Der Stinkehund

Als ich die Geschichte vom „Stinkehund“ anfing zu lesen, musste ich an zwei Tiere denken, die das Familienleben eine Zeitlang begleitet haben. Zum einen war da der Braune. Der Braune war ein schwarzer Kater, der am hinteren Rücken an einer Stelle struppiges braunes Fell hatte und einen Stummelschwanz. Trotz ländlicher Idylle gab es eine viel befahrene Straße und selbiger ist der Schwanz des Katers zum Opfer gefallen. Jahre später beglückte uns ein Eichhörnchen mit einem sehr lichten Schwanz mit regelmäßiger Anwesenheit. Wir nannten das possierliche Tier Klobürste und erfreuten uns an seiner Gesellschaft. Wie der Name vermuten lässt, ist der Geruch des „Stinkehund“ nicht unbedingt angenehm. Zudem wird er als hässlich beschrieben, wobei ich persönlich die Illustrationen ausgesprochen ansprechend und keinesfalls unschön finde. Das Fell wird allerdings als Teppich, Wischlappen und Fußabtreter bezeichnet. Der geneigte Leser ahnt, dass das Schicksal des Vierbeiners kein leichtes ist. Erzählt wird dies jedoch mit einer gehörigen Portion Humor und Augenzwinkern. Ähnlich wie unser Kater hat der beste Freund und Gefährte des Hundes früh im Leben Bekanntschaft mit einem LKW gemacht und wird seitdem von allen Platti gerufen. Hund und Kater verstehen sich prächtig, bis das Hundetier das Bedürfnis hat ein Herrchen oder Frauchen fürs Leben zu finden. Der Wunsch ist nachvollziehbar, aber nicht leicht umzusetzen. Mit vielen guten Ratschlägen von Platti im Ohr zieht der Stinkehund los, um Familienanschluss zu finden. Nach vielen Erfahrungen mit beträchtlichen Höhen und Tiefen findet er auch eine Familie, aber die ist gänzlich anders als gedacht.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 6 Jahre.

Gutman, Marc: Der Stinkehund, Woow Books, 2019, € 10,00.

Clementine liebt Rot

Egal ob Festnetz oder Handy, die Tücken der Technik hat sicherlich schon jeder einmal am eigenen Leib zu spüren bekommen. Alleine letztes Jahr hat sich bei mir das Festnetz dreimal geweigert zu funktionieren. Konnte im ersten Fall eine größere Störung, die auch andere Stadtteile betraf ausfindig gemacht werden, waren die Experten eines großen Bonner Telekommunikationsunternehmens bei den beiden anderen Fällen ratlos. Der Tipp einfach mal alle Stöpsel zu ziehen und ein bisschen zu warten hört sich wenig professionell an, hat aber tatsächlich funktioniert.

Mit Stöpsel ziehen und warten kommt Wachtmeister Summer allerdings nicht weiter. Des Nachts wird er durch schrilles Klingeln aus dem Schlaf gerissen. Aufgrund einer wiederholt auftretenden Störung bekommt er nur Bruchstückhaft mit, dass ein Kind verschwunden ist. Weder der Wachtmeister noch sein Sohn, der das Gespräch mitbekommen hat, können ahnen, dass besagtes Kind am Nachmittag bereits gefunden wurde. Ebensowenig können sie ahnen, dass dieses Kind noch ein anderes Kind sucht. Im Grunde sind also zwei Kinder verschwunden. Meinen zumindest alle Beteiligten und das sind weit mehr als Wachtmeister Summer und sein Sohn. Schließlich haben mehrere Kinder beim Spielen im Wald die weinende Erbse gefunden, die Mutterseelenallein hinter einem Busch hockte. Der Tatendrang und die Hilfsbereitschaft aller Beteiligten (es werden übrigens bis zum Ende der Geschichte immer mehr) kennen keine Grenzen. Missverständnisse, Verwechslungen und jede Menge Überraschungen sind da vorprogrammiert. Zwischendurch bzw. Mittendrin sind übrigens fast alle Kinder, die sich in die abenteuerliche Suche gestürzt haben verschwunden. Aber wie heißt es doch so schön: „Wer suchet der findet.“ Ein tolles Vorleseabenteuer für die ganze Familie.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 6 Jahre.

Boglar, Krystyna: Clementine liebt Rot, Gerstenberg, 2019, € 14,95.

