Das Abrakadabra der Fische

Wer kennt sie nicht, die Familiengeheimnisse, für die man als Kind ein untrügliches Gespür hat, die einen auf Schritt und Tritt verfolgen, wie ein Ohrwurm im Kopf herumschwirren und die unbedingt gelöst werden wollen. Jedes verstummte Gespräch der Erwachsenen, jedes leiser werdende Wort, jedes schnell aus dem Blickfeld  geschobene Ding, das nicht gesehen werden darf, befeuert nur die Phantasie und den erweckten Entdeckerwillen, dem Geheimnis auf die Spur zu kommen und Licht in das Dunkel zu bringen.

Vonkie verbringt eine Woche bei ihrem Opa. So viel Zeit hat sie mit dem mitunter mürrischen alten Herrn noch nie verbracht. Aber wenn die Eltern Zeit für sich brauchen, um bestimmte Dinge zu klären, hat man keine Wahl, man muss sich in sein Schicksal fügen. Der auf den ersten Blick langweilig erscheinende alte Bauernhof birgt dann aber doch mehr interessante Dinge, als Vonkie zunächst gedacht hat. Alles fängt mit der Entdeckung an, dass ihr Opa sechs Brüder hat. Sechs! Für das Einzelkind Vonkie ist das unvorstellbar. Fasziniert schaut sie immer wieder auf das Foto mit den sieben Jungen und bittet und bettelt so lange, bis ihr Opa schließlich anfängt zu erzählen. Von der Begeisterung der Enkelin angesteckt, taucht der alte Mann letzten Endes nur zu gerne in die Vergangenheit ein und erzählt von Abenteuern und Streichen aber auch von einem ungeheuerlichen Familiengeheimnis, dessen Entdeckung zum Bruch mit seinem Lieblingsbruder führt. Gleichzeitig erzählt er aber auch von einem Familiengeheimnis aus der Nachbarschaft. Die unschönen Folgen dieser Entdeckung wirken bis in die Gegenwart nach. Vonkie will das nicht gelten lassen und beschließt mit ihrem Cousin den Dingen eine andere Wendung zu geben.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 11 Jahre.

van der Geest, Simon:Das Abrakadabra der Fische, Thienemann, 2019, € 15,00.

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