Amy und die geheime Bibliothek

Im Zeitalter von Smartphone, Tablet und Co hat das Buch in Gestalt der neuen Medien eine ernst zu nehmende Konkurrenz erhalten. Hinzu kommen vielfältige Freizeitaktivitäten und durch die OGS-Konzepte eine deutlich längere Verweildauer in der Schule. Genau hierin kann aber auch eine Chance liegen. Lesen als Gegenkonzept zu Reizüberflutung und Hektik im Alltag. Ein Buch bietet nicht nur Entschleunigung, indem ich mir einen ruhigen Ort suche und mich in die Geschichte vertiefe, nein, ein Buch beinhaltet eine ganze Welt, in die ich eintauchen kann. Eine Welt, die vollkommen anders ist, als das was ich in meinem Leben bisher erfahren habe oder eine Welt, die meinen Leben durchaus ähnelt.

In der Betrachtung aus Erwachsenensicht können aber genau in dieser Vielfalt, die Literatur bietet Probleme liegen. Was passiert, wenn Kinder dass, was sie lesen nachmachen? Von zu Hause weglaufen z. B. Die Liste der Beispiele ließe sich problemlos fortführen. Was bei uns  lediglich am Rande von Gesprächen auftaucht, wird in den USA intensiv diskutiert und führt in vielen Fällen zu einem Verschwinden von Büchern aus Schulbibliotheken. In „Amy und die verschwundenen Bücher“ wird genau hiervon erzählt. Alles beginnt damit, dass Amys Lieblingsbuch plötzlich aus dem Bestand der Schulbibliothek verschwindet und damit nicht mehr ausgeliehen werden kann. Das Buch wird auch nicht ersetzt. Es ist einfach nicht mehr da. Und was noch schlimmer ist, es kommen immer mehr Bücher hinzu. Um dem entgegenzuwirken, beschließt Amy zu handeln. Heimlich gründet sie in ihrem Schließfach eine Minibliothek. Mit Unterstützung ihrer Freunde und Mitschüler beschafft sie die Exemplare von den verschwundenen Büchern und leiht sie Lesehungrigen Kindern aus. Amys Geschichte ist ein mitreißendes Plädoyer für Lesefreiheit und das Lesen an und für sich.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 10 Jahre.

Gratz, Alan: Amy und die geheime Bibliothek, Hanser, 2019, €15,00.

 

Komm kuscheln

Statte ich dem Botanischen Garten einen Besuch ab, muss ich auch jedes Mal schauen, was sich in den Gewächshäusern getan hat. Hin- und hergerissen zwischen dem überbordenden Blätter und Blütenreichtum in den schwül-warmen tropischen Gefilden, bin ich auch immer wieder fasziniert von der  Formen und Farbenvielfalt, die sich in den trocken heißen Temperaturen der Wüstengebiete entwickelt und in Gestalt von einer beeindruckenden Zahl unterschiedlichster Sukkulenten  im Botanischen Garten bewundert werden kann.

So hübsch diese pflegeleichten Gewächse in ihrer kargen Umgebung auch anzuschauen sind, so wenig laden sie mit ihren Stacheln zum Anfassen ein. Simona Ciraolo macht in ihrem originellen Bilderbuch genau dies zum Thema. Allerdings geht es dabei nicht um Kakteen begeisterte Menschen, die sich bei der Pflege und beim Umtopfen ihrer Lieblinge mit den pikenden Auswüchsen herumschlagen müssen, sondern um die Gewächse selber. Wer als Kaktus aus einem altehrwürdigen Geschlecht stammt, der hat einen Ruf zu verteidigen und der lautet ganz klar, kein Stachelkontakt zu irgendwem, auch nicht zum nächsten Anverwandten. Für klein Felipe ist das nicht zu verstehen. Er sehnt sich nach einer Umarmung. Innerhalb der eigenen Sippschaft stößt er dabei immer wieder auf Ablehnung. Aber auch der Schmetterling, der Luftballon (dieser bringt ihm sogar einen wenig schmeichelhaften Artikel in der Klatschpresse ein) und die Erdmännchen lehnen Felipes Kuschelbedürfniss strikt ab. Fortan lebt er allein in einem Gewächshaus und ist eigentlich ganz zufrieden mit sich. Eigentlich. In Wirklichkeit fehlt ihm Gesellschaft und eine Umarmung. Wie sehr sich in diesem Fall der Blick über den Tellerrand bzw. das Gewächshaus lohnt, zeigt sich als Felipe dort jemanden entdeckt, dem es genauso geht wie ihm. Wer das ist, wird nicht verraten. Nur soviel: es gibt ein Happy End und der Jemand ist kein Kaktus.

