bemerken wahrscheinlich sehr viel eher als ich die Parallele zu Musikrichtungen wie Rapp und Hipp und Hop, deren Sprechgesang sich als Alternative zum lauten Vorlesen förmlich aufdrängt.

Spannend und mitreißend nimmt Dysseus gleich auf der ersten Seite die Leser für sich ein, indem er eine Alltagssituation schildert, die für manch Betroffene geradezu traumatische Ausmaße annehmen kann. Flegelhafte, ältere Jungs, die zum persönlichen Zeitvertreib Jüngere ärgern. Und wer wünscht sich in so einer Situation nicht wie Dysseus Heldenmut zu verspüren und den Spieß umzudrehen? Wie das gelingen kann, dass sollte man unbedingt selbst nachlesen und dabei auch die geniale Bildsprache der Illustrationen genießen.

Fans griechischer Mythologie, insbesondere Fans der Nacherzählungen von Dimiter Inkiow, sei der Vergleich der beiden Odysseus Varianten empfohlen.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 10 Jahre.

van der Geest, Simon: Dysseus, Thienemann, 2017, € 12,99.

 

Warum Sonntage so schön sind

Sonntage sind besondere Tage. Tage, an denen man länger schlafen oder sogar ganz im Bett bleiben kann. Sonntage sind gemütlich und für Freunde und Familie reserviert. So halten es auch Wendelin und seine quirlige Freundesschar, die zusammen in einem kleinen, hübschen Haus wohnen. Wenn die ganze Woche über tausend verschiedene Dinge passieren und ständig das Telefon klingelt, weil Tante Gertrud wissen will, ob etwas interessantes geschehen ist, nur um kurz darauf persönlich vorbei zukommen, dann ist es nur verständlich, dass Hase, Maus, Ente und Schaf zusammen mit Wendelin ihr Sonntagsritual mit allem Drum und Dran voll auskosten wollen.

Wie Sonnenstrahlen entfalten die kurzen, locker zusammen hängenden Einzelgeschichten von Kristina Andres beim Vorlesen ihre Stahlkraft und erwärmen nicht nur das Herz, sondern auch das Gemüt. Der Charme der Geschichten entwickelt sich aus den unscheinbaren Alltagsbegebenheiten, die die liebenswerten Protagonisten aus einer kindlichen Perspektive heraus besonders erscheinen lassen. Es ist das Staunen über scheinbar Belangloses, dass in der übersichtlichen Welt von Wendelin und Co stets für Abwechslung, Heiterkeit und Aufregung sorgt.

Letztere bringt mit schöner Regelmäßigkeit Tante Gertrud mit sich. Insbesondere ihr Fund im Keller verändert das Leben von Neffe Wendelin und dessen Hausgenossen beträchtlich. Kaum hat die geschäftige Tante das gefundene Telefon – schön altmodisch mit großer Wählscheibe und langem Kabel – beim Neffen installiert, klingelt es beständig. Es könnte ja etwas passiert sein und als Tante muss man eben stets auf dem Laufenden bleiben. Dank der außergewöhnlichen Geschenke von Tante Gertrud ist tatsächlich immer etwas los in dem kleinen Haus.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 4 Jahre.

Andres, Kristina: Warum Sonntage so schön sind – Geschichten von Wendelin und Tante Gertrud, Nilpferd, 2017, €14,95.

Ikarus fliegt

Es gibt Themen, die meidet man aus persönlichen Gründen oder weil sie gerade etwas überstrapaziert werden. Beim Thema Mobbing stellen sich mir persönlich die Nackenhaare auf. Bis auf ein paar Gängeleien, die wahrscheinlich in jeder Schullaufbahn vorkommen, habe ich es sowohl in der Grundschule als auch an der weiterführenden Schule ganz gut angetroffen und blicke mit überwiegend positiven Gefühlen zurück.

Mit der systematischen Form des Ärgerns, Belästigens, Drohens und Verfolgens bin ich erst im Referendariat konfrontiert worden. Da solche Vorkommnisse in den letzten zehn Jahren leider nicht weniger geworden sind, ist die literarische Präsenz solcher Themen ausgesprochen wichtig. Insbesondere dann, wenn verschiedene Perspektiven aufgezeigt werden.

