Ada Lovelace und der erste Computer

Wer denkt, Mathematik, Kunst und Kreativität schließen sich aus, der irrt. Allein die Umsetzung und Gestaltung dieses faszinierenden biografischen Sachbilderbuchs verdeutlicht auf das Schönste, dass die Welt der Zahl keineswegs losgelöst ist von den schönen Künsten.

Fiona Robinson hat ihre filigranen Aquarelle ausgeschnitten, wieder zusammen gesetzt und sie in verschiedenen Tiefen aufgeklebt. Herausgekommen sind plastisch wirkende Collagen, die die außergewöhnliche  Lebensgeschichte einer Frau erzählen, die in ihrem kurzen Leben erstaunliches vollbracht hat und ihrer Zeit weit voraus war.

Ada, Tochter des berühmten Lord Byron erbt – zum Leidwesen ihrer Mutter – die überbordende Phantasie ihres Vaters. Obwohl Ada ohne ihren Vater aufwächst, ist dieser in ihren außergewöhnlichen Ideen allgegenwärtig. Dagegen hilft selbst der reglementierte, zum größten Teil aus Unterricht bestehende Tagesablauf, den ihre Mutter ihr verordnet, nicht. Im Glauben eine streng naturwissenschaftlich ausgerichtete Bildung unterdrücke die kreativen Auswüchse ihrer Tochter, wächst das Kind in einem engen Korsett aus Unterricht auf. Adas Gedankenwelt bevölkern derweil mechanische Pferde, die sich auf großen Schwingen in die Lüfte erheben können. Die Ideen Adas hängen eng mit der industriellen Revolution zusammen, die den Alltag der Menschen im 19. Jahrhundert vollkommen auf den Kopf stellt.

Aber erst die Bekanntschaft mit dem Erfinder einer Rechenmaschine, Charles Babbage, führt zu Adas Lebensleistung, die unseren Alltag heute maßgeblich bestimmt. Ada, die verheiratet Lovelace mit Nachnamen heißt, schreibt das erste Computerprogramm der Welt. Leider kam es nie zur Anwendung, aber die Weitsicht und auch die Erkenntnis, dass Computer nicht nur Zahlen, sondern z. B. auch Bilder produzieren können, hat den Grundstein der heutigen Technik gelegt.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 6 Jahre.

Robinson, Fiona: Ada Lovelace und der erste Computer, Knesebeck, 2017, € 12,95.

Ab die Post

Angesichts der aktuellen Wetterlage, die zwischen sommerlichen Temperaturen und wechselhaften Aprilwetter schwankt, sind Ideen für Aktivitäten in den eigenen vier Wänden gut zu gebrauchen. Die schönsten und witzigsten rund um das Thema Post hat Antje Stemm in einem Buch zusammengestellt. Allein das Titelbild macht auf den ersten Blick gute Laune, weckt aber auch die Neugier nach mehr. Denn dass es sich bei den Schreibvorschlägen zum Verschicken nicht um tägliche Allerweltspost handelt, lässt die genähte Postkarte ahnen.

Es wird dann auch nicht zu viel versprochen. Die Anregungen zu Papier und Stift oder ganz anderen Sachen zu greifen sind originell und machen sicherlich noch mehr Spaß, wenn man sich mit ein paar Freunden trifft und gemeinsam der Fantasie freien Lauf lässt. Wenn jeder ein Bisschen Material mitbringt, kann man wunderbar untereinander tauschen und Papier und Stoffresten, die es sicherlich in jedem Haushalt gibt eine ganz neue Gestalt geben. Die einzelnen Projekte sind gut erklärt und können Problemlos umgesetzt werden. Angesichts eines in Bonn ansässigen Süßwarenherstellers sollten die  „Anleck Umschläge mit Geschmack“ unbedingt ausprobiert werden. Gummibärchen als Klebemittel – auf die Idee muss man erst mal kommen.

