Meine liebsten Wörter!

Bildwörterbücher gibt es wie Sand am Meer. Die Auswahl und Bandbreite an Verlagen und Variationen zu dieser Form des Pappbilderbuches für die ganz Kleinen ist wirklich groß, um nicht zu sagen unübersichtlich.

Bei der Durchsicht habe ich mich dabei ertappt, immer wieder die Titel in die Hand zu nehmen und durchzublättern, die in der grafischen Darstellung sehr konventionell daher kommen. Führt man sich vor Augen, dass die Zielgruppe bei 18 Monaten beginnt, machen abstrakte Darstellungen und grafische Experimente auch wenig Sinn. Als Unterstützung in der Spracherwerbsphase, geht es um einen nachvollziehbaren Alltagsbezug. Dem entsprechend kommt man an Themen wie Bauernhof, Zoo, Fahrzeuge und Zuhause nicht vorbei. Die Illustratorin Monika Neubacher-Fesser greift diese Themenfelder ebenfalls auf. Mit ihrer liebevollen Sicht auf Gegenstände, Personen, Tiere und Situationen, zieht sie kleine und große Leser in ihren Bann und fördert den Austausch erster Eindrücke. Der Einstieg in die jeweilige Themenwelt beginnt immer mit einer Doppelseite, auf der ca. 10 Abbildungen mit der Wortbezeichnung dargestellt sind. Auf den folgenden Seiten lassen sich diese Bilder immer wieder in neuen Zusammenhängen entdecken und suchen. Altersentsprechend sind die dargestellten Alltagssituationen nicht so wimmelig wie in der „Sachen suchen“ Reihe für Ältere. Die übersichtlichen Bilder, in denen immer wieder die eingangs vorgestellten Einzelmotive entdeckt werden können, eignen sich aufgrund der Wiederholung bestens zum Üben einzelner Wörter.

 

Buchtipp von Minea Süss

Ab 18 Monate

Neubacher-Fesser, Monika; Gernhäuser, Susanne: Meine liebsten Wörter, Ravensburger, 2017, € 7,99.

 

 

10 kleine Burggespenster gingen auf die Reise

10_kleine_Burggespenster_Vertreter_Cover.inddWas die Munterkeit in den frühen Morgen- bzw. Abendstunden angeht, gehört man entweder zu den Lerchen oder den Eulen. Ich für meinen Teil gehöre seit frühester Kindheit zu dem Frühaufsteher-Federvieh. Für Nachtwanderungen kann und konnte ich mich allerdings immer begeistern, schließlich macht man so etwas ja nicht jeden Tag. Angesichts der sehr ausgedehnten Wanderung, die die 10 kleinen Burggespenster von Susanne Göhlich zu nachtschwarzer Stunde unternehmen, bekommt man augenblicklich Lust, mit Taschen- oder Stirnlampe ausgerüstet loszuziehen, um in nahen und fernen Abenteuerwelten zu landen. Da man den sympathischen, stets gut gelaunten Gesellen nicht alles nachmachen muss, sollte man jedoch unbedingt auf die Vollständigkeit der Gruppe achten. Denn noch bevor es richtig losgeht, sind es nur neun Gespenster, die eine Reise durch die Nacht antreten. Im Verlauf der Unternehmung werden die unterschiedlichsten Ziele angesteuert und trotz aller Vorsicht verschwindet immer ein kleines Gespenst. Die aktuelle Anzahl lässt sich bildlich anhand des am oberen Bildrand angebrachten Registers nachvollziehen. Mit jedem Umblättern verschwindet eins der leuchtend weißen Nachtwesen. Passend dazu erzählt der ergänzende Reim, was zu dem Verschwinden geführt hat. Die Gründe für die stetige Verkleinerung der Reisegruppe sind vielfältiger Natur. Sie reichen von verschlafen, über Angst haben, Erschöpfung, Verzauberung bis hin sich in einen gemütlichen Sessel zurückzuziehen oder in einer Geisterbahn arbeiten. Am Abend jedoch, wenn die Sonne sich langsam neigt und am Horizont verschwindet, sind wie von Zauberhand alle Gespenster wieder in der Burg vereint und fallen nach all den Eindrücken und Erlebnissen in rechtschaffenen Schlaf. Manchmal gibt es eben gute Gründe, warum die Geisterstunde ausfällt.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 3 Jahre.

