Kleiner grüner Esel

Geschmäcker sind nicht nur verschieden, nein sie können sich im Laufe der Zeit durchaus verändern oder aber sie sind in einer bestimmten Geschmacksphase total festgefahren. Dinge, die mir munden, kann ich mit großem Appetit und mit Wonne durchaus regelmäßig zu mir nehmen. Die Ausschließlichkeit mit der Bruder Nummer eins und zwei in den tiefsten Pubertätswirren streichfähige Nüsse auf dem Brot nicht nur zum Frühstück, sondern über den ganzen Tag verteilt zu sich nahmen, ist mir allerdings bis heute verwehrt geblieben.

Mit einem deutlichen Augenzwinkern erzählt Anuska Allepuz von der ungebrochenen Begeisterung eines kleinen Esels für grünes Gras. In Maßen genossen ist diese Speise erfrischend, gesund, schmackhaft und überhaupt ganz wunderbar. Doch wenn der von der Eselmama angeregte Blick über den Tellerrand geflissentlich überhört und übersehen wird, stellt sich allmählich heraus, dass eine einseitige Ernährung nicht ohne Folgen bleibt. Derweil das Eselchen uns in munteren Reimen von seiner Leibspeise in sämtlichen Facetten berichtet, sehen wir schon, dass sich das schicke Eselsgrau an einigen Stellen ins grünliche verfärbt. Was langsam beginnt, entwickelt innerhalb kürzester Zeit eine beachtliche Eigendynamik. Aus grau wird grün und der Blick in die spiegelnde Wasserfläche wirkt fremd. Nun ist guter Rat teuer. Oder auch nicht. Die Frau Mama unterbreitet – mit Birne in der Hand – erneut ihren Vorschlag andere Leckereien auszuprobieren. Mit ungeahntem Eifer stürzt sich der Sprössling in ein Geschmacksabenteuer, dessen Ausgang nicht ganz so überraschend ist, wie es auf den ersten Blick scheint.

Buchtipp von Minea Süss

Ab drei Jahre.

Allepuz, Anuska: Kleiner grüner Esel, Magellan, 2020, € 14,00.

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