Mount Caravan – Die fantastische Fahrt im Nimmerzeit-Express

Mount CaravanWaisenkinder, die in dubiosen Institutionen ihr Dasein fristen, abgeschoben von den erwachsenen Verantwortlichen, gemobbt von Gleichaltrigen, gibt es in der Literatur zuhauf. Anna Ruhe ist es trotz des unüberschaubaren literarischen Erbes gelungen, eine Figur zu erschaffen, die sympathisch normal ist und deren Haupttalent in einer ausgeprägten Gabe zur Empathie liegt. Jakes andere Begabung, stets zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein, in jedes, aber auch jedes Fettnäpfchen zu treten, wird erst mit einem erneuten Schulwechsel unterbrochen. Fortan ist alles anders. Schon der Name der Schule – Mount Caravan – deutet auf einen ungewöhnlichen Schulbetrieb hin. Schade nur, dass die Autorin den Ort der Handlung nach England verlegt hat. Wenn man sich eine Schule bestehend aus Wohnwagen mit ausklappbarer Sonnenterrasse auf dem Dach vorstellen kann, dann hier. Generationen von Kindern sind mit Peter Lustig groß geworden und die Tatsache, dass es bereits seit einigen Jahren einen Nachfolger dieser beliebten TV-Figur gibt, der genau wie sein Vorgänger in dem blau gestrichenen Bauwagen idyllisch im Grünen residiert, lässt ahnen, dass sich diese leicht anarchische Wohnform keinesfalls überholt hat. Die liebevolle und detailgenaue Beschreibung der Wohnwagen, in denen immer zwei Kinder untergebracht sind, löst beim Lesen nahezu zwangsläufig Fernweh aus. So pittoresk dieses außergewöhnliche Internat auch ist, eine Bedrohung der Schule lauert in Gestalt eines ehemaligen Schülers diffus hinter jeder Ecke und ob man der Lehrerin für Imaginistik trauen kann, ist auch nicht ganz klar. Dank seiner Freunde Ava und Finley erprobt Jake seinen Mut und kann am Ende stolz von sich behaupten das Herz der Schule, das sagenumwobene Skriptum Futurum nach bestem Wissen und Gewissen verteidigt zu haben.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 10 Jahre.

Ruhe, Anna: Mount Caravan, Die fantastische Fahrt im Nimmerzeit-Express, Arena, 2016, € 12,99.

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