Buchtipp von Minea Süss

Ab vier Jahre.

Ciraolo, Simona: Komm kuscheln, Bohem, 2018,€ 16,95.

Werken mit dem Taschenmesser

Bruder Nummer zwei hat bis heute immer ein Taschenmesser dabei. Immer ist wörtlich zu nehmen und da man sich in der Freizeit auch sehr gerne in abgelegenen Gegenden tummelt, kommt dieser unabdingbare Gebrauchsgegenstand auch regelmäßig zum Einsatz.

Mein Taschenmesser habe ich am Wochenende hinten in der Küchenschublade entdeckt. Aufräumen kann nicht nur befreiend, sondern auch beglückend sein. Sofort fielen mir die schönen Outdoortitel zum Thema Schnitzen ein, die wir zur Zeit auf unserem Thementisch im Laden haben. Das Klappmesser mit dem angenehm in der Hand liegenden Holzgriff rief aber auch Erinnerungen an frühe Schnitzkünste wach. Wie man aus einem Holunderzweig eine Pfeife schnitzt, der man tatsächlich Töne entlocken kann, hat meinen Geschwistern und mir mein Opa beigebracht.

Was man sonst noch alles mit einem Taschenmesser herstellen kann, verrät uns Felix Immler in seinem lesenswerten Buch. Auch hier spielt der Opa bzw. Uropa  eine Rolle.  Für eine Schweizer Firma hat dieser nämlich das erste Taschenmesser entwickelt. Als Taschenmesserpädagoge führt Felix Immler das Erbe des Uropas fort und lässt uns an seinem Wissen teilhaben. Neben einer ausführlichen Einleitung in die Benutzung eines Taschenmessers, technischen Grundlagen, der richtigen Holzwahl, unterschiedlichen  Schnitztechniken und Tipps zur Pflege kann zwischen 15 kleinen und größeren Schnitzprojekten gewählt werden. Von der Astkröte bis zum fliegenden Propeller eignen sich alle Vorschläge zur direkten Umsetzung im Freien. Wer viel in Wald und Feld unterwegs ist, findet in dem handlichen Buch eine Menge Anregungen und verständliche Erklärungen nebst Fotos, die zum Nachmachen einladen.

Buchtipp von Minea Süss

Ab sieben Jahre.

Immler, Felix: Werken mit dem Taschenmesser. Das kleine Handbuch für unterwegs., AT Verlag, 2014, € 13,00.

Clementine liebt Rot

Egal ob Festnetz oder Handy, die Tücken der Technik hat sicherlich schon jeder einmal am eigenen Leib zu spüren bekommen. Alleine letztes Jahr hat sich bei mir das Festnetz dreimal geweigert zu funktionieren. Konnte im ersten Fall eine größere Störung, die auch andere Stadtteile betraf ausfindig gemacht werden, waren die Experten eines großen Bonner Telekommunikationsunternehmens bei den beiden anderen Fällen ratlos. Der Tipp einfach mal alle Stöpsel zu ziehen und ein bisschen zu warten hört sich wenig professionell an, hat aber tatsächlich funktioniert.

Mit Stöpsel ziehen und warten kommt Wachtmeister Summer allerdings nicht weiter. Des Nachts wird er durch schrilles Klingeln aus dem Schlaf gerissen. Aufgrund einer wiederholt auftretenden Störung bekommt er nur Bruchstückhaft mit, dass ein Kind verschwunden ist. Weder der Wachtmeister noch sein Sohn, der das Gespräch mitbekommen hat, können ahnen, dass besagtes Kind am Nachmittag bereits gefunden wurde. Ebensowenig können sie ahnen, dass dieses Kind noch ein anderes Kind sucht. Im Grunde sind also zwei Kinder verschwunden. Meinen zumindest alle Beteiligten und das sind weit mehr als Wachtmeister Summer und sein Sohn. Schließlich haben mehrere Kinder beim Spielen im Wald die weinende Erbse gefunden, die Mutterseelenallein hinter einem Busch hockte. Der Tatendrang und die Hilfsbereitschaft aller Beteiligten (es werden übrigens bis zum Ende der Geschichte immer mehr) kennen keine Grenzen. Missverständnisse, Verwechslungen und jede Menge Überraschungen sind da vorprogrammiert. Zwischendurch bzw. Mittendrin sind übrigens fast alle Kinder, die sich in die abenteuerliche Suche gestürzt haben verschwunden. Aber wie heißt es doch so schön: „Wer suchet der findet.“ Ein tolles Vorleseabenteuer für die ganze Familie.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 6 Jahre.