Göhlich, Susanne: 10 kleine Burggespenster gingen auf die Reise, Orell Füssli, 2016, € 9,95.

Mein Riesenbilderbuch – Sachen suchen – Alle meine Tiere

Riesenbilderbuch

Eine Reise durch unterschiedliche Klimazonen und der damit verbundenen Flora und Fauna lässt sich in Bonn problemlos an einem Tag realisieren. Das Museum König, der Botanische Garten oder der in der weiteren Nachbarschaft gelegene Kölner Zoo laden gerade in den Ferien dazu ein, die Sehenswürdigkeiten vor der eigenen Haustür zu entdecken. Damit man sich an Ferienruhetagen, die man Zuhause verbringt nicht langweilt, kann man mithilfe des überdimensionierten Pappbilderbuchs von Amrei Fechner zu einer Safari der besonderen Art aufbrechen. Gestartet wird im Nahbereich. Sowohl das Titelbild, als auch die erste Schautafel entführen uns auf einen Bauernhof. Hier ist die Welt noch in Ordnung. Kühe, Pferde und Schafe sind auf der Weide, der Hahn kräht auf dem Misthaufen, auf dem Dach klappert der Storch und auch die Schwalben in der Luft fehlen nicht. Um auch die kleinen Lebewesen wie Insekten oder den unterirdisch lebenden Maulwurf und die possierlichen Feldmäuse sichtbar zu machen, ist dieser Bildausschnitt perspektivisch herangezoomt.

Vom europäischen Bauernhof geht es dann geradewegs in die weite Steppen- und Savannenlandschaft des afrikanischen Kontinents. Einmal umblättern und schon stellt sich den aufmerksam Schauenden die Frage, wo sich  Graukopfliest, Gnu und all die anderen Tiere versteckt haben. Am linken Bildrand sind die jeweiligen Tiere nochmals gesondert mit Namen aufgeführt und bieten somit nicht nur einen Suchanreiz, sondern auch eine nette Hilfestellung für all jene, die das eben erwähnte Vogeltier fälschlicherweise als Eisvogel verorten.

Nach Stationen „Am Nordmeer“, „Im Urwald“, „Am Wildbach im hohen Norden“ und einem Abstecher in „Die Unterwasserwelt“ eines Korallenriffs, landen wir wieder in heimischen Gefilden. Die Aufregende und abwechslungsreiche Rundreise schließt mit einer Nachtwanderung durch den Wald ab. Langweilig? Keinesfalls. Getarnt vom fahlen Mondlicht, sind zahlreiche Tiere unterwegs und warten darauf entdeckt zu werden.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 2 Jahre.

Fechner, Amrei: Mein Riesenbilderbuch, Sachen suche, Alle meine Tiere, Ravensburger, 2016, € 19,99.