Neben solch kuriosen Vorschlägen, gibt es aber auch viele geschickt eingebaute Sachinformationen, die die ganze Bandbreite zum Thema Post abdecken und im Zeitalter von WhatsApp und Co das Eintauchen in eine analoge Bastel- und Schreibwelt fördern.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 8 Jahren.

Stemm, Antje: Ab die Post! Wie du Briefe schreibst, Überraschungspakete schnürst und Badelatschen verschickst, Gerstenberg, 2017, €19,95.

Optische Illusionen – Verblüffende Tricks und Farbenspiele

Wer bei einem Buch über optische Illusionen an eine Spielerei denkt, die nur mit Gucken, bzw. auf  z. T. merkwürdig erscheinende Bilder zu starren, zu tun hat, wird schnell merken, dass der Weg über die Sinnestäuschung schnurstracks in die Tiefen von Physik, Biologie, Hirnforschung und Psychologie führt. Kurzweiliger, spannender und interessanter kann Lernen nicht sein. Vor allem weil man gar nicht merkt, dass jeder optische Zaubertrick mit zahlreichen Sachinformationen versehen ist, die in kleinen sehr überschaubaren und gut verständlichen Portionen daherkommen. Fasziniert von sich plötzlich drehenden Kreisen, liest man automatisch den kurzen Text, um die Begründung für dieses Phänomen zu erhalten.

Mir persönlich ging es so, das ich viele Texte mehrmals gelesen habe, weil ich gar nicht glauben wollte, das sich in dem still auf dem Tisch liegenden Buch Dinge durch bloße Betrachtung zum Leben erwecken lassen. In 12 Kapiteln wird man als Leser systematisch in die Welt der Farben, Formen und Täuschungen mit all ihren Auswirkungen auf unser Auge und Gehirn eingeführt. Neben den vielfältigen Beispielen optischer Tricks, beinhalten manche Seiten zusätzliche Überraschungen. Sehr schön gemacht ist z. B. das Pop-up-Element ganz am Anfang. Um dem Ursprung der Farbe auf den Grund zu gehen, wird mithilfe eines aufplopenden Regenbogens veranschaulicht, dass dies der Effekt ist, der entsteht, wenn ein weißer Lichtstrahl durch ein Prisma gelenkt wird.

Das Buch ist ein Spaß für die ganze Familie und lädt immer wieder dazu ein, es einfach zur Hand zu nehmen, aufzuschlagen und sich von den dargebotenen Illusionen in Bann ziehen zu lassen.

Buchtipp von Minea Süss

  • Ab 9 Jahre
  • Dorling Kindersley, Optische Illusionen – Verblüffende Tricks und Farbenspiele, 2015, 16,95 Euro

Das wundersame Leben der Schmetterlinge

Schon vor etlichen Wochen, als es eigentlich noch zu früh im Jahr war, flog zu meinem Erstaunen ein Schmetterling an mir vorbei. Es blieb nicht der Einzige und auch heute zog ein – zwar sehr kleines, dafür aber umso leuchtenderes Exemplar – trotz der winterlich anmutenden Temperaturen, meine Blicke auf sich. Offenbar sind diese filigran und zerbrechlich wirkenden Wesen stärker als sie aussehen und halten wahrscheinlich bei etwas intensiverer Beschäftigung die eine oder andere Überraschung bereit. Mehr enttäuscht als erstaunt war ich z. B. vor drei Jahren, als sich die leuchtend orange, daumendicke und acht Zentimeter große Raupe, die sich zudem noch wild aufbäumte (ja, sie hat sich wirklich aufgebäumt) als  zukünftiger Weidenbohrer herausstellte. Im Gegensatz zu der Raupe ist der Falter klein und mit seiner steingrauen Farbe auch nicht wirklich auffällig. Eine wahre Augenweide sind hingegen die Raupen und Schmetterlinge, die sich in dem eindrucksvoll illustrierten Sachbilderbuch von Dianna Hutts Aston und Sylvia Long zwischen den Seiten verstecken. Schlägt man das Buch auf, taucht man schon auf der ersten Doppelseite in die faszinierende Farb- und Formenvielfalt dieser in den unterschiedlichen Entwicklungsstadien so vollkommen anders aussehenden Lebewesen ein. Auf den Folgeseiten erfahren Lesende in kurzen, gut verständlichen Texten alles, was man über Schmetterlinge, ihre Entwicklung, Verbreitung, Größe, Fähigkeiten und Eigenschaften wissen möchte. Zudem erfährt man viele Dinge, die einen in großes Erstaunen versetzen.  Für mich ist es kaum vorstellbar, dass diese federleichten Tiere tausende von Kilometern in einer Flughöhe von über 3300 m bewältigen können. Wenn Sie wissen möchten, welche Art zu solchen Rekordleistungen fähig ist, dann gönnen Sie sich den Blick in dieses so andere Buch der Rekorde.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 5 Jahre.

