Tito Bonito und die Sache mit dem Glück

Die Beschreibung des kleinen Städtchens Allora weckt unmittelbar den Wunsch dorthin zu reisen, um durch die engen Gassen mit den fröhlich bunten Häusern zu schlendern und die entspannte und glücklich Atmosphäre unmittelbar zu erleben und in sich aufzunehmen. Unvorstellbar, dass so ein Ort von einer todbringenden Krankheit heimgesucht wird oder  das dort Menschen leben, die böses im Schilde führen.

Genau dies widerfährt aber diesem paradiesischen Fleckchen Erde. Im Gegensatz zu den Figuren, die in der Geschichte gefangen sind, haben wir als Leser die Möglichkeit, dem Ort des Schreckens zu entfliehen, in dem man das Buch zuklappt und die Lektüre vorzeitig beendet. Gespielt habe ich mit genau diesem Gedanken, als abzusehen war, dass auch Albertos Familie von der Krankheit nicht verschont bleiben wird. Getan habe ich es nicht. Fasziniert und gefangen genommen von einer Sprache, die den Verlust von Ehefrau und drei Kindern als das benennt, was es ist und gleichzeitig Trost spendet, habe ich weiter gelesen. Belohnt wurde ich mit der Einsicht in Albertos Wesen, der trotz der Verluste nicht am Leben verzweifelt, sondern fortan als Schreiner Särge herstellt, um Dienst an den Verstorbenen zu tun. Als er den Jungen Bonito bei sich aufnimmt, füllt dieser die Lücke der verlorenen Kinder ohne dabei Lückenbüßer zu sein. Wie der deutlich ältere Mann, hat der Junge aber auch seine Geschichte und ist vom Schicksal nicht unbedingt sanft angefasst worden. Zusammen mit Alberto gelingt ihm der Aufbruch in ein neues Leben, geprägt von Zuversicht Freude.

Buchtipp von Minea Süss

Woods, Matilda: Tito Bonito und die Sache mit dem Glück, Dressler, 2018, €15,00.

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