Das letzte Schaf

„An der Arche um Acht“ ist ein wunderbares Buch, das seit seinem Erscheinen im Jahr 2007 unzählige Male über die Ladentheke gereicht worden ist. Elf Jahre später hat sich Autor Ulrich Hub wieder einer biblischen Geschichte zugewandt.   Diesmal treffen wir nicht auf Pinguine, sondern auf Schafe. Sieben an der Zahl erzählen uns erfrischend unkonventionell von dem Kind in der Krippe, dass mit keinem geringeren Versprechen als der Retter der Welt zu sein in eben diese gekommen ist. Besinnlich geht es dabei eher nicht zu. Direkt am Anfang gibt es gehörige Irritationen und Aufregung. Die Hirten sind weg! Schafe ohne Hirten sind wie Autofahrer ohne Navy – orientierungslos. Da aber immer einer den Durchblick hat oder haben muss, gibt es natürlich auch bei den Schafen eine Art Ersatznavy. Das Schaf mit der Mütze begibt sich in diese Rolle, braucht am Ende aber Unterstützung von dem Schaf mit der Zahnspange, welches aus erster Quelle von der Ziege erfahren hat, dass ein ganz besonderes Kind geboren wurde. Der Auftrag ist somit klar. Nicht nur die Hirten, sondern auch das Kind müssen schnellst möglich gesucht und gefunden werden. Ob die Schafe mit ihrer Suche erfolgreich sind, wird nicht verraten. Aber langweilig wird es den Schafen nicht. Es passiert noch eine ganze Menge. Ein Schaf geht verloren und macht Bekanntschaft mit einem Wolf, ein anderes fällt in den Fluss und muss gerettet werden, mathematisch begabte Kamele tauchen auf und staunen über die nicht vorhandenen Zählkünste der quirligen Wollknäuele. Ein Buch für die ganze Familie.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 8 Jahre.

Hub, Ulrich: Das letzte Schaf, Carlsen, 2018, € 13,00.

Das doppelte Christkind

Alle Jahre wieder feiern wir am 24. Dezember Weihnachten. Alle Jahre wieder suchen wir die ultimative Weihnachtsgeschichte zum Vor- und Selberlesen. Alle Jahre wieder suchen wir die unsagbar schöne und stimmungsvolle CD mit Weihnachtsliedern. Alle Jahre wieder haben wir die Erwartung, dass 2018 Jahre nach dem Ereignis in einem kleinen Stall in Bethlehem die Geschichte neu erfunden werden kann. Letzteres ist natürlich nicht möglich, selbst die zahllosen Varianten von Krippenspielen und Weihnachtsgeschichten kommen einem irgendwann alle bekannt vor, aber nichts desto trotz kann auch altbekanntes bestens unterhalten und zum Nachdenken und Innehalten anregen.

Ulrike Kuckero ist mit ihrer Version der Ereignisse zwischen Ochs und Esel eine muntere Weihnachtsgeschichte gelungen, die die allseits gefürchtete 4 c zur Hochform auflaufen lässt. Einmal angespornt und vom Ehrgeiz gepackt, setzt allein das Vertrauen der neuen Lehrerin Frau Klopstock in die Fähigkeiten der Kinder so viel Energie und Kreativität frei, dass selbst der skeptische und in weiten Teilen humorbefreite Schulleiter am Ende glückselig lächelt. Bis dahin ist es allerdings doch noch ein steiniger Weg. Denn die Idee der tatkräftigen Frau Klopstock am Theaterwettbewerb des ungewöhnlichsten Krippenspiels teilzunehmen setzt erst einmal voraus, dass die Klasse gemeinsam ein Theaterstück entwickelt. Leichter gesagt als getan. Erst der kurzfristig genehmigte Landschulheimaufenthalt lässt die Bruchstückhaften Ideen der Kinder zu einem Ganzen werden. Aber nicht nur das Theaterstück nimmt hier Gestalt an. Auch die Klasse findet zu einem neuen Zusammenhalt und entdeckt plötzlich, dass jeder und jede etwas zum Gelingen des Projekts beitragen kann. Selbst Geschwisterkinder kommen zu Ehren und stehen tatsächlich schon mit zwei Jahren auf den Brettern, die die Welt bedeuten.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 8 Jahre.

Kuckero, Ulrike: Das doppelte Christkind, Carlsen 2018, € 6,99.