Hutts Aston, Dianna; Long, Sylvia: Das wundersame Leben der Schmetterlinge, Loewe, 2017, € 12,95.

30 Experimente zum Ekeln und Gruseln

schleim-und-schlimmerDas waren noch Zeiten, als wir im Sommer auf der Terrasse Backpulverbomben mithilfe von Fotofilmröhrchen und ein bisschen Wasser laut ploppend und schäumend in erstaunliche Höhen katapultierten. Angesichts multifunktionaler Kleinstgeräte, die nicht nur der Verständigung, sondern auch dem Ablichten jeglicher sich anbietender Motive dienen, ist der analoge Fotoapparat eine vom Aussterben bedrohte Spezies und das schwarze Plastikdöschen mit dem grauen Deckel ist heutigen Heranwachsenden kein Begriff mehr. Dank einer Firma, die eine kleine gelbe Plastikkapsel mit innovativen Spielideen bestückt und  das Ganze in einer Schokoladenhohlform unterbringt, müssen wissbegierige und experimentierfreudige Kinder auch heutzutage nicht auf das Vergnügen verzichten die enorme Kraft von Backpulver außerhalb des normalen Anwendungsbereichs in der Küche zu erleben.

In seinem Buch „Schleim und Schlimmer“ stellt Christoph Gärtner eine Vielzahl einfach nachzumachender Experimente vor, deren „Zutaten“ in jeder Küche zu finden, bzw. leicht zu beschaffen sind. Angeleitet und erklärt werden die Experimente von Dr. Schlimmer und seinem Assistenten Schleim. „Zutaten“, Aufbau und Durchführung sind gut verständlich dargestellt. Die Ringbindung des Buches ermöglicht ein Aufschlagen ohne Hilfsmittel wie z. B. Buchständer o. ä. Der Versuch selber wird Schritt für Schritt mithilfe von Fotos und kurzen Textblöcken erklärt. Wissenswertes findet sich ergänzend in pink umrandeten Kästchen, sodass man nebenbei eine Menge über Biologie, Chemie und Physik lernt, ohne es zu merken. Bis auf die Versuche, die den Einsatz von Feuer verlangen, ist meines Erachtens die Anwesenheit von Erwachsenen nicht unbedingt erforderlich. Der systematische, übersichtlich und kurz gehaltene Aufbau ermöglicht Kindern ab 9 Jahren eine selbstständige  Durchführung.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 9 Jahre.

Gärtner, Christoph: Schleim und Schlimmer, 30 Experimente zum Ekeln und Gruseln, Ravensburger, 2016, € 12,99.