Alex gehört zu den Opfern. Immer wieder gerät er ins Visier von Alan und seiner Gang. Die einzige Möglichkeit dem zu entkommen, ist sich möglichst unsichtbar zu machen. Keine Angriffsfläche zu bieten. Alex vervollkommnet dieses Verhalten soweit, dass es ihm gelingt den Nachhauseweg mit dem direkt nebenan wohnenden David, der zudem in seine Klasse geht, zu umgehen. Als der Neue in der Klasse  steht David ebenfalls auf der Liste von Alan, hat mit seinem defensiven Verhalten aber nicht ganz soviel Erfolg wie Alex. Bevor sich die beiden Außenseiter anfreunden und ihre Freundschaft auch nach außen zeigen, müssen sie einen steinigen Weg hinter sich bringen. Alex muss mehr als einmal gegen die Versuchung ankämpfen sich Alan anzuschließen, als dieser ihm ein „Du kannst dazugehören“ signalisiert. David hingegen kämpft mit dem Dämon des abwesenden Vaters und will mit einer lebensgefährlichen Aktion ein Zeichen setzten. Einer Aktion, deren Ursprung in die Tiefen der griechischen Mythologie zurückgeht.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 11 Jahre.

Christie, Sally: Ikarus fliegt, Aladin, 2017, € 14,95.

Nickel und Horn – Zwei Detektive mit Durchblick

Als bekennende Meerschweinchen-Freundin, gehen die lieben Kolleginnen automatisch davon aus, dass ich jedes Buch in dem in irgendeiner Form diese possierlichen Tierchen vorkommen, einatme. Umso größer war das Erstaunen, ja die Empörung, als ich zugeben musste, das neueste Werk noch nicht gelesen zu haben. Zu meiner Verteidigung sei erwähnt, dass der Wille durchaus vorhanden war, aber die Auslieferung kurz vor meinem Urlaub war schlicht ein ungünstiger Zeitpunkt.

Die Begeisterung ob dieser ausgesprochen vergnüglichen Vorlesegeschichte ist nun umso größer. Meerschweinchen erfreuen sich – ebenso wie Hunde – immer wieder und zur Zeit auffallend oft, größter Beliebtheit bei den Autoren.   Meines Wissens durften sich die Schweinchen aber bisher noch nicht als Detektiv betätigen. Dies allein ist also schon ein Novum, aber ein Duo aus Papagei und Meerschwein hat die Welt wohl noch nicht gesehen.

Beheimatet bei einem echten Detektiv, haben Nickel und Horn die Detektivarbeit von der Picke auf gelernt. Zumindest theoretisch wissen sie also was zu tun ist. Rein praktisch ist  das natürlich so eine Sache, denn Herr Locke hat sich mit seinen 90 Jahren in den wohl verdienten Ruhestand begeben. Damit dieser nicht in Gefahr gerät, wachen Hund Schlappi und Haushälterin Frau Perle mit Argusaugen über den Hausherrn. Doch was tun, wenn sich direkt nebenan die schlimmsten Verbrechen ereignen und Nachbarjunge Paul dringend die Hilfe eines erfahrenen Profidetektivs braucht? Keine Frage, Nickel und Horn stürzen sich wagemutig ins Abenteuer und begeben sich auf die Suche nach dem hinterafrikanischen Pupsetier. Auf den Spuren dieses ungewöhnlichen Zeitgenossen ist ihnen kein Weg zu weit und keine Gefahr zu groß.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 5 Jahre.

Beckerhoff, Florian: Nickel und Horn – Zwei Detektive mit Durchblick, Thienemann, 2017, €12,99.

Die Krähe am See

Das Krähen schlaue Wesen sind, die ein planerisch wirkendes Verhalten an den Tag legen, ist mir vor vielen Jahren das erste Mal aufgefallen, als ich mich bei meinen morgendlichen Laufaktivitäten am Rhein über die Mitmenschen ärgerte, die des Nachts ganz offensichtlich nichts anderes zu tun hatten, als die Mülleimer am Rheinufer zu entleeren. Da ich nicht glauben wollte, was ich dann eines Tages sah, brachte erst das sich mehrmals wiederholende Geschehen die Erkenntnis, dass die Rabenvögel nicht nur gezielt den Inhalt von Mülleimern nach draußen befördern, sondern auch Muscheln und Wasserschnecken den Fluten von Vater Rhein entreißen, um sie aus größerer Höhe auf die asphaltierte Promenade zu werfen.

Bis zu dieser Erkenntnis, bzw. Beobachtung dauerte es wieder ein Weilchen und bis dahin war es mir ein unheimlich wirkendes Rätsel, wie diese Wassertiere bei normalem Pegelstand den beträchtlichen Höhenunterschied von alleine überwinden konnten.

Darüber hinaus sind Raben und Krähen seit jeher Bestandteil der fantastischen Literatur, wo sie über eine erstaunliche Intelligenz hinaus auch immer wieder mit Zauberkräften in Erscheinung treten. Martina Wilder verbindet in ihrer Gänsehaut verursachenden Geschichte „Die unheimliche Krähe am See“ Realität, Aberglaube und eine gehörige Portion Spuk und löst damit wohlige Schauer und ein unheimliches Gefühl beim Lesen aus.