Boglar, Krystyna: Clementine liebt Rot, Gerstenberg, 2019, € 14,95.

Paul, gar nicht faul!

Ob Faultiere sich aufgrund ihres entschleunigten Verhaltens zunehmender Beliebtheit erfreuen und infolge dessen immer öfter Bilderbücher bevölkern sei dahingestellt. Der Blick ins Buch zeigt schnell, dass die so naheliegende These nicht funktioniert. Genau das Gegenteil ist der Fall. Das entschleunigte Faultier wird in der literarischen Welt eindeutig beschleunigt. Damit aber die Faultierwelt und Biologie nicht vollends aus den Fugen gerät, verhält sich zumindest die Faultierfamilie artgerecht und frönt ausgiebig und inbrünstig dem Nichtstun. Es ist dann jeweils ein Sproß, der über ungewöhnlich viel Energie und Entdeckergeist verfügt und den Tiefschlaf der Sippe nutzt, um Spiel und Spaß im Dschungel nachzugehen.

Paul bildet da keine Ausnahme. Schlafend im Baum abhängen kommt für ihn nicht in Frage. Viel interessanter und lustiger ist ein gemeinsamer Nachmittag mit seinem Freund dem Affen. In Form von munteren Reimen und altersgerechten Illustrationen können kleine Buchgucker Paul und seinen Freund bei ihrem Spiel begleiten. Die Beschäftigung der Beiden reicht vom Baumwettklettern bis hin zum Bananenwettessen und Schwimmen. Wer der bessere Kletterer und Esser ist, wird hier nicht verraten. Nur so viel sei erwähnt: Die Bananenschalen fliegen wild durch die Gegend und landen schließlich bei zwei sehr gefährlichen Tieren auf dem Kopf. Wie heißt es doch so schön? Ein Bananenhut steht jedem gut. Doch bevor der Tag sich dem Ende neigt, reitet Paul noch eine Runde auf dem Elefant und schläft dann zufrieden ein. Ein witziges Pappbuch, das auch als Gutenachtbuch geeignet ist.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 2 Jahren.

Leykamm, Martina: Paul, gar nicht faul!, Oetinger, 2019, € 8,00.

Wie ist es, wenn man arm ist? Alles über Armut und Hunger

In einer Welt, die durch Globalisierung und Social Media immer enger zusammenrückt, erscheint es zunehmend wichtiger, Fragen nach Ursachen und Zusammenhängen zu stellen. Gerade für Kinder, die über verschiedenste Kanäle Informationshäppchen aufschnappen,  ist es sinnvoll ein sperriges Thema wie Armut und Hunger im Bilderbuchformat ruhig und sachlich aufbereitet anzubieten.

In dreizehn Kapiteln, die jeweils aus einer illustrierten Doppelseite und einem kurzen, gut verständlichen Text bestehen, werden die wichtigsten Aspekte zum Thema dargestellt. Die Farbwahl der Bilder besteht überwiegend aus dezenten, ruhig wirkenden Naturtönen. Aufgrund der grafischen Umsetzung gewinnen die Szenen von Krieg, Naturkatastrophen, Obdachlosigkeit etc. an Intensität ohne ins plakative abzugleiten. In der gestalterischen Zurückgenommenheit bieten die Bilder den Betrachtenden die Möglichkeit die „Leerstellen“ im Nachdenken über Text und Bild zu füllen. Das Bilderbuch lädt an dieser Stelle geradezu zum Verweilen ein. Wichtige Impulse zum Nachdenken hält auch der Text bereit. Der erste Satz im ersten Kapitel wirkt zunächst sehr unscheinbar. Aber die Formulierung „Die meisten Menschen hierzulande haben genug Geld, um sich das Nötigste zu kaufen.“, kann als eine Einladung, um miteinander ins Gespräch zu kommen aufgefasst werden, denn Armut gibt es auch bei uns vor der Haustür. Ausgehend von einer breit angelegten Basis verschiedener Gründe und Ursachen für Hunger und Armut wird zum Ende des Buches der Bogen zum eigenen Handeln gespannt. Von über das Thema reden bis hin zum Spendensammeln werden verschiedene Möglichkeiten aufgezeigt, wie auch Kinder aktiv werden können. Darüber hinaus werden auch zahlreiche Informationsquellen genannt, die zur Vertiefung genutzt werden können. Abschließend werden die wichtigsten Wörter in einem kurzen Glossar nochmals zusammengefasst und erläutert.