In einer Vollmondnacht in meinem Garten

csm_9783407820952_2b0e0a6137Ob die Aktivitäten im Garten meiner Eltern bei Vollmond stattfanden, ist nicht überliefert. Nach erfolgreich beendeter Pubertät verkündete Bruder Nr. 2 mit verklärtem Blick, die Meetings und Freiluftnächte im Vorgarten hinter dem lauschig mit Efeu bewachsenen Zaun seien doch toll gewesen. Da weder die Nachbarschaft, noch wir als Familie von diesen netten Gewohnheiten Kenntnis hatten, ist anzunehmen, dass die Herren sich äußerst gesittet verhalten haben. Vielleicht waren Sie aber auch schlicht sprachlos, weil sie nicht alleine waren. Glaubt man Severin Millet, kann man in Vollmondnächten ganze Gespenstervölkerwanderungen inklusive exotischer Tiere bewundern. Das Stelldichein der Gespenster ist kunterbunt und zeigt die ganze Vielfalt dieser weiß gewandeten, leichtfüßig durch die Luft schwebenden Gesellen. Das Treiben der munteren Schar ist durchaus amüsant und wird von Seite zu Seite wuseliger bzw. wimmeliger. Von Grusel oder Gänsehaut kann keine Rede sein. Fleißig wie die Bienchen werden mit vereinten Kräften zwei Häuser gebaut und auch sofort bezogen. Ja, Sie haben richtig gelesen. Zwei Häuser in einer Nacht, Einweihungsparty inklusive. Leider findet das geschäftige Treiben mit der aufziehenden Morgendämmerung ein jähes Ende. So schnell, wie die ungewöhnliche Baustelle in einem nächtlichen Garten entstanden ist, befindet sich alles wieder im Urzustand, sind Eule und Maulwurf wieder unter sich und auch die Besucher aus fernen Welten, haben sich verabschiedet. Die Anfahrtswege sind mindestens so beeindruckend wie die Geschwindigkeit, in der hier Häuser fertig gestellt werden. Elefant und Pavian kommen von der anderen Seite der Erdkugel und eine Gespensterdelegation ist gar aus einer anderen Galaxie  angereist. Wenn man sich nicht sicher ist, ob man das Ganze nur geträumt hat, empfiehlt sich das kurzweilige Buch sofort nochmal anzuschauen und sich vom Gegenteil zu überzeugen.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 3 Jahre.

Millet,Séverin: In einer Vollmondnacht in meinem Garten, Beltz & Gelberg, 2016, € 13,95.

 

Dicke Seiten für kleine Hände – Pappbücher

9783845809960Auch oder gerade weil es Tierbücher wie Sand am Meer gibt, sollte man immer mal wieder einen Blick auf das vielfältige Angebot werfen. Belohnt wird man dann im besten Fall mit einem Werk, dessen Illustrationen nahezu mit dem Text verschmelzen und Dank der gekonnten Reime Klein und Groß ein amüsiertes Lächeln ins Gesicht zaubern.

Britta Teckentrup und Texterin Ella versammeln in ihrem handlichen Pappbuch sämtliche Tiere, die sich im Haus, im Garten, im Wald, auf dem Bauernhof oder im Zoo entdecken lassen zu einer quirligen Mischung, die dennoch eines gemeinsam haben. Alle Tiere egal ob sie fliegen, laufen oder schwimmen können, hinterlassen Spuren. Diesen gilt es nachzuspüren und animiert durch den lautmalerisch  gestalteten Text  bietet es sich an, inne zu halten, um gemeinsam zu überlegen, um was für ein Tier es sich handelt, bevor auf der nächsten Seite die Auflösung erfolgt. Im Gegensatz zu den ansonsten sehr verbreiteten Tierlauten stehen hier einmal die Geräusche bzw. die Art der Fortbewegung im Mittelpunkt und sorgen für heitere Abwechslung.

U_5878_1A_ZUSAMMEN.IND75Gute Laune garantiert auch der neue Titel von Daniela Kulot. Alle Pärchen, die den Lesenden begegnen, eint auf den ersten Blick ein kaum zu überbrückender Gegensatz. Der zweite Teil der als Doppelseiten konzipierten  Anordnung zeigt auf erfrischend unkonventionelle Weise, dass die Gegensätze allenfalls im Auge des Betrachters liegen, aber keinesfalls im wahren Leben existieren. Denn „ob dünn oder dick – auf jeden Fall schick“, diese Erkenntnis haben auch die beiden Mädchen, die miteinander Verkleiden spielen. Im Alltag, im Spiel, im Miteinander zeigen sich die Gemeinsamkeiten, die es zu finden und zu pflegen gilt. Dafür lohnt es sich unbedingt einen zweiten Blick zu riskieren.

Buchtipp von Minea Süss

Teckentrupp, Britta: Welches Tier tapst den hier?, arsEdition, 2015, € 9,99. Ab 2 Jahre.

Kulot, Daniela: Zusammen!, Gerstenberg, 2016, € 9,95. Ab 3 Jahre.

Durch die Straßen auf und nieder …

Kommt wir feiern Sankt MartinNächste Woche, am 11 November ist es wieder so weit. In den Tagen rund um dieses Datum erklingt das beliebte Martinslied aus vielen Kinderkehlen und kündet schon von Ferne das Nahen der zu Ehren des Heiligen Martin durch Stadtteile, Dörfer und Gemeinden ziehenden Umzüge an.