Karl und Knäcke lernen Räubern

Räuber Hotzenplotz, bekannt in Stadt und Land  bekommt Konkurrenz. Karl und Knäcke, Gentlemen-Räuber mit dem unbedingten Willen, den Beruf des Räubers von der Pike auf zu lernen, treiben des Nächtens ihr Unwesen. Karl hat ein begnadetes Talent Türschlösser zu knacken, Knäcke hingegen kocht nicht nur gern und gut, sondern mit Leidenschaft und Ausdauer. Und da es eben so gut schmeckt, kommen die beiden erst einmal gar nicht dazu als Räuber tätig zu werden. Um genau zu sein, haben die beiden Helden tatsächlich noch etwas entwendet. Da sie aber ein wirklich wildes Motto haben, beschließen die beiden eines Tages endlich mit dem Räubern anzufangen. Getreu ihrem Motto „Traute, Schneid, Courage und Mut – wilde Räuber, Spucke, Blut!“, ziehen sie an sieben aufeinanderfolgenden Tagen los, um nachts auf Beutezug zu gehen. Da die beiden Herren aber nicht nur neugierig, sondern auch sehr experimentier- und entdeckungsfreudig sind, verläuft das Räubern in der ersten Nacht nicht wie geplant. Zu verlockend sind die Sportgeräte von Sportlehrerin Ludmilla Überschlag. Derweil Karl den Traubenzuckervorrat verspeist, probiert sich Knäcke an Reck, Trampolin und Ringen aus. Jede Nacht entführen die beiden Spezialisten die Lesenden in eine andere Wohnung und lassen sie an ihren Entdeckungen teilhaben. Bei der Dirigentin wird musiziert und zur Stärkung serviert Knäcke kunstvoll geschnitzte Kohlrabi und Selleriestückchen mit Champagner. Die schräg komischen Abenteuer von Karl und Knäcke sind genau an der Schnittstelle zwischen Bilderbuch und Vorlesegeschichte und bieten Lesegenuss und Lesespaß für die ganze Familie. Ob die beiden am Ende erfolgreich den Beruf des Räubers erlernt haben, wird hier nicht verraten. Nur soviel: Karl und Knacke sind immer für eine Überraschung gut.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 5 Jahre.

Reinhardt, Kirsten; Geißler, Marie: Karl & Knäcke lernen Räubern, Carlsen, 2018, € 12,00.

Calpurnias Tierstation – Ein neues Lämmchen

Beim Stichwort Lämmchen fällt Bullerbü-Fans sicherlich Pontus ein, der liebevoll mit der Flasche aufgezogen wird und als wissbegieriges Jungschaf die Kinder in die Schule begleitet. Des Weiteren denkt man bei Lämmchen auch unweigerlich an  Osterlämmer. Um Weihnachten herum geboren, springen sie wollig gelockt im Frühling über die Weide und sorgen bei großen und kleinen Betrachtern nicht selten für Laute des Entzückens.

In ihrer neuen Reihe „Calpurnias Tierstation“ geht es im ersten Band ebenfalls um ein Lämmchen. Umgeben von ihren Eltern, sechs Brüdern und den Großeltern wächst Calpurnia inmitten der Natur auf einem großen Hof auf. Dem Ansinnen der Mutter dem Kind eine damenhafte Erziehung zukommen zu lassen, entzieht sich das aufgeweckte Mädchen nicht nur durch ihre Eigenständigkeit, sondern auch durch die Hilfe Ihres Großvaters und des Tierarztes. Beide Männer fördern Calpurnias Begabung mit Tieren umzugehen nach Kräften und bestärken sie in ihren Fähigkeiten. Wer glaubt, Insekten fielen bei einer Verletzung aufgrund ihres filigranen Körperbaus aus dem Raster menschlicher Zuwendung, der irrt. Mit Erfindungsreichtum, Geduld und Hingabe gelingt es den gebrochenen Flügel eines Schmetterlings zu schienen und die Flugfähigkeit des Insekts wieder herzustellen. Die Beschreibung der Autorin ist so authentisch und detailliert, dass man den Vorgang mit Hilfe des Buches am lebenden Objekt nachvollziehen könnte. Bezogen auf die von Calpurnia unterstützte Geburt eines Zwillingslämmchens, das verkehrt herum im Mutterleib liegt, gilt dies ebenso. Das Mädchen kann die Situation meistern, weil sie sich daran erinnert, was sie im tierärztlichen Fachbuch dazu gelesen hat. Was sich übertrieben oder konstruiert anhört ist eine spannende und bereichernde Lektüre, die einzig auf einer früh entdeckten und geförderten Passion beruht.

