Jackaby

JackabySpätestens bei der Lektüre von William Ritters „Jackaby“, merkt der eingeschworene Harry Potter Fan, wie umfangreich sein Wissen über magische Wesen jeglicher Art ist. Hausgeister, Kobolde, Rotkappen und Banshees – um nur einen Bruchteil der paranormalen Erscheinungen zu nennen – sind uns so vertraut, wie die Nachbarn von nebenan. J. K. Rowling hat also wahrlich Aufklärungsarbeit geleistet und wer nun meint, William Ritters Figur des auf übernatürliche Phänomene spezialisierten Privatdetektivs sei ein müder Abklatsch eines im 19. Jahrhundert auf Geisterjagd gehenden Ermittlers, der in seiner Schmächtigkeit verdächtig an den Jungen mit der gezackten Narbe auf der Stirn erinnert oder einmal mehr den aus der Literatur ebenfalls hinlänglich bekannten Berufsstand des Geisterjägers  bemüht, kann sich beim Lesen vom Gegenteil überzeugen. Denn der wahre Held ist nicht der mit Expertenwissen ausgestattete Detektiv, sondern die junge Ausreißerin Abigail Rook. Ausgestattet mit einem wachen Verstand und dem Forschergeist ihres Vaters, schwebt Abigail ebenfalls eine Tätigkeit als Anthropologin bzw. Paläontologin vor. Die Vorstellung im Hörsaal zu sitzen, nimmt ihr schier die Luft zum Atmen und ehe man sich versieht, macht sich das behütet aufgewachsene Mädchen allein auf den Weg, um in Jungenkleidern an einer Ausgrabung teilzunehmen. Mit einer gesunden Portion Selbstironie, einem sicheren Gespür für Situationskomik und dem Mut, auch dann zu seinen Entscheidungen zu stehen, wenn es nicht nur unbequem, sondern auch gefährlich wird, nimmt einen schnell für diese in ihrer Zeit vollkommen unkonventionelle und gegen den Strom schwimmende Protagonistin ein. Denn wie viele weibliche Detektiv-Assistentinnen, die sich schon nach kurzer Zeit Detektivin nennen dürfen wird es 1892 schon gegeben haben?

Buchtipp von Minea Süss

Ab 12 Jahre.

Ritter, William: Jackaby, cbt, 2016, € 9,99.

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