Um sich auf das stimmungsvolle Fest vorzubereiten, sprich die hinter dem Brauchtum stehende Legende zu vermitteln, gibt es eine Vielzahl von Bilderbüchern, die Kindern im Alter von  zwei bis sechs Jahren Martins Leben und Wirken näher bringen. In heiteren Reimen erzählt z. B. Lene März aus dem Leben der uns heute als Sankt Martin bekannten Figur und nimmt damit insbesondere die Kleinen in den Blick.

Juli tut GutesKirsten Boie hingegen siedelt ihre Martinsgeschichte komplett im Alltag an und konzentriert sich auf die Aussage des Teilens. Genau das stößt bei Juli allerdings zunächst auf Widerstand. Warum soll nun ausgerechnet er etwas von seinen heißgeliebten Spielsachen für den Martinsbasar abgeben? Wer Juli bereits kennt, ahnt, dass es eine Julitypische Speziallösung gibt.

Martins MantelGanz klassisch erzählt Erich Joost von Martins Taten. In klarer Sprache, untermalt mit dezenten Bildern lernen Lesende alle Stationen aus Martins Leben kennen.

 

 

 

 

Lesetipps von Minea Süss

März, Lene: Kommt, wir feiern Sankt Martin, Gabriel Verlag, 10,00 €.

Bioe, Kirsten: Julis tut Gutes, Beltz & Gelberg, 5,95 €.

Jooß, Erich: Martins Mantel, Gabriel Verlag, 11,90 €.

Herr Löwe beim Friseur

um_Teckentrup_Loewe.inddMan glaubt es kaum, aber auch der König der Tiere hat mitunter Probleme mit der Frisur. Im Gegensatz zu anderen Zeitgenossen leidet er aber keinesfalls unter seiner verzottelten Mähne, aus der an manchen Stellen sogar kleine Blätter hervorsprießen. Erst dem hartnäckigen Affen gelingt es, den Freund zum Frisör zu lotsen. Dort angekommen übernimmt er auch gleich die Regie und zaubert dem verdutzten Löwen eine Frisur nach der anderen auf das Haupt.

Kaum ein Hilfsmittel bleibt ungenutzt. Vom Spezialshampoo nebst Spülung „für eine seidige Mähne“, Färbemittel, Haarbänder, Schleifen und was sich sonst noch alles findet, um der Frisur den letzten Schliff zu geben. Beim Hin- und Herblättern der flexiblen Pappseiten verändert sich das Aussehen von Herrn Löwe in Sekundenschnelle. Verstärkt wird dieser Effekt durch den schablonenartigen Charakter der Frisurenmodelle, in deren Mitte das Gesicht jeweils ausgestanzt ist.

Lesetipp von Minea Süss

Ab 3 Jahre

Teckentrupp, Britta: Herr Löwe beim Frisör, Beltz & Gelberg Verlag, 12,95 €

Nur noch kurz die Ohren kraulen

Ohren kraulenEs ist soweit. Der Tag neigt sich dem Ende zu und Hasenkind soll ins Bett gehen. Bekleidet mit Bademantel und Kissen in der Hand steht Hasenkind bereit, um sich zur Ruhe zu begeben. Aber so einfach geht das natürlich nicht.

Hier ist nun die Hilfe der Lesenden gefragt. Man glaubt es kaum, aber es ist tatsächlich möglich, aktiv am folgenden Geschehen teilzunehmen. Tippt man Hasenkind auf die Schulter, dreht es sich um und schaut dem Leser auf der nächsten Seite ins Gesicht. Händeklatschen führt zu einem blitzschnellen Anziehen des Schlafanzugs. Wie durch Zauberhand wird Hasenkind lebendig und schläft am Ende selig ein.

Jörg Mühle ist ein charmantes Mitmachbuch gelungen. Unaufgeregt und doch aktivierend wird das Zubettgehen ritualisiert dargestellt und regt zur Nachahmung an.

Lesetipp von Minea Süss

Mühle, Jörg: Nur noch kurz die Ohren kraulen?, Moritz Verlag, 8,95 €

Ab 2 Jahre