Lesetipp von Minea Süss

Kelly, Jacqueline: Calpurnias Tierstation – Das neue Lämmchen, Hanser, 2018, € 10,00

Hase und Igel kaum zu bremsen!

Die Kassette mit der Geschichte von Hase und Igel und ihrem Wettlauf, haben meine Geschwister und ich in Dauerwiederholung gehört. Mehr als einmal gab es auch Bandsalat. Meistens saß meine Mutter dann mit dem Tonträger und einer Gabel bewaffnet auf der Eckbank und hat das verknüddelte Band entwirrt und mit Hilfe des Essbestecks, der Griff passte genau in die runden Einlegelöcher, wieder aufgedreht. Die Trauer war natürlich groß, als das geliebte Stück irgendwann nicht mehr zu retten war.

Kaum hatte ich den Vorleseband von Hase und Igel aufgeschlagen und just den berühmten Klassiker als erste Geschichte entdeckt, waren die Kindheitserinnerungen wieder gegenwärtig. Nach diesem schönen Auftakt folgen eine Reihe flott erzählter Abenteuer, die Hase und Igel miteinander erleben. Die Idee des Wettlaufs zieht sich dabei als roter Faden durch die Geschichten und wird sehr originell in immer wieder anderen Varianten weiter gesponnen. Da die beiden ausgesprochen unternehmungslustig sind, landen sie nicht nur in der Schule sondern auch im fernen Süden. Urlaub machen ist ja schließlich etwas, dass ein Hase und Igel von Welt auch einmal ausprobiert haben muss. Sehr schön ist hier die Idee die beiden Freunde einen unfreiwilligen Wettlauf  gegen die Urlaubspostkarten machen zu lassen. Nach der ersten Enttäuschung, dass die mit viel Sorgfalt und Liebe geschriebenen Karten noch nicht angekommen sind, siegt die Freude darüber, dass man schneller als die Karten wieder zu Hause war. Franz Sklenitzka hat mit Hase und Igel zwei liebenswerte Figuren wieder zum Leben erweckt und eigenständig weiter gesponnen. Ein wahres Lesevergnügen für Groß und Klein.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 5 Jahre.

Sklenitzka, Franz S.: Hase und Igel kaum zu bremsen, Nilpferd, 2017, € 14,95.

Warum Sonntage so schön sind

Sonntage sind besondere Tage. Tage, an denen man länger schlafen oder sogar ganz im Bett bleiben kann. Sonntage sind gemütlich und für Freunde und Familie reserviert. So halten es auch Wendelin und seine quirlige Freundesschar, die zusammen in einem kleinen, hübschen Haus wohnen. Wenn die ganze Woche über tausend verschiedene Dinge passieren und ständig das Telefon klingelt, weil Tante Gertrud wissen will, ob etwas interessantes geschehen ist, nur um kurz darauf persönlich vorbei zukommen, dann ist es nur verständlich, dass Hase, Maus, Ente und Schaf zusammen mit Wendelin ihr Sonntagsritual mit allem Drum und Dran voll auskosten wollen.

Wie Sonnenstrahlen entfalten die kurzen, locker zusammen hängenden Einzelgeschichten von Kristina Andres beim Vorlesen ihre Stahlkraft und erwärmen nicht nur das Herz, sondern auch das Gemüt. Der Charme der Geschichten entwickelt sich aus den unscheinbaren Alltagsbegebenheiten, die die liebenswerten Protagonisten aus einer kindlichen Perspektive heraus besonders erscheinen lassen. Es ist das Staunen über scheinbar Belangloses, dass in der übersichtlichen Welt von Wendelin und Co stets für Abwechslung, Heiterkeit und Aufregung sorgt.

Letztere bringt mit schöner Regelmäßigkeit Tante Gertrud mit sich. Insbesondere ihr Fund im Keller verändert das Leben von Neffe Wendelin und dessen Hausgenossen beträchtlich. Kaum hat die geschäftige Tante das gefundene Telefon – schön altmodisch mit großer Wählscheibe und langem Kabel – beim Neffen installiert, klingelt es beständig. Es könnte ja etwas passiert sein und als Tante muss man eben stets auf dem Laufenden bleiben. Dank der außergewöhnlichen Geschenke von Tante Gertrud ist tatsächlich immer etwas los in dem kleinen Haus.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 4 Jahre.

Andres, Kristina: Warum Sonntage so schön sind – Geschichten von Wendelin und Tante Gertrud, Nilpferd, 2017, €14,95.