Eselsbrücken – Merksätze, Gedichte und ganz viel Lustiges

eselsbrueckenMerksätze und Eselsbrücken gehören seit Generationen zum Schulalltag wie Pausenbrot und Spickzettel. Verfügt man über ein großes Repertoire dieser zum Teil bewusst an Nonsensverse erinnernden Lernhilfen, benötigt man das in schweißtreibender Arbeit hergestellte Zettelchen gar nicht. Auf keinen Fall sollte man sich von der an Schulfächern orientierten Aufteilung abschrecken lassen. Die unter Sachkunde, Mathematik und Deutsch zusammengetragenen Reime vermitteln unzählige Tipps und Fakten zu den unterschiedlichsten Themengebieten der einzelnen Fächer. Zwischen den Buchdeckeln können Grundschulkinder (und ihre Eltern) eine Vielzahl an Informationen entdecken und mithilfe des Registers gezielt nachschlagen. Ich persönlich finde beim Lesen dieses Buches die Zufallsvariante besonders unterhaltsam. Man schnappe sich das Buch, suche sich einen gemütlichen Leseplatz und schlage dann einfach irgendeine Seite auf. Das Ergebnis ist immer eine Überraschung. Geprägt von dem berühmten Spruch zur Gründung Roms, der mit acht Worten sehr übersichtlich daherkommt (753 Rom kroch aus dem Ei), finden sich zu meinem Erstaunen auch zahlreiche Beispiele für umfangreichere Lerneinheiten, die ich mir als Kind gewünscht hätte. Gilt es z. B. sich die  16 Bundesländer mit ihren Landeshauptstädten zu merken, seien an dieser Stelle die „Bundesländer-Limericks“ empfohlen. Hoch im Norden fängt es an.

„Im Nebel trieb ein Surfer aus Kiel auf seinem Brett, er sah nicht mehr viel. Ach, wenn er wüsste: Ganz nah war die Küste. Schleswig-Holstein – das wäre sein Ziel.“ (S. 31)

Ergänzt werden die Texte von witzigen Illustrationen. Dem Autorenteam Eva Bade und Cordula Thörner ist somit ein originelles Lese-Lern-Bilderbuch gelungen, das man gerne zur Hand nimmt

Buchtipp von Minea Süss

Ab 6 Jahre.

Bade, Eva; Thörner, Cordula: Eselsbrücken – Merksätze, Gedichte und ganz viel Lustiges, Carlsen, 2016, € 12,99.

 

Tolle Wolle

9783831030804Handarbeits- und Bastelbücher lösen bei mir persönlich allein aufgrund der schönen Bildgestaltung regelmäßig Begeisterungsstürme aus. Zudem drängt sich mir jedes Jahr im Herbst das Bedürfnis etwas aus Wolle herzustellen auf. Der normale Ablauf sieht dann so aus, dass ich einen Schal stricke und das hübsche, vor geraumer Zeit angefangene, Jäckchen zwar weiter bearbeite, aber nicht zur Vollendung bringe. Bis auf die Hälfte eines Seitenteils ist das Werk nun gediehen und mein Optimismus das gute Stück im Weihnachtsgeschäft zu tragen ist enorm gestiegen. Anstelle des traditionellen Schals werde ich mich dieses Jahr aber zwischendurch einem der witzigen und gut erklärten Einsteigerprojekte aus der Strickschule für Kinder von Dorling Kindersley widmen. Über eines der lustigen Tiere, äußerst originell ist die Fledermaus, freuen sich Nichte und Neffe bestimmt. Schaf, Katze, Pinguin und Eule sind auch ganz wunderbar, vor allem weil es sich letztlich immer um die gleiche Grundform handelt, das Ergebnis aber ein vollkommen anderes ist. Darüber hinaus bietet das in bekannter Dorling-Kindersley-Systematik gestaltete Buch mit der Schritt für Schritt Bildanleitung eine Vielzahl kleiner Geschenkideen und Übungsprojekte, die sich problemlos aus Wollresten realisieren lassen. Glücksbringer, Fingerpüppchen und kleine Taschen lassen sich zudem mit Perlen, Bändern und was sich sonst noch in der Handarbeitsrestekiste befindet verzieren. Bevor es jedoch losgeht, befindet sich am Anfang des Buches eine genaue Übersicht über das benötige Material und ein Fotogrundkurs, der in die Technik des Maschenanschlagens, das Stricken rechter und linker Maschen sowie das Abketten einführt.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 6 Jahre.

