Mein Weg mit Vanessa

Zu einem Wohnortwechsel gehört unweigerlich auch der Kita- bzw. Schulwechsel. Da ich bereits zwölf Jahre alt war, ist mir der umzugsbedingte Schulwechsel lebhaft in Erinnerung geblieben. Anders als Vanessa, die an ihrem ersten Tag an der neuen Schule eine unschöne Erfahrung auf dem Heimweg macht und während des Unterrichts auch auf sich allein gestellt ist,  habe ich den ersten Schultag mit all den neugierigen Blicken und interessierten Fragen durchaus positiv in Erinnerung. Ebenso gegenwärtig ist aber auch immer noch die Sorge, dass man als Fremdkörper in der bestehenden Gemeinschaft keinen Anschluss findet.

In dem textlosen Bilderbuch werden Vanessas Erfahrungen in gut lesbaren Illustrationen mit ausreichend Raum für eigene Gedanken dargestellt. Wie bei einer Kamerafahrt, werden die Bilder mit jeder Seite an den Lesenden herangezoomt, um dann wieder etwas weiter auf Distanz zu gehen. Als Vanessa der Klasse vorgestellt wird, ist die Szene relativ weit weg. Ebenso die alleine auf der Tribüne in der Turnhalle sitzende Vanessa erscheint in die Ferne gerückt, was sie umso einsamer wirken lässt. Nach der letzten Stunde ist sie auf einer Doppelseite vorne rechts groß im Bild und scheint aus dem Buch heraus zu laufen. Hinter ihr verabschieden sich die Kinder voneinander oder gehen in Gruppen gemeinsam nach Hause. Der Junge, der das völlig erschrockene Mädchen auf dem Nachhauseweg unvermittelt anschreit und beschimpft, fällt bei genauem Hinsehen auf der vorangegangenen Doppelseite auf. Sein Gesichtsausdruck ist hochnäsig und verschlossen. Genau hierfür ist das Buch ein Plädoyer. Für genaues Hinsehen, für  Aufmerksamkeit für die Menschen, die uns umgeben und für den Mut, zu helfen, wenn Hilfe notwendig ist.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 5 Jahre.

Kerascoët: Mein Weg mit Vanessa, Aladin, 2018, € 14,95.

 

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