Das doppelte Christkind

Alle Jahre wieder feiern wir am 24. Dezember Weihnachten. Alle Jahre wieder suchen wir die ultimative Weihnachtsgeschichte zum Vor- und Selberlesen. Alle Jahre wieder suchen wir die unsagbar schöne und stimmungsvolle CD mit Weihnachtsliedern. Alle Jahre wieder haben wir die Erwartung, dass 2018 Jahre nach dem Ereignis in einem kleinen Stall in Bethlehem die Geschichte neu erfunden werden kann. Letzteres ist natürlich nicht möglich, selbst die zahllosen Varianten von Krippenspielen und Weihnachtsgeschichten kommen einem irgendwann alle bekannt vor, aber nichts desto trotz kann auch altbekanntes bestens unterhalten und zum Nachdenken und Innehalten anregen.

Ulrike Kuckero ist mit ihrer Version der Ereignisse zwischen Ochs und Esel eine muntere Weihnachtsgeschichte gelungen, die die allseits gefürchtete 4 c zur Hochform auflaufen lässt. Einmal angespornt und vom Ehrgeiz gepackt, setzt allein das Vertrauen der neuen Lehrerin Frau Klopstock in die Fähigkeiten der Kinder so viel Energie und Kreativität frei, dass selbst der skeptische und in weiten Teilen humorbefreite Schulleiter am Ende glückselig lächelt. Bis dahin ist es allerdings doch noch ein steiniger Weg. Denn die Idee der tatkräftigen Frau Klopstock am Theaterwettbewerb des ungewöhnlichsten Krippenspiels teilzunehmen setzt erst einmal voraus, dass die Klasse gemeinsam ein Theaterstück entwickelt. Leichter gesagt als getan. Erst der kurzfristig genehmigte Landschulheimaufenthalt lässt die Bruchstückhaften Ideen der Kinder zu einem Ganzen werden. Aber nicht nur das Theaterstück nimmt hier Gestalt an. Auch die Klasse findet zu einem neuen Zusammenhalt und entdeckt plötzlich, dass jeder und jede etwas zum Gelingen des Projekts beitragen kann. Selbst Geschwisterkinder kommen zu Ehren und stehen tatsächlich schon mit zwei Jahren auf den Brettern, die die Welt bedeuten.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 8 Jahre.

Kuckero, Ulrike: Das doppelte Christkind, Carlsen 2018, € 6,99.

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