Ziegen bringen Glück

Sieht man einmal vom Geruch ab, sind Ziegen Tiere, für die ich mich durchaus begeistern kann. Die meisten von ihnen sind zutraulich, lassen sich streicheln und füttern und springen quirlig über die Weide. Bergziegen freuen sich zudem über Felsen zum Klettern und sind – anders als Hausziegen – ausgesprochen freiheitsliebend. Die schwindelerregende Höhe von Wolkenkratzern in New York macht einer Bergziege insofern keine Probleme. Das fehlende Gras hingegen schon. Zu Recht fragt man sich, was eine Ziege in einer Metropole wie New York macht, wie sie dahin kommt und ob das überhaupt sein kann.

Indem uns die elfjährige Kid ihre Geschichte erzählt, erfahren wir auch, wie die Ziege auf das Dach des Hochhauses gelangt ist. Anne Fleming lässt ihre Hauptfigur in der ihr neuen Umgebung nach und nach die Menschen in ihrem unmittelbaren Umfeld, sprich ihre Nachbarschaft entdecken. Jeder von ihnen hat seine eigene Geschichte. Was jeweils als Einzelschicksal daherkommt verbindet sich im Verlauf der Erzählung mit den Erlebnissen und Erfahrungen der anderen, wird ergänzt und durch neue gemeinsame Taten fortgeführt. Die scheue Kid, deren Eltern aus beruflichen Gründen zeitweise in einer der beliebtesten Städte der USA leben, staunt ein um das andere Mal, als sie im und vor dem Haus Menschen trifft, die plötzlich zu ihrem Leben dazugehören und die sie ganz selbstverständlich miteinbeziehen. Allen voran ist da Will, der bei den Terroranschlägen auf das World Trade Center seine Eltern verloren hat und fortan keine Sekunde von seiner Oma aus den Augen gelassen wird. Dank eines kaum zu bremsenden Entdeckerwillens, machen sich die beiden Kinder – ungeachtet der ständigen Dauerbegleitung – daran das Geheimnis der sagenumwobenen Ziege auf dem Dach zu lüften. Schöner kann Freundschaft und das Überwinden eigener Grenzen kaum sein.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 10 Jahre.

Fleming, Anne: Ziegen bringen Glück, Carlsen, 2019, € 10,99.

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