Zartbitter Tod

Zartbittertod von Elisabeth Herrmann

Bei sommerlichen Temperaturen verflüssigt sich Schokolade bekanntermaßen innerhalb kürzester Zeit. Aus den zart seidig glänzenden festen Stückchen werden zunächst wabbelige Miniatur Ziegelsteine, um sich schließlich in einem zähflüssigen Schokosee zu vereinigen. Schokolade gehört also allenfalls als Eis oder Kaltgetränk in die warmen Monate. Insofern ist mein persönlicher Schokokonsum in dieser Zeit auch eher übersichtlich, was sich spätestens im Oktober deutlich ändert.

Um den gelegentlich aufkeimenden Entzugserscheinungen vorzubeugen, kam die Neuerscheinung von Elisabeth Hermann gerade recht. Ein Thriller, in dem es nicht nur um Schokolade als Genussmittel und Produkt, inklusive manueller Fertigung, sondern um eine historische Schokoladenhohlfigur in Gestalt eines lebensgroßen Nashorns geht, deren Entstehungsgeschichte von der zielstrebigen und engagierten Protagonistin Mia mit viel Courage und Mut recherchiert wird.

Mit ihrem Interesse an der Vergangenheit der eigenen Familiengeschichte, begibt sich die junge Frau auf ein gefährliches Terrain aus Schuld, Schuldgefühlen, Neid und Eifersucht. Die Ursprünge hierfür liegen nicht nur weit in der Vergangenheit, sondern auch auf einem anderen Kontinent. Die Schokoladenfabrikation der eigenen Familie reicht bis in die Kolonialzeit und „Deutsch-Südwestafrika“ zurück.

Was sich zu Beginn lediglich als Aufnahmearbeit für eine Journalistenschule und gleichzeitige Ahnenforschung darstellt, wird für Mia und ihre Mitstreiter schnell zu einem Wettlauf um Leben und Tod. Wer hätte auch gedacht, dass ausgerechnet weit zurückliegende Ereignisse direkten Einfluss auf die Gegenwart haben und damit auch auf die Zukunft des Familienunternehmens.

Geschickt verknüpft die Autorin Fiktion und historischen Hintergrund und macht deutlich, dass manche Missstände in der Gegenwart nur erkannt und aufgeklärt werden können, wenn wir nach dem Ursprung und dem Warum fragen.

Buchtipp von Minea Süss

Herrmann, Elisabeth: Zartbitter Tod, cbj, 2018, €18,00.

Kommentare sind geschlossen.