Tolle Wolle, Strickschule für Kinder mit fröhlichen Einsteigerprojekten: Dorling Kindersley, 2016, € 9,95.

Bienen

U_5915_1A_BIENEN.IND75Waren im Garten meiner Eltern bisher hauptsächlich Lavendel, Sommerflieder und der Gartenhibiskus ausgesprochen beliebte Orte für das sprichwörtlich bienenfleißige Flugvolk, das so emsig von Blüte zu Blüte schwebt, um Pollen und Nektar zu sammeln, hat dieses Jahr der neu errichtete Tomatenunterstand (stellen Sie sich einen Carport ohne Auto vor), den anderen Gewächsen deutlich den Rang abgelaufen. Geschützt vor Nässe von oben und mit stetiger Luftzirkulation dank der offenen Bauweise, haben sich die Tomaten zu stattlicher Höhe und Breite mit unzähligen Blütenrispen entwickelt, die nun von ganzen Heerscharen brummender und summender Bienen besucht werden. Neben der Geräuschkulisse ist vor allem das Agieren der Tiere untereinander ausgesprochen beeindruckend. Es scheint eine Höhere Ordnung zu geben, die verhindert, dass eine Konkurrenz um die Blüten entsteht. Weitaus ruhiger, ja geradezu gemütlich geht es zu, wenn man sich diesen wendigen Flugtieren über das berückend schön gestaltete Buch von Piotr Socha nährt. Auf großformatigen Doppelseiten taucht man in die Welt der Bienen ein und erfährt schon auf der ersten Bildtafel erstaunliches. Bereits zur Zeit der Dinosaurier, also vor ca. 100 Millionen Jahren, gab es Bienen. Die heutigen Insekten kann man dann auf der folgenden Bildtafel wie unter dem Mikroskop oder einer Lupe in vielfacher Vergrößerung genau bestaunen. Einzelne Körperteile wie z. B. Facettenauge, Kopf und Stachel sind nochmals gesondert als vergrößerte Detailansicht hervorgehoben. Im weiteren Verlauf wird die gesamte Kulturgeschichte dieses für den Fortbestand des ökologischen Gleichgewichts und der Artenvielfalt so wichtigen Insekts in kurzweiligen, mit gut verständlichem Text unterlegten Bildern, erzählt. Dabei zeugt der charmante Humor in der grafischen Umsetzung von einem unverstellten Blick und Begeisterung für das Thema.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 7 Jahre.

Socha, Piotr: Bienen, Gerstenberg, 2016, € 24,95.

Mein Riesenbilderbuch – Sachen suchen – Alle meine Tiere

Riesenbilderbuch

Eine Reise durch unterschiedliche Klimazonen und der damit verbundenen Flora und Fauna lässt sich in Bonn problemlos an einem Tag realisieren. Das Museum König, der Botanische Garten oder der in der weiteren Nachbarschaft gelegene Kölner Zoo laden gerade in den Ferien dazu ein, die Sehenswürdigkeiten vor der eigenen Haustür zu entdecken. Damit man sich an Ferienruhetagen, die man Zuhause verbringt nicht langweilt, kann man mithilfe des überdimensionierten Pappbilderbuchs von Amrei Fechner zu einer Safari der besonderen Art aufbrechen. Gestartet wird im Nahbereich. Sowohl das Titelbild, als auch die erste Schautafel entführen uns auf einen Bauernhof. Hier ist die Welt noch in Ordnung. Kühe, Pferde und Schafe sind auf der Weide, der Hahn kräht auf dem Misthaufen, auf dem Dach klappert der Storch und auch die Schwalben in der Luft fehlen nicht. Um auch die kleinen Lebewesen wie Insekten oder den unterirdisch lebenden Maulwurf und die possierlichen Feldmäuse sichtbar zu machen, ist dieser Bildausschnitt perspektivisch herangezoomt.