Buchtipp von Minea Süss

Ab sechs Jahren.

Spilsbury, Louise: Wie ist es, wenn man arm ist? Alles über Armut und Hunger, Gabriel Verlag, 2018, €10,00.

Das schlaflose Buch

Ob Groß oder Klein, jeder kennt sie, diese Nächte, in denen man sich immer und immer wieder von einer auf die andere Seite wälzt, und einfach kein Auge zu tun kann. Guter Rat ist mit Schäfchen zählen weniger teuer als unsinnig und abgegriffen, Lavendeltee ist ein Geschmackserlebnis der besonderen Art und auch nicht jedermanns Sache. Lesen empfiehlt sich nicht, wenn man wenig Buchbegeistert ist, aber man könnte es ja mal wagen.

Ein Wagnis ist das Buch von Moni Port allemal. Nimmt man den Titel wörtlich, dann ist das Buch belebt und kann nicht schlafen. Das ist natürlich Unsinn, übt aber eine nahezu magische Anziehungskraft aus. Man weiß, was gemeint ist und ist gespannt, was die Schlaflosigkeit ausgelöst hat. Genau das erfahren wir als Lesende nicht, nur das die Gedanken kreisen und kreisen. Wer nun glaubt der Gedankenstrom entführt in phantastische Welten, der irrt. Die in den Farben der Dämmerung und Nacht gehaltenen Seiten halten eine beeindruckende Vielzahl an Fakten bereit, die uns in die überraschende und wundersame Welt der Natur entführen. Anstoß hierfür ist ein Glas Wasser. Getrunken, in dem Bemühen endlich einzuschlafen, wenden sich die Gedanken aber zunächst dem Thema Wasser zu. Die Tatsache, dass das Herz eines Blauwals so viel wiegt wie ein VW-Käfer, führt die Gedanken zurück aufs Festland. Die Insekten führen geradewegs zu Heiratsbräuchen in Frankreich und Bulgarien und damit ist der Reigen der auf den ersten Blick vollkommen unsinnig anmutenden Zusammenhänge noch lange nicht beendet. Das Buch ist gleichermaßen Schatzkammer und Kuriositätenkabinett und lädt zum immer wieder lesen ein.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 5 Jahre. Auch für Leseanfänger geeignet.

Port, Moni: Das schlaflose Buch, Klett Kinderbuch, 2018, € 14,00

Das letzte Schaf

„An der Arche um Acht“ ist ein wunderbares Buch, das seit seinem Erscheinen im Jahr 2007 unzählige Male über die Ladentheke gereicht worden ist. Elf Jahre später hat sich Autor Ulrich Hub wieder einer biblischen Geschichte zugewandt.   Diesmal treffen wir nicht auf Pinguine, sondern auf Schafe. Sieben an der Zahl erzählen uns erfrischend unkonventionell von dem Kind in der Krippe, dass mit keinem geringeren Versprechen als der Retter der Welt zu sein in eben diese gekommen ist. Besinnlich geht es dabei eher nicht zu. Direkt am Anfang gibt es gehörige Irritationen und Aufregung. Die Hirten sind weg! Schafe ohne Hirten sind wie Autofahrer ohne Navy – orientierungslos. Da aber immer einer den Durchblick hat oder haben muss, gibt es natürlich auch bei den Schafen eine Art Ersatznavy. Das Schaf mit der Mütze begibt sich in diese Rolle, braucht am Ende aber Unterstützung von dem Schaf mit der Zahnspange, welches aus erster Quelle von der Ziege erfahren hat, dass ein ganz besonderes Kind geboren wurde. Der Auftrag ist somit klar. Nicht nur die Hirten, sondern auch das Kind müssen schnellst möglich gesucht und gefunden werden. Ob die Schafe mit ihrer Suche erfolgreich sind, wird nicht verraten. Aber langweilig wird es den Schafen nicht. Es passiert noch eine ganze Menge. Ein Schaf geht verloren und macht Bekanntschaft mit einem Wolf, ein anderes fällt in den Fluss und muss gerettet werden, mathematisch begabte Kamele tauchen auf und staunen über die nicht vorhandenen Zählkünste der quirligen Wollknäuele. Ein Buch für die ganze Familie.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 8 Jahre.

