Friedemann

Vier ältere Schwestern zu haben ist schon Schicksal genug, aber dann auch  noch eine Abneigung gegen Anziehsachen jeglicher Art zu entwickeln, ist einfach gemein. Mein persönlicher Widerwille gegen eine quietschgelbe Strumpfhose und einen selbstgestrickten  geringelten Pullover im besten Kindergartenalter ist mir noch sehr lebhaft in Erinnerung. Beides empfand ich, wie Friedemann, als absolut unangenehm auf der Haut. Die Farbe des wärmenden Beinkleids sticht mir zudem heute noch in den Augen. Meiner Begeisterung für Kleidung jeglicher Art hat dies allerdings keinen Abbruch getan.

Der fünfjährige Friedemann hingegen braucht zwischendurch eine Auszeit von Pullover, Jacken, Unterhemden und was der Kleiderschrank sonst noch zu bieten hat. Einzig seine Turnschuhe zieht er gerne an und auch nicht wieder aus. Sabine Büchner und Simone Hennig erzählen die witzig-skurile Geschichte in Wort und Bild mit viel Augenzwinkern und Verständnis für die Nöte des Jungen. Einen wahren  Verbündeten findet der nämlich in seinem Opa Kurt. Bei genauem Hinsehen wird schnell klar, dass Opa Kurt auch einen sehr eigenen Standpunkt zum Thema Mode und Bekleidung vertritt. Nach dem Motto schön ist, was gefällt, wird die Hose falsch herum getragen, zieren unterschiedliche Schuhe und Socken die Füße und das Hemd hat auch eine ausgesprochen interessante Knöpfung. Vielleicht liegt diese bunte Mischung aber auch an dem Fehlen von Opas Brille. Wer genau hinschaut, kann das gute Stück auf verschiedenen Seiten entdecken. Hinschauen ist überhaupt ein Stichwort, dem nachzugehen sich unbedingt lohnt. Alleine die Bilder erzählen eine Geschichte, bei der man wie ein Detektiv Dinge entdecken kann, die sich am Ende zu einer Einheit zusammenfügen. Denn, soviel darf hier verraten werden – Friedemann hat am Ende etwas gefunden, das „so weich wie eine Umarmung“ ist.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 4 Jahren.

Büchner, Sabine; Hennig, Simone: Friedemann, Ravensburger, 2017, € 13,00.

 

 

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