Allein die Tatsache, dass Eddi im weit entfernten Chemnitz plötzlich ein ausgeprägtes Interesse für diese Vögel entwickelt und die befreundete Ida aus dem Allgäu einen Hilferuf an ihn und seinen Bruder sendet, weil ihre Oma beim Baden in einem See regelmäßig von Krähen verfolgt wird, wirft mehr als eine Frage auf und lässt nicht unbedingt an einen Zufall glauben. Letztendlich gibt es aber für alles eine Erklärung. Bis die gefunden ist, müssen die Kinder jedoch einem Familiengeheimnis der besonderen Art auf den Grund gehen.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 11 Jahren.

Wildner, Martina: Die unheimliche Krähe am See, Beltz, 2017, € 12,95.

Die königlichen Kaninchen von London

Neben der Häschenschule gehört auch hierzulande „Peter Hase“ von Beatrix Potter zu den Vorleseklassikern. Die Langohren tummeln sich quietschfidel in Wald und Feld, um dann hin und wieder einen Abstecher in gepflegte Gemüsegarten zu unternehmen, die natürlich nicht ohne Folgen bleiben.

Verstärkung bekommt die Hasen-Liga nun von den etwas kleineren und literarisch bisher gänzlich unauffälligen Kaninchen. Ausgerechnet der ewig zaudernde, der zaghafteste und kleinste unter den Geschwistern, Shylo Tawny-Tail, gerät in ein haarsträubendes Abenteuer, bei dem um mehr geht, als um wohlschmeckende Möhren und Kohlköpfe. Es gilt die Ehre der englischen Königin zu wahren. Ihre Majestät befindet sich nämlich im Visier der verruchten Ratzes. Diese Rattenbande hat nichts anderes im Sinn, als dem Ansehen der Majestät zu schaden. Welch Glück für Shylo, dass Horatio, ein weiser, alter Kaninchenherr die Gefahr erkennt und auch weiß, was zu tun ist. Und plötzlich ist Shylo mittendrin in einem Abenteuer, von dem er nicht einmal zu träumen gewagt hätte. Ohne sich von seiner Familie zu verabschieden, muss er sofort nach London aufbrechen, um dort Kontakt zu den Königlichen Kaninchen aufzunehmen. Dieser Geheimbund zum Schutz ihrer Majestät ist der geheimste von allen und somit wissen in der Kaninchenwelt auch nur sehr wenige von dessen Existenz. Shylo hat also allen Grund weiche Knie und ein wenig Herzklopfen zu haben. Aber das darf man ja auch. Entscheidend ist, dass man trotzdem den Mut hat etwas zu tun. Genau davon erzählt diese herzerfrischende Geschichte, die zudem mit wunderbaren Illustrationen aufwartet.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 6 Jahre.

Montefiore, Santa; Montefiori Sebag, Simon: Die Königlichen Kaninchen von London, Wood Books, 2017, € 18,00.

Wilma Wackelzahn

Wilma hat ein Problem, ein großes Problem. Das Problem ist so groß, dass sie sich fast gar nicht mehr traut das Haus zu verlassen. Alle Kinder haben einen Wackelzahn und sind Mitglied im Wackelzahnclub. Nur bei Wilma wackelt nix. Alle Zähne sitzen eng beieinander im Mund und machen nicht die geringsten Anstalten sich auch nur einen Hauch nach links oder rechts, nach vorne oder hinten zu bewegen.

Ein kleines Bisschen habe ich damals auch darauf gewartet das erste Anzeichen eines sich langsam lösenden Zahns im Mund zu spüren. Wenn der erste anfängt sich zu bewegen, ist das schließlich auch der Beginn einer ganz neuen Zeit. Erst mit einem Wackelzahn ist man ein richtiges Schulkind. Wilma selber denkt allerdings gar nicht so weit. Für sie zählt nur endlich einen Wackelzahn zu haben. Denn nur mit Wackelzahn kann sie Mitglied im Wackelzahnclub werden. Verständlicher Weise ist es da kaum auszuhalten, dass Leo Strunz, Gründer und Vereinsvorstand des Wackelzahnclubs direkt drei Wackelzähne zu bieten hat.

Pfiffig und ideenreich wie Wilma ist, geht sie das Problem mit dem ihr eigenen Tatendrang an. Sie kocht und isst Wackelpudding in allen möglichen, Farben und Varianten, sie sitzt lange, sehr lange, auf einem Wackelkrokodil und schlussendlich kreiert sie den Wackelzahnzaubertanz. Keiner hat mehr Ausdauer als Wilma. An einem Sonntag ist es dann soweit. Beim Zähneputzen bewegt sich etwas …

Der erfrischende Humor und die unkonventionelle Art der Geschichte erzählen ohne den pädagogischen Zeigefinger von großen und kleinen Kindernöten.

Buchtipp von Minea Süss

Ab Wackelzahnalter.

Tielmann, Christian: Wilma Wackelzahn, Carlen, 2017, € 14,99.