Liebe und andere Fremdwörter

Liebe und andere FremdwörterWer denkt, ein überdurchschnittlich hoher Intelligenzquotient sei ein Geschenk des Himmels und erleichtere das Leben auf eine kaum in Worte zu fassende, angenehme Art, der irrt gewaltig. Herzensangelegenheiten lassen sich eben nicht in Formeln darstellen oder in pro und contra Diskussionen erörtern. Langes und intensives Nachdenken über die hypothetische Frage, ob Josie sich in der Zukunft vorstellen könne, sich in ihren Schulballbegleiter zu verlieben, führt auch in eine Sackgasse.

Dabei ist das Leben auch so schon kompliziert genug. Ständig ist die wortgewandte und selbstreflektierte Fünfzehnjährige damit beschäftigt, die unterschiedlichen Sprachen, die sie umschwirren zu entschlüsseln und sich darauf einzustellen. Allein innerhalb der Familie herrscht ein babylonisches Sprachwirrwarr. Neben einer gemeinsamen, gibt es noch die Eltern-Josie und Geschwister-Josie sowie die Schwager und zukünftiger Schwager-Josie-Sprache. Ausgestattet mit feinen Antennen, registriert Josie sämtliche Abstufungen in ihrem sozialen Umfeld und macht sich ihre Gedanken.

Eine gesunde Portion Selbstironie und eine gewisse Bodenstädigkeit, verhelfen dem reifen Teenager sich schließlich einzugestehen, dass sie mit dem verhassten Schwager in Spe mehr Gemeinsamkteiten hat als ihr lieb ist, und das der beste Freund weitaus mehr Qualitäten besitzt, als beste Freunde gemeinhin zu haben pflegen. Lesende dürfen sich auf eine sensibel munter heitere Lösung des Gordischen Sprach- und Gefühlsknotens freuen.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 14 Jahre.

McCahan, Erin: Liebe und andere Fremdwörter, FJB Verlag, 16,99 €.

 

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