Hub, Ulrich: Das letzte Schaf, Carlsen, 2018, € 13,00.

Das doppelte Christkind

Alle Jahre wieder feiern wir am 24. Dezember Weihnachten. Alle Jahre wieder suchen wir die ultimative Weihnachtsgeschichte zum Vor- und Selberlesen. Alle Jahre wieder suchen wir die unsagbar schöne und stimmungsvolle CD mit Weihnachtsliedern. Alle Jahre wieder haben wir die Erwartung, dass 2018 Jahre nach dem Ereignis in einem kleinen Stall in Bethlehem die Geschichte neu erfunden werden kann. Letzteres ist natürlich nicht möglich, selbst die zahllosen Varianten von Krippenspielen und Weihnachtsgeschichten kommen einem irgendwann alle bekannt vor, aber nichts desto trotz kann auch altbekanntes bestens unterhalten und zum Nachdenken und Innehalten anregen.

Ulrike Kuckero ist mit ihrer Version der Ereignisse zwischen Ochs und Esel eine muntere Weihnachtsgeschichte gelungen, die die allseits gefürchtete 4 c zur Hochform auflaufen lässt. Einmal angespornt und vom Ehrgeiz gepackt, setzt allein das Vertrauen der neuen Lehrerin Frau Klopstock in die Fähigkeiten der Kinder so viel Energie und Kreativität frei, dass selbst der skeptische und in weiten Teilen humorbefreite Schulleiter am Ende glückselig lächelt. Bis dahin ist es allerdings doch noch ein steiniger Weg. Denn die Idee der tatkräftigen Frau Klopstock am Theaterwettbewerb des ungewöhnlichsten Krippenspiels teilzunehmen setzt erst einmal voraus, dass die Klasse gemeinsam ein Theaterstück entwickelt. Leichter gesagt als getan. Erst der kurzfristig genehmigte Landschulheimaufenthalt lässt die Bruchstückhaften Ideen der Kinder zu einem Ganzen werden. Aber nicht nur das Theaterstück nimmt hier Gestalt an. Auch die Klasse findet zu einem neuen Zusammenhalt und entdeckt plötzlich, dass jeder und jede etwas zum Gelingen des Projekts beitragen kann. Selbst Geschwisterkinder kommen zu Ehren und stehen tatsächlich schon mit zwei Jahren auf den Brettern, die die Welt bedeuten.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 8 Jahre.

Kuckero, Ulrike: Das doppelte Christkind, Carlsen 2018, € 6,99.

Weihnachten in der Pfeffergasse

In zwei Wochen ist der erste Advent und auch die Außentemperaturen sind endlich in einem der Jahreszeit angemessenen Bereich angekommen. Heute Morgen glitzerte der Nachtfrost fröhlich in der Sonne, mit ein bisschen Phantasie hätte es auch eine dünne Schneedecke sein können.

In der Pfeffergasse liegt tatsächlich Schnee, so wie es eben kurz vor Weihnachten sein sollte, es sei denn man befindet sich im schneefreien Rheinland. Die Geschwister Finn und Greta kommen allerdings vor lauter Vorweihnachtstrubel in Oma Rosas Buchlanden weder in den Genuss einer Schneeballschlacht, noch einer rasanten Schlittenfahrt. Stattdessen flitzen sie jeden Tag nach der Schule in den Buchladen, um dort nach dem Rechten zu sehen. Eigentlich sollte das ja ihre Mutter machen, aber die ist auf einer Fortbildung, und der Herr Papa ist im Hotel auch ganz schön eingespannt. Der Oberschenkelhalsbruch von Oma Rosa passt so gar nicht in die arbeitsintensive Adventszeit. Der ältere Herr Weber, seines Zeichens Oma Rosas rechte Hand in der Bücherbutze kann zwar hervorragend Bücher empfehlen, aber die Kasse und den Computer kann er leider nicht bedienen. Hier und sind nun Finn und Greta gefragt. Mit Unterstützung ihrer Freunde gelingt es ihnen nicht nur dem unadventlichen Geruch in der Buchhandlung auf den Grund zu gehen, sondern auch für eine stimmungsvolle Dekoration und steigende Umsätze zu sorgen. Ganz nebenbei wird auch noch das Geheimnis von Herrn Weber gelüftet. Die schöne Adventsgeschichte eignet sich wunderbar zum Vor- und Selberlesen.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 7 Jahren.

Bosse, Sarah: Weihnachten in der Pfeffergasse, Coppenrath, 2017, € 12,99.