GAR NICHTS VON ALLEM

Dass Quantität nichts mit Qualität zu tun hat, bewahrheitet sich gerade bei Büchern immer wieder. Das schmale Bändchen von Autor Christian Duda kommt nicht nur im Hinblick auf die Seitenzahl bescheiden daher, nein schon im Titel wird in Großbuchstaben verkündet, dass es um Nichts geht. Dieses Nichts wird am Ende von dem elfjährigen Magdi, aus dessen Sicht sich die Erzählung in 32 sogenannten Berichten entfaltet präzise benannt.“Das war alle Tage nur Alltag.“ S. 147 Im Folgesatz kommt aber die entscheidende Ergänzung. „Er wird nur durch das Aufschreiben irgendwie wichtig.“ S. 147

Dieser elfjährige führt also kein klassisches Tagebuch, sondern lässt uns durch die  zeitlich nicht eindeutig zuzuordnenden Berichte unmittelbar an seinem Alltag teilhaben. Es ist der Alltag einer binationalen Familie. Der Vater unerbittlich streng, die Mutter bemüht es allen recht zu machen und das Bild nach außen zu wahren. Für Magdi und seine drei Geschwister ist jeder Tag aufs Neue eine Herausforderung. Es gilt den hohen Anforderungen der Eltern zu genügen, die an vielen Stellen nicht nachvollziehbare und ungerechte Härte des Vaters zu ertragen und in der Schule damit zurechtzukommen, dass man als „anders“ wahrgenommen wird. Es ist auch der Spagat zwischen zwei Kulturen, der Magdi und seine Geschwister Kraft kostet und immer wieder die Frage aufwirft, wo und wie sie sich eigentlich zugehörig fühlen. Gerade aus dem Benennen und Aufschreiben ergibt sich am Ende für die Geschwister, die das Werk des Bruders lesen dürfen die Erkenntnis wir gehören zueinander und wir stehen füreinander ein. Denn Magdi erzählt nicht nur von sich, nein er beobachtet auch sehr genau, wie es den Brüdern und der Schwester ergeht. Damit gibt er nicht nur allen eine Stimme sondern schafft auch ein festes Band der Verbundenheit.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 11 Jahre.

Duda, Christian: GAR NICHTS VON ALLEM, Gulliver, 2019, € 6,95.

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