Vom europäischen Bauernhof geht es dann geradewegs in die weite Steppen- und Savannenlandschaft des afrikanischen Kontinents. Einmal umblättern und schon stellt sich den aufmerksam Schauenden die Frage, wo sich  Graukopfliest, Gnu und all die anderen Tiere versteckt haben. Am linken Bildrand sind die jeweiligen Tiere nochmals gesondert mit Namen aufgeführt und bieten somit nicht nur einen Suchanreiz, sondern auch eine nette Hilfestellung für all jene, die das eben erwähnte Vogeltier fälschlicherweise als Eisvogel verorten.

Nach Stationen „Am Nordmeer“, „Im Urwald“, „Am Wildbach im hohen Norden“ und einem Abstecher in „Die Unterwasserwelt“ eines Korallenriffs, landen wir wieder in heimischen Gefilden. Die Aufregende und abwechslungsreiche Rundreise schließt mit einer Nachtwanderung durch den Wald ab. Langweilig? Keinesfalls. Getarnt vom fahlen Mondlicht, sind zahlreiche Tiere unterwegs und warten darauf entdeckt zu werden.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 2 Jahre.

Fechner, Amrei: Mein Riesenbilderbuch, Sachen suche, Alle meine Tiere, Ravensburger, 2016, € 19,99.

Willi Virus – Aus dem Leben eines Schnupfenvirus

Willi VirusWenn man weiß, dass Schnupfenviren beim Niesen mit einer Geschwindigkeit von, sage und schreibe, 150 km/h durch die Luft düsen,dann bekommt der feststehende Ausdruck in Bezug auf saisonal auftretende Erkrankungen „wie angeflogen“ eine ganz neue Bedeutung. Anschaulich und mit einer angenehmen Prise Humor versehen, erklärt uns der zur Familie der Schnupfenviren gehörende Willi seine Welt. Leicht hat es der arme Kerl natürlich nicht, denn kaum hat er es sich in unserer Nase bzw. Nasenschleimhaut gemütlich gemacht, versuchen wir mit der körpereigenen Abwehr sowie Haus- und Schnupfenmitteln aus der Apotheke dem engagiert erklärenden Kerlchen mitsamt seiner Nachkommenschaft den Garaus zu machen. Bevor es aber soweit ist, dass Willi und Konsorten von dannen ziehen, nutzt er jede Gelegenheit, um uns über die Entstehung, Verbreitung und Behandlung eines Schnupfens zu informieren. Als ernstzunehmender Vertreter seiner Gattung lässt er uns auch über den Tellerrand hinaus schauen und macht uns in Bild und Wort mit einer Reihe anderer Viren bekannt. Dabei erklärt Willi nicht nur unterhaltsam und witzig, sondern auch kurz und knapp. Dies gilt ebenso für die vertiefenden Informationen, die die Sachebene von Willis Ausführungen ergänzen. In kompakten, durchnummerierten Textblöcken, gibt es punktgenaue und gut verständlich formulierte Fakten, die man zu Viren wissen sollte. Besondere Beachtung verdienen auch die Vorsatzblätter dieses künstlerisch  anspruchsvoll gestalteten Sachbuchs. Versehen mit den unterschiedlichsten Nasen, werden uns in 20 Sprachen die Worte für Hatschi und Gesundheit vorgestellt. In diesem Sinne: Aptshi  und Santinho!

Buchtipp von Minea Süss

Ab 5 Jahre.

Trpak, Heidi: Willi Virus, Aus dem Leben eines Schnupfenvirus, Tyrolia, 2015, € 14,95.