Nickel und Horn – Zwei Detektive mit Durchblick

Als bekennende Meerschweinchen-Freundin, gehen die lieben Kolleginnen automatisch davon aus, dass ich jedes Buch in dem in irgendeiner Form diese possierlichen Tierchen vorkommen, einatme. Umso größer war das Erstaunen, ja die Empörung, als ich zugeben musste, das neueste Werk noch nicht gelesen zu haben. Zu meiner Verteidigung sei erwähnt, dass der Wille durchaus vorhanden war, aber die Auslieferung kurz vor meinem Urlaub war schlicht ein ungünstiger Zeitpunkt.

Die Begeisterung ob dieser ausgesprochen vergnüglichen Vorlesegeschichte ist nun umso größer. Meerschweinchen erfreuen sich – ebenso wie Hunde – immer wieder und zur Zeit auffallend oft, größter Beliebtheit bei den Autoren.   Meines Wissens durften sich die Schweinchen aber bisher noch nicht als Detektiv betätigen. Dies allein ist also schon ein Novum, aber ein Duo aus Papagei und Meerschwein hat die Welt wohl noch nicht gesehen.

Beheimatet bei einem echten Detektiv, haben Nickel und Horn die Detektivarbeit von der Picke auf gelernt. Zumindest theoretisch wissen sie also was zu tun ist. Rein praktisch ist  das natürlich so eine Sache, denn Herr Locke hat sich mit seinen 90 Jahren in den wohl verdienten Ruhestand begeben. Damit dieser nicht in Gefahr gerät, wachen Hund Schlappi und Haushälterin Frau Perle mit Argusaugen über den Hausherrn. Doch was tun, wenn sich direkt nebenan die schlimmsten Verbrechen ereignen und Nachbarjunge Paul dringend die Hilfe eines erfahrenen Profidetektivs braucht? Keine Frage, Nickel und Horn stürzen sich wagemutig ins Abenteuer und begeben sich auf die Suche nach dem hinterafrikanischen Pupsetier. Auf den Spuren dieses ungewöhnlichen Zeitgenossen ist ihnen kein Weg zu weit und keine Gefahr zu groß.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 5 Jahre.

Beckerhoff, Florian: Nickel und Horn – Zwei Detektive mit Durchblick, Thienemann, 2017, €12,99.

Die königlichen Kaninchen von London

Neben der Häschenschule gehört auch hierzulande „Peter Hase“ von Beatrix Potter zu den Vorleseklassikern. Die Langohren tummeln sich quietschfidel in Wald und Feld, um dann hin und wieder einen Abstecher in gepflegte Gemüsegarten zu unternehmen, die natürlich nicht ohne Folgen bleiben.

Verstärkung bekommt die Hasen-Liga nun von den etwas kleineren und literarisch bisher gänzlich unauffälligen Kaninchen. Ausgerechnet der ewig zaudernde, der zaghafteste und kleinste unter den Geschwistern, Shylo Tawny-Tail, gerät in ein haarsträubendes Abenteuer, bei dem um mehr geht, als um wohlschmeckende Möhren und Kohlköpfe. Es gilt die Ehre der englischen Königin zu wahren. Ihre Majestät befindet sich nämlich im Visier der verruchten Ratzes. Diese Rattenbande hat nichts anderes im Sinn, als dem Ansehen der Majestät zu schaden. Welch Glück für Shylo, dass Horatio, ein weiser, alter Kaninchenherr die Gefahr erkennt und auch weiß, was zu tun ist. Und plötzlich ist Shylo mittendrin in einem Abenteuer, von dem er nicht einmal zu träumen gewagt hätte. Ohne sich von seiner Familie zu verabschieden, muss er sofort nach London aufbrechen, um dort Kontakt zu den Königlichen Kaninchen aufzunehmen. Dieser Geheimbund zum Schutz ihrer Majestät ist der geheimste von allen und somit wissen in der Kaninchenwelt auch nur sehr wenige von dessen Existenz. Shylo hat also allen Grund weiche Knie und ein wenig Herzklopfen zu haben. Aber das darf man ja auch. Entscheidend ist, dass man trotzdem den Mut hat etwas zu tun. Genau davon erzählt diese herzerfrischende Geschichte, die zudem mit wunderbaren Illustrationen aufwartet.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 6 Jahre.

Montefiore, Santa; Montefiori Sebag, Simon: Die Königlichen Kaninchen von London, Wood Books, 2017, € 18,00.