Martina – Ein Mädchen voller Überraschungen

Ob es nun das halbwegs freundliche Lächeln des Zombiemädchens oder der schön geschnitzte Kürbis war, der meine Aufmerksamkeit auf das Buch lenkte, kann ich gar nicht so genau sagen. Zombiegeschichten gehören auf jeden Fall nicht in die Kategorie Lieblingsbuch. Bis jetzt! Die liebenswerte Figur die Illustratorin und Autorin Barbara Cantini geschaffen hat, hat mich wider Erwarten im Sturm erobert und ist für graue und verregnete Herbsttage genau die richtige Lektüre.

Zusammen mit Hund Mesto wohnt Mortina bei ihrer Tante Dipertita. Die ländlich gelegene, großzügige Villa steht inmitten eines weitläufigen Parks. Das nächste Dorf befindet sich gerade in Sichtweite. Trotz der Entfernung kann Mortina immer wieder Kinder aus dem Dorf beim Spielen beobachten. Man ahnt, was das Problem des Kindes ist. Da die Tante und sie zur Spezies der Untoten gehören, wacht Tante Dipertita mit Argusaugen über die Nichte, damit sie bloß nicht in Kontakt mit den Dorfkindern kommt. Hund Mesto ersetzt also nicht nur fehlende Familienmitglieder, sondern auch fehlende Spielgefährten. Genau an der Schnittstelle zwischen Bilderbuch und Vorlesegeschichte, entwickelt Barbara Cantini eine Bildsprache, die unaufgeregt und witzig Zombie typische Merkmale benennt, ohne dabei ins unappetitliche  oder makabere abzugleiten. Die gelungenen Illustrationen unterstreichen und ergänzen den Text und laden zum Verweilen und Schauen ein. Der etwas größer gedruckte Text ist sowohl vom Druckbild als auch vom Satzbau für Leseanfänger geeignet. Mit Spannung begleitet man das Kind auf seiner verzweifelten Suche nach Freunden. Aber Martina wäre nicht Martina, wenn sie nicht mit der ihr eigenen Spitzfindigkeit eine Lösung für ihr Problem finden würde. Wohlige Schauer am Ende sind garantiert.

Lesetipp von Minea Süss

Ab 7 Jahre.

Cantini, Barbara: Mortina – Ein Mädchen voller Überraschungen, dtv junior, 2019, € 10,95

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